„2025 war für den Erhalt der sieben Türme von besonderer Bedeutung. Mit der Gründung der Stiftung ‚7 Türme +‘ ist ein gutes Fundament geschaffen worden, damit unsere Stadtsilhouette weiterhin erhalten bleibt und wir alle dieses wunderbare Lübeck-Gefühl erleben können, wenn wir uns der Stadt nähern und von weitem die sieben Türme erblicken und ein bisschen das Heimatgefühl in uns aufkommt“, sagt er.
Insgesamt hatten 18 Gründungsstifterinnen und -stifter das Barvermögen in Höhe von 1,5 Millionen Euro als Grundstock zusammengetragen. Laut Petra Kallies, Pröpstin des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, werde die Stiftung etwa ein bis zwei Millionen Euro jährlich für die steten Instandhaltungsarbeiten an den fünf Gotteshäusern St. Marien, St. Aegidien, St. Jakobi, St. Petri und dem Dom zu Lübeck benötigen.
Drei der fünf drängeln schon in der ersten Reihe – mit akuten Baumängeln, deren Behebung weitaus mehr Geld erfordern wird. Blickpunkt St. Jakobi: Ende April wurden bei einer Routine-Inspektion in 107 Metern Höhe Schäden an der Turmspitze entdeckt. Im Kaiserstiel, der schmalen Konstruktion direkt unterhalb der Turmkugel, waren Teile der Kupferverkleidung aufgebrochen. Kletterer stabilisierten anschließend in einer spektakulären Aktion die Konstruktion.
Zurzeit werde ein Konzept zur Sanierung des Kirchturmes von Fachfirmen erstellt, das in den ersten Wochen des neuen Jahres vorliegen soll. So fasst Kirchenkreissprecher Bastian Modrow den aktuellen Stand zusammen. Anschließend müsse die Finanzierung geklärt werden, bevor ein Zeitplan für die Maßnahme erstellt werden könne. Diese soll 2026 stattfinden.
Im nächsten Jahr war eigentlich auch dem Dom Besserung in Aussicht gestellt worden. Dort sind die beiden, knapp 115 Meter hohen Wahrzeichen, der Süderturm und der Norderturm, marode. „Wir haben insgesamt 2,4 Kilometer Risse im Mauerwerk. Und zum Teil ist der Mörtel herausgewaschen, sodass die Backsteine nur noch lose aufeinander liegen“, lautet die Diagnose von Carlos Blohm, dem Vorsitzenden des Bauausschusses. Doch dass 2026 schon etwas Substanzielles passiert, ist unwahrscheinlich. Denn: „Die erforderlichen Baumaßnahmen müssen mit viel Sorgfalt vorbereitet werden, und dieses Verfahren ist leider sehr zeitaufwendig“, sagt Dom-Pastor Martin Klatt. Alle Beteiligten seien jedoch mit viel Engagement und sehr zielgerichtet dabei. Die Sanierung der Doppelturmanlage wird mit rund 23 Millionen Euro beziffert.
Akuter Problemfall Nummer drei: St. Marien, die Taufkirche des großen Literaten Thomas Mann. Der Nobelpreisträger spendete sogar einen Teil seiner Buchverkäufe nach dem Zweiten Weltkrieg für den Wiederaufbau. Nun bedarf der komplette Innenraum einer Restaurierung, also Fenster, Bodenheizung et cetera. Kosten des jahrelangen Projektes: 28 Millionen Euro.
Um weiteres Geld zu sammeln, testet die Stiftung „7 Türme +“ nun zwei neue digitale Spendensäulen in St. Petri und St. Jakobi neben den im Dom und St. Marien bereits vorhandenen Systemen. Die neuen Geräte stammen aus Irland und wurden von der Stiftung angeschafft und den Kirchen bereitgestellt. „Diese Art der Spendenakquise ist inzwischen europäischer Standard“, erklärt dazu Fundraiserin Heike Reimann. Im Dom seien über diese Säule im vergangenen Jahr immerhin 5000 Euro zusammen gekommen.