„Tourismus ist eine sehr dynamische Branche, ich brauche für jedes Semester ein neues Skript“, sagt Ingo Menke zum Felde. „Wenn ich meinen Studenten etwas vom Reiseverhalten von vor zehn Jahren erzählen würde, würden sie mich auspfeifen.“
Er hat angewandte Kulturwissenschaften in Lüneburg studiert, „mit den Schwerpunkten BWL und Kur- und Bäderwesen“ und als Studienberater seine Leidenschaft für die Wissensvermittlung entdeckt.
Seit 1992 ist Ingo Menke zum Felde Dozent an der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein, die Trägerin der Dualen Hochschule ist. Dienstort ist Lübeck, Professor Menke zum Felde unterrichtet jedoch auch online Studierende an den Standorten Lübeck, Kiel und Flensburg.
Der ehrenamtliche Einsatz in der Kommunalpolitik in Timmendorfer Strand helfe ihm im Beruf, sagt Ingo Menke zum Felde. „Ich kann den Studierenden berichten, wie das touristische Arbeiten in der Praxis aussieht.“ Sein Spezialgebiet ist das Kur- und Bäderwesen, zu dem er jetzt auch ein Handbuch für Fachkreise veröffentlicht hat.
Gesundheitstourismus„Es gibt 365 Kurorte mit Prädikat in Deutschland, doch das Thema Kur hat ein angestaubtes Image und wird rasch mit ,Arme, Alte und Kranke‘ in Verbindung gebracht.“ Dabei werde der Gesundheitstourismus immer wichtiger: „Die Deutschen werden älter, die Zielgruppe wächst, zumal die Gesundheit zunehmend in die Verantwortung der Bürger gestellt wird – auch in finanzieller Hinsicht.“
Entstauben könne man das Bild von der Kur mit frischen Ansichten vom „Gesundheitstrainingslager“ und mit hochaktuellen Therapieformen, schlägt er vor. „Die Orte an der Küste haben die Kompetenz für den Gesundheitstourismus, der ja auch ein Ganzjahrestourismus ist“, sagt Ingo Menke zum Felde.
Am Haupturlaubsverhalten ändere das nichts, ist er überzeugt: „Die Menschen wollen unbedingt ans Wasser, das zeigen alle Untersuchungen, und diesbezüglich haben Schleswig-Holstein und die Ostseeküste natürlich viel zu bieten.“ Zu viel vielleicht, bezogen auf den häufig beklagten Übertourismus? Den sieht Ingo Menke zum Felde an der Lübecker Bucht nur „an einigen Sommerwochenenden“.„Überschreiten einerWahrer Übertourismus sei hingegen „das Überschreiten einer Tragfähigkeitsgrenze wie in Amsterdam oder Dubrovnik“. Der Blick auf die Auswirkungen des Reisens habe sich verschärft, meint er: „Das sieht man auch daran, dass es mittlerweile Einwohnerbefragungen zu diesem Thema gibt, während früher nur Gästebefragungen durchgeführt wurden.“
Übrigens auch von ihm, denn Ingo Menke zum Felde hat seine Doktorarbeit zum Thema „Gästezufriedenheit in Destinationen“ geschrieben, auf Grundlage einer Studie in Timmendorfer Strand – wohin immer wieder der Weg eines Tourismus-Professors führen kann, der einst Kurdirektor werden wollte.