Herzstück des neuen Winterkonzeptes, das der Timmendorfer Tourismuschef Joachim Nitz im Tourismusausschuss vorgestellt hat, ist eine bis zu 70 Meter lange Rodelbahn, die neben der Trinkkurhalle hinab in den Strandpark führen soll. Drei Monate lang könnte die Rodelbahn das Zentrum beleben. Eine Eislaufbahn ergebe hingegen wenig Sinn, hieß es: Zum einen bietet die Nachbargemeinde Scharbeutz seit einigen Jahren im Winter das größte Schlittschuh-Paradies im Norden, zum anderen hat Timmendorf im Eissport- und Tenniscentrum (ETC) bereits eine Eislauffläche.
Eisbar, Skulpturen
und ein Lichternetz
Das Rodelangebot komplettieren könnten vielmehr eine Eisbar, eine Eisskulpturen-Schau, Lichtinszenierungen im Strandpark, Buden am Seepferdchen-Brunnen und vielleicht auch Eisstockschießen. Das neue Winterangebot soll den etablierten musikalischen Wintertraum – einen kleinen Weihnachtsmarkt – auf dem Timmendorfer Platz ergänzen und fortführen. Der Platz selbst könnte mit einem Lichternetz, vergleichbar mit dem über dem Lübecker Weihnachtsmarkt, überspannt werden, schlug Joachim Nitz vor.
Die Investitionen für das neue Winterkonzept sind bisher auf 220.000 Euro veranschlagt, die laufenden Kosten für eine dreimonatige Saison auf 140.000 Euro. „Wir könnten damit 80.000 zusätzliche Besucher im Winter ins Zentrum locken“, erklärte der Tourismuschef. Die brächten Geld in die Kassen von Gemeinde und Unternehmen – über Parkgebühren und Ausgaben vor Ort. Die Idee gefiel den Kommunalpolitikern. Die Touristiker sollen das Konzept weiterentwickeln und erneut vorstellen.
Spätestens seit dem Erfolg der Scharbeutzer Eiswelt dürfte den Timmendorfern klar sein, dass sie ihr bislang eher dezentes Winterangebot ausbauen müssen, wenn auch in der dunklen Jahreszeit bei ihnen etwas los sein soll. Die Eiswelt Scharbeutz hat zwischen November 2025 und Februar 2026 mit 3000 Quadratmetern Echteis-Fläche – Eisbahnen, Rundlauf durch den Kurpark, Eisstock-Arena, Eishockey-Feld – etwa 400.000 Besucherinnen und Besucher angezogen.
Grömitzer Rodelbahn
hatte keine Erlaubnis
Grömitz bietet ebenfalls eine winterliche Eiszeit mit Eisbahn, hat in der Saison 2024/2025 allerdings mit einer Rodelbahn schlechte Erfahrungen gemacht. „Die Idee war gut, aber die Ausführung nicht“, sagt der Grömitzer Tourismuschef Manfred Wohnrade. Für die Konstruktion aus den Niederlanden habe die Betriebserlaubnis gefehlt, „das war ein Fehler der Firma“. Aus dem Rodelvergnügen wurde deshalb nichts. Mittlerweile setzt Grömitz wieder auf den bewährten Eisbahn-Betreiber. „Eine Rodelbahn ist aber deshalb nicht grundsätzlich schlecht“, sagt Manfred Wohnrade. „Sie kann auch ein gutes Werbemittel sein.“
Sehr beliebt war die Rodelbahn, die von 2004 bis 2010 im Mittelpunkt des Eutiner Weihnachtsmarktes stand. Einst von Azubis der Bauinnung errichtet, wurde sie mit angeliefertem Kunstschnee bestückt. Prominente Sportler wie Rodel-Olympiasieger Georg Hackl und Ski-Rennläufer Markus Wasmeier eröffneten die Abfahrt auf dem Eutiner Markt. 2011 musste die Rodelbahn einer Eisbahn weichen und zog weiter nach Bad Schwartau, wo sie jedoch nur eine Wintersaison erlebte. Danach verliert sich ihre Spur.