Gegen 14 Uhr wird die Feuerwehr alarmiert. Zwei Personen befänden sich auf einer Eisscholle auf der Ostsee, heißt es. Zahlreiche freiwillige Helfer eilen los. „Als unsere ersten Einsatzkräfte vor Ort eingetroffen sind, befanden sich zwei Personen auf einer Eisscholle auf der Ostsee, und die Eisscholle entfernte sich immer weiter vom Strand“, berichtet Einsatzleiter René Konietzny der Feuerwehr Scharbeutz.
Rettung mit Leine,Die Spaziergänger haben Glück. Die Feuerwehr kann sie mit einer Leine sichern. Dann klettert ein Feuerwehrmann, der einen speziellen Eisrettungsanzug trägt, über eine Leiter auf das weggebrochene Stück Eis. „Die beiden Personen wurden durch uns von der Eisscholle gerettet und zur Sichtung an den Rettungsdienst übergeben“, erzählt Konietzny. Sie sind unverletzt geblieben. Nach rund 30 Minuten war der Einsatz beendet, und die Helfer aus verschiedenen Feuerwehren samt Rettungsboot und Drohnengruppe sowie Rettungsdienst und Polizei konnten wieder abrücken.
Die Scharbeutzer Freiwilligen Feuerwehrleute, die sich bei derlei Rettungsaktionen immer wieder selbst in Gefahr bringen, warnen auf ein Neues: „Es besteht erhebliche Lebensgefahr!“ Das Eis sei dünn und brüchig. Bislang hat der landesweite Appell der Feuerwehrleute, der Polizei und der DLRG viele Menschen noch nicht erreicht oder trifft auf gefährliche Selbstüberschätzung.
Kurz vor dem Unglück am Sonntag wühlen Kinder wenige Meter von den Abbruchkanten entfernt im Schnee, spazieren Familien und Hundebesitzer gemütlich unweit der Stellen, wo Fußspuren plötzlich enden und das eiskalte Ostseewasser schwappt. Weggebrochene Eisschollen schwimmen für jede und jeden sichtbar rund um die Seebrücke.
Im Notfall sollte sofort der Notruf 112 gewählt und von eigenen Rettungsversuchen, bei denen man sich in Gefahr begibt, abgesehen werden. „Die Feuerwehren sind innerhalb von zehn Minuten vor Ort und helfen“, sagt René Konietzny.
Im Eis eingebrochen:Vor allem Gewässer, die in Bewegung sind, bergen große Gefahren, da sie deutlich länger brauchen, bis das Eis dick genug ist. Aller Warnungen zum Trotz kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. In Timmendorfer Strand hatte sich tags zuvor ein Mann, der an der Seebrücke eingebrochen war und damit einen Notruf ausgelöst hatte, selbst befreien können. In Mecklenburg mussten am zurückliegenden Wochenende mehrere Spaziergänger aus dem Eis gerettet werden: Sie waren an der Seebrücke in Boltenhagen eingebrochen.
Seit Beginn des Jahres hat es bereits zahlreiche Meldungen dieser Art gegeben: In Scharbeutz wurden eine Woche zuvor ein Mann und sein Hund gerettet, auch ein Schwan musste aus dem Eis befreit werden.
Anfang Februar war ein Kiter aus dem Großenbroder Binnensee gezogen worden. Auf dem Hemmelsdorfer See war Ende Januar ein Eissegler eingebrochen. In Lübeck stürzte ein Mann in die Wakenitz, als er nachts mit seinem Fahrrad übers Eis wollte. Aber auch Tiere sind zuweilen „leichtsinnig”. So wurde an der Elbinsel in Geesthacht ein Reh aus dem Treibeis gerettet.