Familienforschung:So finden Sie Ihre Vorfahren
Der Verein SHFam und die Landesbibliothek Eutin erklären, wie man online die Suche nach den Ahnen startet

Für Familien-Stammbäume gibt es Vorlagen wie diese, in die Hobbyforscher übersichtlich Namen und Daten für sechs Generationen eintragen können.Foto: privat
Eutin. Damit kann man bei Familientreffen groß rauskommen: Als Dr. Klaus Kohrt für einen Freund in Nordfriesland bei einer solchen Zusammenkunft mit 200 Leuten in einer Turnhalle eine 30 Meter breite Ahnentafel aufgehängt hat, war das „ein Hit“, erzählt er. „Jeder wollte gucken, wo er aufgeführt ist.“

Klaus Kohrt ist Vorsitzender des Vereins Schleswig-Holsteinische Familienforschung (SHFam) und bietet auch in der Eutiner Landesbibliothek Seminare an. Interessiert hat ihn die Suche nach seinen Vorfahren schon in jungen Jahren, aber es fehlte die Zeit. Mit Eintritt in den Ruhestand und dem Auftrag seiner Mutter „Klemm du dich da mal ran“, begann er in die Familiengeschichte einzutauchen.

Dokumente und Fotos

zusammentragen

Der 73-Jährige stammt aus Flensburg, hat in Kiel Mathematik studiert und sich nach Jahren der Berufstätigkeit bei Siemens in München (zuletzt als leitender Angestellter für Marketing und Strategie) in Eckernförde niedergelassen, genauer gesagt im Stadtteil Borby. Wie hat sich Kohrt an das Thema herangepirscht? Was rät er Menschen, die wissen wollen, woher ihre Großeltern, deren Eltern und weitere Verwandte kommen? Wie startet man die Suche?

Geburts- und Heiratsurkunden, alte Fotos, Familiengeschichten: Das sind die ersten Grundlagen für einen Stammbaum. Weitere Informationen zu ergattern, kann schon zur Herausforderung werden. „Es gibt in Deutschland einen strengen Datenschutz. Der kommt uns Familienforschern immer wieder in die Quere“, sagt Kohrt.

Denn seit 2009 gibt es ein neues Personenstandsgesetz, das Daten über viele Jahre hinweg schützt. Geburtsurkunden 110 Jahre, Heiratsurkunden 80 Jahre, Sterberegister 30 Jahre. „Wer aber ein berechtigtes Interesse nachweisen kann, wie beispielsweise ein direkter Nachfahre, der bekommt Zugriff“, sagt Klaus Kohrt. Nach Ablauf dieser Fristen seien die Unterlagen öffentliches Archivgut, und jeder Mensch habe Anrecht darauf, diese einzusehen, führt er aus.

Mit der Heiratsurkunde der Eltern kann man ansetzen. „Darauf stehen die Namen der Großeltern. Da steht wahrscheinlich auch die Urkundennummer des Geburtseintrages, und dann kann man sich die Geburtsurkunden der Großeltern raussuchen lassen, ebenso wie die Heiratsurkunde der Großeltern“, schildert der versierte Familienforscher. „Es ist eine Indizienkette, die man Stück für Stück, Generation für Generation, verfolgen muss.“

„Personenstandsregister wurden im Staat Preußen im Oktober 1874 eingeführt. Für die Zeit davor muss man auf Kirchenregister umsteigen“, sagt Klaus Kohrt. Über die Quellen der aktuellen Generation finde man den Anschluss an die vorherige Generation. „In Kirchenbüchern wird nicht ganz so systematisch und ausführlich dokumentiert“, räumt er ein, „das kam immer darauf an, wie der Pastor drauf war und was er vermerkt hat. Manchmal bekommt man einen halben Stammbaum, weil Kinder und Enkelkinder namentlich beim Todeseintrag des Großvaters erwähnt werden.“ Manchmal sind die Eintragungen aber auch spärlich.

Zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden Kirchenbücher in Schleswig-Holstein eingeführt. „Informationen über Vorfahren in der Zeit davor zu finden, ist haarig“, sagt Kohrt. Dann müsse man auf Landes- oder Kreisarchive zurückgreifen, dort nach Verträgen oder Steuerlisten suchen. Das helfe aber nur bei Leuten, die Besitz hatten. „Waren die Vorfahren Tagelöhner, dann treten sie nirgends in Erscheinung. Es sei denn, sie haben sich etwas zuschulden kommen lassen und mussten vor Gericht.“

Die Linie seiner Familie kann der 73-Jährige väterlicherseits bis um 1700 herum nachvollziehen, mütterlicherseits ist er bis knapp vor 1800 gekommen. „Das sind zehn Generationen, schon eine ganze Menge.“

Zugriff auf Kirchenbücher

in ganz Deutschland

Für Anfänger in der Ahnenforschung empfiehlt Klaus Kohrt Online-Plattformen wie Ancestry, MyHeritage oder FamilySearch (einige sind kostenpflichtig, andere frei). Mit einfachen Tools könnten dort Dokumente durchsucht werden. Die wichtigste Plattform sei Archion, das Portal der evangelischen Kirche, mit Zugriff auf Kirchenbücher in ganz Deutschland.

Wer sich auf die Suche nach seinen Vorfahren begeben will und dabei Hilfe benötigt, kann sich auch anSHFamwenden. In Ostholstein gibt es einen Familienforscher-online-Stammtisch in Kooperation mit der Landesbibliothek Eutin. Die Termine sind monatlich.„Familienforschung ist Puzzle-Arbeit. Sie erfordert eine gewisse Methodik. Da bin ich als Mathematiker im Vorteil“, sagt Klaus Kohrt schmunzelnd. Und er gibt zu: „Es ist eine Sucht.“ Bei seinen Nachforschungen hat ihn berührt, „wie viele Kinder früher in einer Familie geboren wurden und dass häufig die Hälfte davon nicht das Erwachsenenalter erreicht hat. Das war in Tagelöhnerfamilien keine Seltenheit.“ Eine Überraschung gab es auch für ihn: In Borby, seinem Wohnort seit 2008, haben vor vielen, vielen Jahren bereits Vorfahren väterlicherseits gelebt. und ben
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