„Aale und Gespenster“ ist kein klassischer Roman – und auch kein Comic im üblichen Sinne. Es ist eine Graphic Novel, also eine Erzählung, die Text und Zeichnungen verbindet. Bei der Lesung bleibt es aber nicht beim Vorlesen: Schmidt kombiniert seine Bilder mit Musik und schafft so eine fast filmische Atmosphäre.
Inhaltlich geht es um ein düsteres Kapitel der Regionalgeschichte: Am 3. Mai 1945 wurde die „Cap Arcona“ in der Lübecker Bucht von der Royal Air Force bombardiert. Tausende KZ-Häftlinge starben. Für Schmidt ist das Thema nicht nur historisch, sondern auch persönlich. Seine Großmütter lebten in Sierksdorf. „Die Ereignisse der Cap Arcona sind hin und wieder in kurzen Sätzen oder Anmerkungen von Verwandten aufgetaucht, ohne dass ich als Kind genau verstanden hätte, was da eigentlich passiert ist“, sagt er. Erst Jahre später begann er, sich intensiver damit zu beschäftigen – und stieß dabei auf überraschend viele Lücken. „Da habe ich ang efangen, weiterzugraben und mich auch mit der Zeit unmittelbar nach Kriegsende beschäftigt. Nach und nach habe ich dann immer mehr Details und Zusammenhänge freigelegt, bis klar war, dass ich darüber eine Geschichte schreiben möchte.“Die Handlung von „Aale und Gespenster“ spielt auf mehreren Zeitebenen. Im Sommer 1947 schlagen sich die Freunde Casimir und Rimsky durchs Leben, indem sie das Wrack der „Cap Arcona“ ausschlachten – illegal, aber lukrativ. Als Anna, die Tochter eines ehemaligen NSDAP-Ortsgruppenleiters, mit aufs Schiff will, kippt die Stimmung. Es kommt zum Streit – und zu Ereignissen, die alles verändern.Ein zweiter Handlungsstrang führt ins Jahr 1987: Eine Urlauberin und ihre Tochter stoßen auf einem Campingplatz an der Ostsee auf ein Skelett. Für die Polizei zunächst ein Routinefall – doch schnell zeigt sich, dass mehr dahintersteckt.