Einfach mal weg vom Stress: Wieso Kurzreisen uns so glücklich machen
Das entspannte Gefühl von Freiheit, Auszeit und Loslassen ist Balsam für die Seele

Endlich mal ruhige Stunden genießen.Foto: Studio Romantic - stock.adobe
Deadlines drängen, eine E-Mail folgt der nächsten, Termine häufen sich. Am Ende einer Arbeitswoche spüren viele es deutlich: Die Akkus sind leer, nicht nur beruflich, sondern auch emotional und körperlich. Das Wochenende steht vor der Tür – und mit ihm die Chance auf eine Auszeit. Zum Beispiel ein kurzer Städtetrip mit kulturellen Angeboten und gutem Essen. Oder spontan ein paar Tage am Meer. Oder auch Wellness-Tage in einem Verwöhn-Hotel. Nicht ohne Grund ist ein Kurzurlaub eine bewährte Strategie gegen Dauerstress. Neurologen bescheinigen dem Kurzurlaub eine beeindruckende Wirkung: Er funktioniert wie ein Reset-Button für das überforderte Nervensystem.

Das menschliche Gehirn braucht regelmäßige Pausen

Das Geheimnis liegt in der Natur unseres Körpers. Der Organismus ist für Dauerstress nicht gemacht – auch wenn das moderne Leben ihn oft erfordert. Ständige Anspannung führt zu einem Anstieg des Stresshormons Cortisol. Wer permanent auf Hochtouren läuft, überlastet das Nervensystem. Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Anspannung – oft sind dies die ersten Warnsignale.

Ein Kurzurlaub unterbricht diesen Kreislauf. Bereits nach wenigen Stunden ohne berufliche Verpflichtungen sinkt der Cortisolspiegel. Das Nervensystem schaltet um vom Kampfmodus in den Ruhe- und Regenerationsmodus. Der Blutdruck normalisiert sich, die Muskulatur entspannt, das Immunsystem findet zurück in einen gesunden Bereich.

Mit jedem Kilometer, der zwischen den Kurzreisenden und ihrem Alltag liegt, fällt etwas von ihnen ab. Forscher nennen das den Separation Effect – die bloße physische Entfernung vom Ort des Stresses tut bereits gut.

Am Ziel angekommen, beginnt die echte Auszeit. Das Erste, was viele tun, ist: nichts. Das klingt einfach, ist aber wertvoll: Erholung funktioniert nur, wenn man sich erlaubt, abzuschalten.

Wofür man sich im Anschluss ans Nichtstun entscheidet – Massage, Thermalbad, Restaurant, Museums- oder Theaterbesuch – ist nicht der Kern der Erholung, sondern der Rahmen dafür. Der Wellness-Effekt entsteht durch die Kombination aus körperlicher Ruhe, mentaler Entkopplung und bewusstem Genießen. Ein Spaziergang am See, Zeit mit Familie oder Freunden, ein gutes Buch – diese Momente sind genauso regenerativ wie ein Saunabesuch.

Forscher wissen: Ein Kurzurlaub von zwei, drei Tagen reicht aus, um die kognitiven Funktionen merklich zu verbessern. Die Konzentration steigt, die Kreativität nimmt zu, selbst die Fehlerquote im Alltag sinkt.

Die positiven Effekte für die Gesundheit

Die Vorteile einer kurzen Auszeit sind äußerst weitreichend:

Immunsystem: Ein Kurzurlaub wirkt stärkend auf das Immunsystem. Menschen, die regelmäßig Kurzreisen unternehmen, sind nachweislich seltener krank.Schlaf: Viele Reisende berichten von besserem Schlaf während und nach der Kurzauszeit. Das liegt am sinkenden Stresspegel und am regenerierten Melatonin-Gleichgewicht.Herz-Kreislauf: Dauerstress ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Erholungspausen senken den Blutdruck und verbessern die Herzgesundheit.Psyche: Depressionen und Burnout-Symptome können durch regelmäßige Ruhepausen gelindert werden. Ein Kurzurlaub ist kein Wunderheiler – aber ein effektives Präventivprogramm.Beziehungen: Gemeinsame Auszeiten mit der Familie, Freunden oder Kollegen stärken soziale Bindungen. Zeit außerhalb des Leistungskontextes verbessert Beziehungen nachweislich.Lebenszufriedenheit: Nicht zuletzt steigert eine Auszeit die Lebensfreude. Das Bewusstsein, sich etwas Gutes zu tun und Zeit für sich selbst zu haben, wirkt positiv auf die Gesamtzufriedenheit . Ein Kurzurlaubs ist der Reminder an sich selbst, dass Erholung immer wieder notwendig ist. Dass individuelle Auszeiten eine Investition in die eigene Gesundheit sind. Und dass manchmal die kurze Auszeit – ohne große Planung einfach mal weg – mehr für die Seele tut als alles andere. und jnp

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