Zum Schuljahr 2026/2027 werden im Kreis Ostholstein nach Angaben des Schulamtes etwa 1700 Kinder eingeschult. Damit die baldigen Erstklässler auf den Schulalltag vorbereitet werden, laden die Schulen ihre zukünftigen Schülerinnen und Schüler zu sich ein. Auch an die Emmi-Bonhoeffer-Schule in Pönitz kommen die Vorschulkinder aus den umliegenden Kitas zum Schulbesuch. In verschiedenen Bereichen werden die Mädchen und Jungen einmal in der Woche spielerisch an die 1. Klasse herangeführt. „Das Ziel ist ein sanfter Übergang von der Kita in die Grundschule“, erklärt Grundschulkoordinatorin Zöllner.
Auch die Eltern
sind gefordert
In Kooperation mit den Kitas der Gemeinde Scharbeutz hat die Gemeinschaftsschule mit Oberstufe deshalb das Konzept „Erfolgreich starten“ erarbeitet. Neben motorischen, visuellen und sprachlichen Fähigkeiten, die die Erzieher und Lehrkräfte mit den Vorschulkindern üben, sind auch die Eltern in dieser Strategie gefragt. In einem Flyer wird aufgezeigt, wie der Nachwuchs zu Hause unterstützt werden kann.Für Schulrat Thomas Panten fangen Bildung und Erziehung im Elternhaus an. „Es ist wichtig, dass die Kinder nicht erst ab der Vorschule auf die Schule vorbereitet werden“, sagt er. Kinder würden mit immer weniger Kompetenzen eingeschult. Dabei nennt er vor allem sprachliche Defizite. „Das ist bedenklich“, sagt er.
Um die Fähigkeiten jedes einzelnen Kindes kennenzulernen, beginnt etwa ein Jahr vor der Einschulung an der Pönitzer Schule das Einschulungsverfahren. Dabei besucht Bettina Zöllner die Vorschulkinder in ihren Kindergärten, um sich in der gewohnten Umgebung ein Bild ihres Entwicklungsstands zu machen.
Danach beginnt für die Kids das letzte Kindergartenjahr und damit die Vorbereitungszeit auf die Schule. In der Kita „Villa Kunterbunt“ in Gleschendorf werden einmal in der Woche Übungen gemacht. Zwischendurch besuchen Mattis, Lennart und Co. Bettina Zöllner und ihre Kollegin Cornelia Skowronnek sowie Schulassistentin Bettina Cahnbley. Insgesamt werden sechs Schnupperstunden angeboten.
Mit einer Orientierungs-Rallye durch das Schulgebäude, Basteln, Formen nachmalen, Zahlen würfeln, Silben klatschen, Geschichten zuhören und einer abschließenden Unterrichtsstunde mit den Erstklässlern versuchen die Lehrkräfte, die Angst vor der Umstellung in einem neuen Umfeld zu nehmen. „Es ist so toll, dass die Kinder hier ankommen und die Schule mit knapp 1000 Schülern kennenlernen“, sagt Zöllner.
Bei der heutigen Motorik-Stunde beobachten die Lehrerinnen und die Schulassistentin, wie sich ihre Schützlinge verhalten, den Stift halten oder mit der Schere umgehen. Die Beobachtungen aus allen Besuchen werden aufgeschrieben und dann für die spätere Zusammenstellung der Klassen verwendet. Außerdem kann die jeweilige Klassenlehrkraft anhand der Beobachtungsbögen erkennen, welches Kind in welchem Bereich noch Förderbedarf hat.
Schulrat Thomas Panten lobt die langjährigen Kooperationen zwischen Schulen und Kindertagesstätten. Dabei nimmt er aber auch die Eltern in die Pflicht, Erziehung und Bildung nicht den Erziehern und Lehrern zu überlassen. „Die Schulen und Kitas geben sich große Mühe. Aber ihre Arbeit ersetzt nicht das Elternhaus.“
Kinder verlieren ihre
Ängste vor der Schule
Das Vorgehen der Pönitzer Schule komme bei den Eltern der Vorschulkinder gut an, berichtet Skowronnek. Auch sie halte die regelmäßigen Schulbesuche für sehr sinnvoll. Ihr Konzept habe sich über die Jahre bewährt. „Die Kinder verlieren die Ängste vor der großen Schule“, sagt sie. „Wenn sie eingeschult werden, dann kennen sie den Betrieb.“
Lennart, Mattis und Melisa haben nach dem fünften Schulbesuch gelernt, dass sich alle Kinder zum Ende einer Stunde im Kreis zusammenfinden. Die Bilder mit den gebastelten Blüten sind fertig und gut verstaut in der Mappe. Auch das gehört zur Vorbereitung auf die Schule: die Gewöhnung an eine Routine, das Abheften von Arbeitsmaterial, die Pflege der Federmappe und anderer Schulutensilien und das Aufräumen nach dem Unterricht.
Im Kreis erzählt Bettina Zöllner vom letzten Schulbesuch, der bei den Kindern ein Leuchten in den Augen hervorruft. „Dann gehen wir in die 1. Klasse“, kündigt die Lehrerin an und stimmt zum Abschluss ein Lied an, das die Kinder auch in der Grundschule begleiten wird.
Auf Musik freut sich Mattis sehr, aber auch auf andere Fächer. „Ich möchte rechnen lernen – und schreiben“, sagt der Sechsjährige. Sein Kita-Kumpel Flinn hat noch einen wichtigen Grund, warum er zur Schule gehen möchte. „Ich freue mich auf die Pause.“ Wo der Schulhof ist, wissen die Vorschulkinder aus den vielen Besuchen ihrer zukünftigen Schule schließlich schon.