„Der Ausstieg lohnt sich
in jedem Alter“
Gute Vorsätze: Wann Menschen mit dem Rauchen aufhören – Tipps vom Chefarzt der Timmendorfer Curschmann-Klinik

Rauch-Stopp – aber wie? In Ostholstein und Lübeck rauchen laut Gesundheitsministerium 23 Prozent aller Jugendlichen und Erwachsenen ab 15 Jahren.Foto: Fotolia
Timmendorfer Strand. Auf der Hitliste der guten Vorsätze findet sich in Deutschland der Rauch-Stopp unter „ferner liefen“: 15 Prozent aller Teilnehmer an einer Umfrage der Online-Plattform Statista wollen 2026 mit dem Rauchen aufhören, das ist Platz 11. Was seltsam anmuten mag, weil immer noch viele Menschen hierzulande quarzen. Laut Gesundheitsministerium rauchen in der „Region Ost“, also in Ostholstein und Lübeck, 23 Prozent aller Jugendlichen und Erwachsenen ab 15 Jahren. „Es gibt vermutlich niemanden mehr, der bestreitet, wie ungesund Rauchen ist“, sagt Professor Bernhard Schwaab, Chefarzt der Curschmann-Klinik in Timmendorfer Strand.

Die Klinik ist ein Reha-Zentrum für Patienten nach einem Herzinfarkt, nach einer Herz-OP sowie bei Gefäßerkrankungen. Diese sind häufig eine Folge von Tabakkonsum. Das wüssten auch die Patienten in Timmendorfer Strand, berichtet Professor Schwaab. „Doch der Einstellung ,Das gehört zu meinem Leben, und ich möchte nicht aufhören‘ begegnen wir leider immer wieder.“ Die Raucher, auf die der Facharzt in der Klinik trifft, würden sich erst nach einem „Ereignis“ von der Zigarette verabschieden – also beispielsweise nach einem Herzinfarkt.

Dieser Abschied sei sehr wichtig, betont Schwaab. „Der Rauch-Stopp ist die wirksamste Einzelmaßnahme nach einem Infarkt, besser als jeder Stent, jede Tablette, jedes Ernährungs- und Bewegungsprogramm“, erklärt er. Wer aufhöre zu rauchen, reduziere das Risiko für einen zweiten Infarkt um mehr als die Hälfte.

Wie aber können Raucherinnen und Raucher es schaffen, vom Tabak loszukommen? „Es gibt kein Patentrezept“, sagt Professor Schwaab. „Jeder muss den Weg finden, der für ihn am besten funktioniert.“ Nach seiner Erfahrung „ist es eher ungünstig“, den Zigarettenkonsum allmählich zu reduzieren. Ein radikaler Schnitt von heute auf morgen könne leichter sein, „aber das ist meine subjektive Beobachtung und nicht das Maß aller Dinge“. Sehr hilfreich findet er die Tipps des Programms „Rauchfrei“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unterwww.rauchfrei-info.de.

Ein Umstieg auf E-Zigaretten kann nach Einschätzung des Spezialisten in bestimmten Fällen und kurzfristig eine Hilfe sein. „Das Thema wird in der Wissenschaft jedoch kontrovers diskutiert, und die Ergebnisse von Studien ergeben bislang ein gemischtes Bild“, berichtet Professor Schwaab.

Vielleicht könne mit E-Zigaretten der Ausstieg aus dem inhalativen Rauchen starker Raucher gelingen, „über eine abgestufte Verringerung der Nikotinmenge“. Diese Strategie dürfe aber nur vorübergehend angewandt werden, das müsse man nach vier bis spätestens acht Wochen beenden. Ansonsten bestehe die Gefahr einer fortgesetzten Nikotinabhängigkeit, „und man tauscht eine Gift-Form gegen eine andere aus“. Auch der Dampf einer E-Zigarette sei schädlich.

Ein Rauch-Stopp bietet einige schnelle Vorteile, erklärt Professor Schwaab. „Nach ein paar Tagen schmeckt das Essen deutlich besser.“ Zudem bekämen die neuen Nichtraucher rasch besser Luft, „auch bei körperlicher Belastung“, und der typische Raucher-Husten lasse nach kurzer Zeit nach.

Bei Schäden an den Blutgefäßen, die Herzinfarkt oder Schlaganfall verursachen, oder Veränderungen im Gewebe, die zu bösartigen Erkrankungen wie Krebs führen können, benötigten die Menschen viele Jahre, um sich davon zu erholen. „Allerdings zeigen alle Studien sehr deutlich, dass es sich immer lohnt, mit dem Rauchen aufzuhören, auch im Alter“, sagt Professor Schwaab. und saj

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