Klaas Raloff hat vor gut sieben Monaten seinen Posten als Leitender Verwaltungsbeamter angetreten. Er weiß, was seine Mitarbeitenden leisten und wie viele Überstunden einige von ihnen aufgebaut haben. Damit die Lage nicht eskaliert, hat er jetzt die Reißleine gezogen.
Solarpark oder Gerätehaus – was ist wichtiger?
Konkret bedeutet das: „Die Gemeinden sollen vorselektieren. Sie wissen, was wichtig ist. Es geht darum, zu entscheiden, welches neue Verfahren man annimmt“, erklärt Raloff und führt aus: „Wir sind die Verwaltung. Wir möchten uns mit den Bürgermeistern vor Ort zusammensetzen und klären, welches Projekt besonders wichtig ist. Ist es der Solarpark, der Einnahmen generiert, oder die Erweiterung des Gerätehauses?“
Laut Klaas Raloff seien keinesfalls immer wirtschaftliche Gründe für eine Priorisierung ausschlaggebend. „Jedes Verfahren in sich hat Sinn“, sagt er. Zugleich betont der Verwaltungsbeamte, dass Bürgerinnen und Bürger nicht viel von dem nun beschlossenen Vorgehen merken dürften. Private Bauanträge würden weiter bearbeitet, Gartenhütten, Garagen und andere Dinge könnten wie gewohnt beantragt und bei positivem Bescheid gebaut werden.
Eine naheliegende Frage ist dennoch: Warum werden nicht einfach ein paar neue Mitarbeitende gesucht und eingestellt? Raloff hält das für wenig sinnvoll. Dies würde vor allem hohe Kosten nach sich ziehen, welche wiederum die fünf Gemeinden – über die Amtsumlage – belasten würden.
Zahl der Bauleitverfahren
steigt seit Jahren
Hinzu kommt, dass das Arbeitsaufkommen seit einiger Zeit höher als gewohnt sei. „Vor gut zehn Jahren hatten wir etwa 30 Bauleitverfahren im Jahr. Aktuell sind es ungefähr 50“, sagt Raloff. Zudem seien die Anforderungen immer komplexer und zeitintensiver geworden. Ziel des eingeschlagenen Weges sei es deshalb, innerhalb von ein bis zwei Jahren ein anderes Bild zu bekommen.
Sprich: Es geht darum, die Zahl der neuen Projekte in den Bereichen Bauleitplanung sowie Hoch- und Tiefbau von Beginn an besser zu dosieren. Klaas Raloff sagt: „Man darf nicht vergessen: Wir schaffen hier auch ganz viel und haben einen guten Output.“
Solarpark-Boom
bindet Kapazitäten
Klar ist, viele der Bauvorhaben, die die Mitarbeitenden im Amt Ostholstein-Mitte beschäftigen, werden nicht von den Gemeinden angestoßen. Stattdessen lösen Akteure wie die Deutsche Bahn, der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr sowie Unternehmen und deren Vorhaben langwierige Prozesse aus. Zusätzlich binden der derzeitige Solarpark-Boom und die Errichtung von Windenergieanlagen regelmäßig Kapazitäten. Und zu guter Letzt müssen die Mitarbeitenden auch überproportional viele Sitzungen vorbereiten. Immerhin gibt es im Amt zwei Wegeausschüsse und fünf Bauausschüsse sowie Einwohnerversammlungen. Allein 2025 habe man 159 Sitzungsvorlagen erstellen müssen.