Als Notarzt im Rettungshubschrauber:Das macht die Arbeit so besonders
Dr. Peer Knacke gehört zur Crew von „Christoph 12“ – Seit 50 Jahren gibt es die Luftrettung im Großraum Ostholstein und Lübeck.

Dr. Peer Knacke fliegt seit 1989 als Notarzt mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 12“.Fotos: privat
Siblin. Dr. Peer Knacke hebt seit 1989 regelmäßig mit „Christoph 12“ ab. Hunderte Patienten hat der Anästhesist und Notarzt versorgt. Die Crew des Rettungshubschraubers zeichnet eine Besonderheit aus. Viele bleiben ihm lange treu. Seit dem 1. Juni 1976 ist „Christoph 12“ im Einsatz, 52.607-mal flog er seitdem zu Notfällen.

Knacke hat in seiner Zeit als Notarzt auf dem Rettungshubschrauber viel erlebt. Doch nur wenige Fälle sind dem 66-Jährigen im Gedächtnis geblieben. Etwa der des Neugeborenen, der in Plön in eine Mülltonne geworfen worden war. „Wir sollten ohne Trage starten. Ich habe an alles Mögliche gedacht, etwa einen Patienten mit einem Speer in der Brust“, erzählt Knacke.

Tatsächlich sollte der Platz im Hubschrauber für einen Inkubator, also einen Brutkasten, freibleiben. „Das Kind hat ohne neurologische Schäden überlebt“, sagt Knacke. Das habe ihm der behandelnde Oberarzt auf Anfrage mitgeteilt.

Reden mit dem Patienten ist an Bord nicht möglich

Üblicherweise erfährt der Notarzt nicht, was aus seinen Patienten geworden ist. „Damit muss man leben.“ Bei einem weiteren besonderen Fall hat er es aber erfahren. „Ich hatte mal einen, der ist in Neustadt vom Blitz getroffen worden. Er hatte sich unter einen Baum gestellt“, erzählt Knacke. „Dem war der Schuh explodiert.“ Der Mann sei bewusstlos gewesen und unter Narkose und Reanimation in eine Klinik geflogen worden. Knacke: „Er hat überlebt.“

Ein fliegender Notarzt muss viel bedenken. „Man muss wissen, wen man in den Hubschrauber einlädt“, sagt Knacke. Denn die Arbeit dort sei alles andere als einfach. Es sei eng. Eine Verständigung mit dem Patienten sei nicht möglich, weil alle Gehörschutz tragen. Deshalb würden vorher Zeichen abgemacht, mit denen etwa auf Schmerzen oder drohendes Erbrechen hingewiesen werden kann.

Der Notarzt sieht den Patienten nur bis zur Gürtellinie. Und im Hubschrauber ist er alleine, während er im Rettungswagen mit einem Sanitäter zusammenarbeitet. Und schließlich kann ein Rettungswagen, wenn nötig, unterwegs anhalten. Das geht beim Hubschrauber nicht. Und doch ist „Christoph 12“ oft die richtige Wahl. Nämlich bei sogenannten Tracer-Diagnosen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Polytrauma, also Mehrfachverletzungen mit Lebensgefahr, und Sepsis. Sie erfordern, dass der Patient innerhalb einer Stunde in einer Klinik sein muss.

Nur eine Klinik mit

Hubschrauberlandeplatz

Hier räumt Knacke mit einem weit verbreiteten Irrtum auf. Denn anders als viele denken, transportiert der orangefarbene Rettungshubschrauber nicht jeden Patienten ins Krankenhaus. In 90 Prozent der Fälle bringt der Hubschrauber lediglich den Notarzt zum Einsatzort. Vor einem Transport werde immer abgewogen, wie schnell der erfolgen könne und welche Zwischentransporte nötig seien.

Denn in Ostholstein gibt es nur eine Klinik mit einem Hubschrauberlandeplatz, die Schön-Klinik in Neustadt. Neben einem Krankenhaus ohne Landeplatz zu landen, geht nicht. Anders als im Einsatz. „Wir können überall landen, wenn es um Leib und Leben geht“, sagt Knacke.

Test-Landung

vor dem Eutiner Kreishaus

Das war heftig bezweifelt worden, als die Luftrettung Anfang der 70er-Jahre in Ostholstein installiert wurde. Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass ein Hubschrauber überall landen könnte. Der Staffelführer der BGS-Piloten aus Bad Bramstedt, die das fliegerische Personal für „Christoph 12“ stellen, trat den Gegenbeweis an. Er landete am 17. Oktober 1974 mit seiner Bo 105 auf dem Parkplatz zwischen Polizeistation und Kreishaus in Eutin.

In der Anfangszeit des Rettungshubschraubers verursachten Verkehrsunfälle noch sehr viel mehr Einsätze. Diese Zahl sei nicht gesunken, vermutet Knacke. Dank Gurt und Airbag sei jedoch die Zahl der schweren Verletzungen zurückgegangen.

Geändert hat sich im Laufe der Jahre der Hubschraubertyp. Früher flogen die Luftretter mit einem Bell, der wegen seiner Geräusche als Teppichklopfer bezeichnet wurde. Viele Eutiner werden sich gut daran erinnern, denn bis 2007 hatte „Christoph 12“ seinen Hangar am alten Krankenhaus. Der Anflug erfolgte wegen der Windrichtung fast immer über die Stadt hinweg.

Dann folgte der Umzug zum neu erbauten Standort in Siblin an der L184. 2008 kam dann der Umstieg auf einen Hubschrauber vom Typ EC 135. sas

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