Warum sich die Landwirtschaft
in Ostholstein verändert
Die Kornkammer Schleswig-Holsteins reagiert auf Weltmarktkonkurrenz und Natureinflüsse.

Holger Schädlich, Geschäftsführer Kreisbauernverband Ostholstein-Lübeck.Foto: Kreisbauernverband Ostholstein-Lübeck
Ostholstein. „Wir sind eine klassische Ackerbauregion mit Weizen, Raps und Gerste.“ Wer Holger Schädlich nach einer Typisierung der Landwirtschaft zwischen Fehmarn im Norden und Stockelsdorf im Süden fragt, erhält vom Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Ostholstein-Lübeck eine Beschreibung mit drei Anbauschwerpunkten, wie sie es schon seit Jahrzehnten gibt. Und doch hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Oftmals gezwungenermaßen.

Der Kreis hat eine Fläche von 1393 Quadratkilometern. Das sind 139.300 Hektar. Rund 95.000 Hektar sind landwirtschaftliche Fläche. Davon sind wiederum 28.000 Hektar Anbaufläche für Weizen. Die Getreideart ist damit die Nummer eins im Land. „Insbesondere die Küste und Fehmarn sind Hochertragsregionen“, betont Holger Schädlich.

Rapsanbau steht

unter Druck

Wobei die Unterschiede beim Ertrag pro Hektar groß sind. Die könnten zwischen vier Tonnen im Bungsberg-Gebiet und zwölf Tonnen auf Fehmarn liegen. Schädlich betont: „Das ist keine konstante Produktion unterm Hallendach.“

Gerste liegt in Ostholstein auf Platz zwei und hat in den vergangenen Jahren den Raps überholt. „Der rentable Rapsanbau ist sehr viel schwieriger geworden.“ Der Grund: Die Nutzpflanze leidet unter starkem Schädlingsbefall wie dem Rapserdfloh. „Das werden wir auch nicht mehr in den Griff bekommen. Dafür müsste man zu viel Pflanzenschutzmittel aufbringen.“ Ausnahmen gebe es an der Küste. „Hier ist das wirtschaftlich noch darstellbar.“

Früher gab es die klassische Drittelung Raps, Weizen, Gerste. „Vor einigen Jahrzehnten stand noch die Spezialisierung im Fokus“, erklärt Schädlich. Wenngleich das Thema nicht gänzlich vom Tisch sei. „Es gibt natürlich noch hervorragende, spezialisierte Milchviehbetriebe.“ Aber heute gehe es vordergründig darum, sich breiter aufzustellen.

Konkurrenz auf

dem Weltmarkt

„Die Landwirtschaft ist viel diverser geworden“, sagt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Hafer ist hinzugekommen, der sei aber wegen der schlechten Preise im Abschwung begriffen. Die Ackerbohne hat sich als Viehfutter etabliert – auch um weniger Soja importieren zu müssen. Im Süden des Kreises wird verstärkt Körnermais angebaut. Der Hintergrund der gesamten Entwicklung ist wirtschaftlicher Natur: „Raps, Weizen, Gerste konkurrieren auf dem Weltmarkt mit Produkten aus der Ukraine, Russland und Argentinien.“

Problematischer ist in Ostholstein wegen der schweren Böden der Beeren- und Gemüseanbau. Ausnahmen seien Erdbeeren durch die Direktvermarktung oder auch Kohl auf Fehmarn wegen der günstigeren Bodenverhältnisse. Vereinzelt werde auch Spargel angebaut, Obstbau sei vorhanden, Soja oder Erbsen werde ausprobiert. „Aber das läuft alles unter ferner liefen.“

Hinzu kommt: „Der Handel baut erst ab einer gewissen Menge eine Vermarktungslinie auf.“ Beispiel Dinkel, der vielleicht auf 100 Hektar komme. „Für den Handel ist das uninteressant.“ Als Alternative funktioniere dann nur die Direktvermarktung. „Aber das ist ein hoher wirtschaftlicher Aufwand, der dafür betrieben werden muss.“ Dabei müsse vor allem bedacht werden: „Wir sind marktfern.“ Sobald man näher dran sei an Lübeck oder Hamburg, rechne sich die direkte Vermarktung schneller. „Da habe ich die Kunden direkt vor der Tür stehen.“

Der wirtschaftliche Aspekt hat Einfluss auf die Anbaukultur. Bestes Beispiel: Durch die Häfen, heute noch vor allem Heiligenhafen durch die LEV (Landwirtschaftlicher Ein- und Verkauf Ostholstein eG), früher auch Neustadt, Travemünde und Burgstaaken auf Fehmarn, ist Ostholstein eine Exportregion für Getreide.

Und die Tierhaltung? Rund 50 Schweinebetriebe gibt es in Ostholstein. Bei Milchviehbetrieben ist die Zahl mittlerweile unter 50 gesunken. „Da sind wir auf dem absteigenden Ast“, sagt Schädlich. Ob Personal, Kostenstrukturen oder Vermarktung durch weggefallene Schlachthöfe: „Tierische Produktion ist schwierig geworden.“

Was im Umfang gewachsen ist in den vergangenen Jahren, sei die Legehennenhaltung beziehungsweise die Eierproduktion. Zugenommen hat zudem die Mutterkuhhaltung auf den Naturschutzflächen und den zunehmenden Ausgleichsflächen durch die großen Infrastrukturprojekte im Kreisgebiet. Schafhaltung spiele lediglich eine untergeordnete Rolle, beispielsweise auf Fehmarns Deichen. bue

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