„Nur noch durch denHeiligen Geist zusammengehalten“
St.-Laurentius-Kirche in Süsel ist saniert – Vom vermeintlich kleinen Holzwurmschaden zum Millionen-Projekt.

Die Kirche ist vermutlich zwischen 1160 und 1180 entstanden. Das Gebäude ist in den vergangenen Jahren umfangreich saniert worden. Über die Fertigstellung ist das Pastoren-Team Kristina Warnemünde und Matthias Hieber sehr froh.Fotos: Ulrike Benthien
Süsel. Es war ein vom Holzwurm zerfressenes Brett, das ausgetauscht werden sollte – und letztlich die Sanierung der Kirche auslöste. In Sankt Laurentius in Süsel hatten in den vergangenen Jahren Architekten, Bauhistoriker, Mitarbeiter des Denkmalschutzes und Handwerker das Sagen. Nun ist die Kirche generalüberholt.

Pastor Matthias Hieber erinnert sich noch gut. Ein Sicherheitsbeauftragter der Landeskirche stellte bei einer routinemäßigen Kontrolle Wurmbefall in einem Bodenbrett im Turm fest. Er ordnete an, es zu ersetzen.

„Der Zimmermann, der den Auftrag ausführen sollte, kam etwas blass vom Turm herunter“, sagt der Pastor. „Er hatte bemerkt, dass die Balken-Enden unter dem besagten Brett, die den Glockenboden tragen, aus dem Mauerfutter herausgefault waren. Da wurde alles nur noch durch den Heiligen Geist und Konzentration zusammengehalten“, sagt Hieber.

Die Schäden zogen sich durch verschiedene Etagen. Die Statik des Turms war fraglich. Aber die Kirche, vermutlich zwischen 1160 und 1180 erbaut, wies bei genauerer Untersuchung noch etliche weitere Schäden auf.

Unter anderem war die Holzkonstruktion des Dachs marode. Für Ausbesserungen des Feldsteinmauerwerks war nach 1850 unglücklicherweise Zementmörtel verwendet worden – der sich nicht mit dem historischen Gipsmörtel vertrug. Folge: Die Verbindungen lösten sich auf. Es entstanden Löcher in den Wänden.

2017 liefen die Planungen für eine Sanierung der Kirche an. Im November desselben Jahres gründete sich der „Förderverein zur Restaurierung und zum Erhalt der Sankt-Laurentius-Kirche zu Süsel“.

Er hat heute mehr als 100 Mitglieder und, wie Vorstandsmitglied Hans-Joachim Zwarg stolz berichtet, „knapp über 100.000 Euro“ durch Spenden und Mitgliedsbeiträge zusammengetragen. Mehrfach organisierte der Förderverein Konzerte. „Dadurch war die Sanierung der Kirche immer wieder im Gespräch“, sagt Pastorin Kristina Warnemünde.

Über 50.000 Euro dieser Spenden flossen in das Ausputzen der aus dem Jahr 1853 stammenden Orgel vom dänischen Orgelbauer Marcussen & Søn. Sie war zwar während der Sanierung eingehaust, wurde aber danach komplett zerlegt, gereinigt und wieder zusammengesetzt.

Zu Beginn der Arbeiten an der Kirche ging man von einer Sanierungssumme von knapp 2,2 Millionen Euro aus. Die Hälfte davon hat der Bund zugeschossen. Dafür haben sich seinerzeit die beiden Ostholsteiner Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn (SPD) und Ingo Gädechens (CDU) starkgemacht.

„35 Prozent der Gesamtkosten hat der Kirchenkreis übernommen. Aus der Kirchengemeinde gab es namhafte Spenden“, sagt Matthias Hieber. Man liege jetzt rund 270.000 Euro über der anfangs angenommenen Summe.

Die Sanierung hat als Ergebnis nicht nur eine gesicherte Kirche, sie brachte auch Überraschungen und Erkenntnisse zutage. Beispielsweise wurden auf dem ersten Dachboden sogenannte Sommertüren entdeckt. Wie sie dorthin gelangten, stellte sich erst im Laufe der Arbeiten heraus: Sie wurden durch eine Doppelbodenklappe hochgezogen.

Zwischen dem Kirchenschiff und der Sakristei – erst rund 150 Jahre nach dem Kirchenbau angefügt – gibt es ein sogenanntes Priestertor. „Dadurch betrat der Priester die Kirche“, erklärt Matthias Hieber. „Dass es etwas sehr Besonderes und Wertvolles ist, war uns klar, aber wir waren uns des Ausmaßes nicht bewusst.“ Pastorin und Pastor erfuhren im Laufe der Sanierung: „Wenn das Priestertor in Berlin wäre, stünde es auf der Museumsinsel hinter Glas!“

Die Schätze von St. Laurentius zeigt Pastor Hieber in Sommer-Kirchenführungen am 9. Juni, 2. Juli, 12. August und 8. September jeweils ab 17 Uhr. ben

Druckansicht