Für sicheres und sichtbares jüdisches Leben in Lübeck
Blumengedenken an die Brandanschläge auf die Lübecker Synagoge.

Konfirmandinnen bringen Narzissen am Zaun der Lübecker Synagoge als Zeichen des Gedenkens an.Foto: Steffi Niemann
Lübeck. Zahlreiche Menschen haben am 25. März der Brandanschläge auf die Lübecker Synagoge in den 90er-Jahren gedacht. Mit Blumen setzten sie ein Zeichen für jüdisches Leben, gegen Antisemitismus und gegen das Vergessen. Im Herzen Lübecks, in unmittelbarer Nachbarschaft zur St.-Aegidien-Kirche, pulsiert jüdisches Leben – geschützt hinter einem hohen Stahlzaun und unter ständiger Polizeibewachung. „Manchmal geht die Tür auf und jemand huscht hinein oder hinaus. Das ist schon sehr traurig“, sagt Nicola Nehmzow, Pastorin an St. Aegidien. „Ich komme hier jeden Tag vorbei – für mich sind es Nachbarn wie all die anderen auch. Ich finde es toll, dass es sie hier gibt, und gleichzeitig ist mir bewusst, wie zerbrechlich jüdisches Leben ist.“

Genau deshalb organisierte das Bündnis gegen Antisemitismus Lübeck die Gedenkveranstaltung „Für jüdisches Leben – mitten in Lübeck und überall!“ direkt vor der Carlebach-Synagoge. Lübeckerinnen und Lübecker kamen zusammen, um Blumen am Zaun zu befestigen, innezuhalten, zu gedenken und miteinander ins Gespräch zu kommen. Hintergrund der Veranstaltung ist der Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge durch vier junge rechtsextreme Männer am 25. März 1994. Es war der erste Anschlag auf ein jüdisches Gotteshaus in Deutschland seit dem Ende der NS-Herrschaft – und löste weltweit Empörung aus. In der Nacht zum 8. Mai 1995 gab es einen weiteren Brandanschlag.

Gedenken an Brandanschläge in den 90er-Jahren

„Wir wollen jedes Jahr daran erinnern – und an all die anderen Anschläge, denen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger ausgesetzt sind. Das jüdische Leben ist mitten unter uns, und das ist gut so!“, betont Organisatorin Astrid Fiehland van der Vegt. „Jüdisches Leben gehört seit Jahrhunderten zu Lübeck. Wir wollen, dass Jüdinnen und Juden in unserer Mitte sicher und sichtbar leben können. Deshalb engagieren wir uns für den Abbau von Vorurteilen, für eine lebendige Erinnerungskultur und ein respektvolles Miteinander.“

Auch junge Menschen beteiligten sich: Die Konfirmandinnen der Lübecker Domgemeinde Hilde und Maria brachten Narzissen am Zaun der Synagoge an und setzten damit ein Zeichen gegen das Vergessen. „Für uns ist es wichtig, im Rahmen unseres Konfirmandenkurses hier zu sein, um die jüdische Geschichte besser zu verstehen“, sagen sie. Bärbel Baum von der Neuapostolischen Kirche möchte mit ihrer Anwesenheit jüdisches Leben in Lübeck unterstützen und ihre ökumenische Verbundenheit zeigen. „Auch für mich ist es selbstverständlich, meine Solidarität mit dem jüdischen Volk zu bekunden“, ergänzt Chelen Jonas von der Pfarrei zu den Lübecker Märtyrern.

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