Das planen
die Schulen ohne Rassismus
Vier neue Mitglieder im Netzwerk in Ostholstein aufgenommen – Große Aktion im März geplant

Regionaltreffen der Schulen ohne Rassismus in der Lensahner Berufsschule im Sommer 2025: Vier neue Mitglieder sind in diesem Jahr hinzugekommen.Foto: Jan Scheper
Oldenburg. Das neue Jahr hat begonnen und das Netzwerk Schule ohne Rassismus in der Region blickt auf ein gutes 2025 zurück: Viel sei in Ostholstein bewegt worden, sagt Manja Krausche. Für sie war 2025 „total erfolgreich“. Und das nicht nur im Kontext von Veranstaltungen im Rahmen der Feierlichkeiten zum Kriegsende vor 80 Jahren.Die Leiterin der Gedenkstätte Ahrensbök kümmert sich um die Koordination der Projekte zwischen Fehmarn und Bad Schwartau. „Wir haben 2025 vier Schulen neu aufgenommen“, freut sich Krausche. Nun sind es 12 insgesamt, eine wird früh im nächsten Jahr noch dazukommen. Welche, wird aber noch nicht verraten.

Die Neuaufnahmen bedeuten einen Zuwachs in den letzten 12 Monaten von mehr als 30 Prozent. Mittlerweile sind alle Schulformen vertreten. Und von diesem Mix lebt auch das Netzwerk offenbar mehr und mehr. Ideen, Veranstaltungen und Konzepte würden mittlerweile auf einer geschützten digitalen Plattform geteilt und gesammelt. Der Austausch, gerade bei regelmäßigen Treffen mehrmals jährlich – zwischen Grund-, Förder-, Gemeinschafts- und Berufsschulen sowie Gymnasien – sei „sehr lebendig“, sagt Krausche.

Für 2026 steht eine Premiere an: Erstmals werden sich alle Netzwerk-Mitglieder an einer gemeinsamen Aktion beteiligen. Geplant ist sie für die zweite Märzhälfte, während der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“. Die Feinabstimmung läuft bereits. „Die Jugendlichen organisieren das selbst“, sagt Krausche. Das Motto steht: „Stimme zeigen“. Dazu wird noch nach Schwerpunkten gesucht.

Was war in 2025 besonders? Manja Krausche will kein Projekt gesondert hervorheben. Alle seien wichtig gewesen. Tief beeindruckt habe sie aber die Aufnahmefeier der Friedrich-Hiller-Schule in Schönwalde am Bungsberg. Dort sei nach rechten Übergriffen und einem Einbrucheine besondere Gemeinschaft entstanden, die sich aktiv für Demokratie einsetze. Auch in Lensahn ist das Engagement an der Berufsschule groß. Dort unterrichtet Sonja Sill. Die Lehrerin, die etwa angehende Erzieher ausbildet, berichtet von einigen motivierten Schülerinnen und Schülern – sowie Kolleginnen und Kollegen. Das gemeinsame Fazit falle „sehr positiv“ aus.Zuletzt gab es am 25. November eine Plakat- und Fotoaktion zum „Orange Day“, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Im Juni fand in Oldenburg die Verlegung von Stolpersteinen statt, initiiert von einer Klasse aus Lensahn. Es habe zudem, so Sill, Workshops in der Gedenkstätte Ahrensbök gegeben, ebenso wie die Ausstellung „Rechte Gewalt in Schleswig-Holstein“ an der Schule. Und am 17. Oktober war Ibrahim Arslan zu Gast. Der damals 7-Jährige überlebte in der Nacht zum 23. November 1992den Brandanschlag von Mölln.

Verübt hatten die Gewalttat zwei Rechtsextreme. Beide Täter wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, sind aber wieder frei. Drei Menschen starben in der Brandnacht, die 51-jährige Bahide Arslan, die 14-jährige Ayse Yilmaz und die 10-jährige Yeliz Arslan.

Ibrahim Arslan verlor seine Großmutter, seine Cousine und seine Schwester. Er ist Bildungsreferent, setzt sich seit Langem gegen Rassismus und für eine Berücksichtigung der Perspektiven der Opfer in der Erinnerungskultur ein. Der taz sagte er im November: „Heute ist es gefährlicher – nicht, weil mehr Häuser brennen, sondern weil der Hass leiser geworden ist, aber intensiver und alltäglicher.“

Auch in Lensahn bewegte sein Besuch alle: „Sehr eindrücklich hat er von seinen Erlebnissen berichtet“, sagt Sonja Sill. Bei der gemeinsamen Schulaktion im März 2026, das steht schon fest, soll auch der Dokumentarfilm „Möllner Briefe“ gezeigt werden. und jsch
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