Geboren und aufgewachsen ist der Mann mit den tiefdunklen Augen und der sonoren Stimme in Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens. „Da, wo die Sonne das ganze Jahr scheint“, sagt Pintus und lacht. „Die Temperatur ist eine ganz andere als hier“, sagt er. „Die Produkte auch.“ Womit der Sarde die Küchenprodukte meint. Sogleich kommt er ins Schwärmen, fangen seine Augen förmlich an zu glänzen. Er zeigt ein kleines Glas mit einem orange-gelben Inhalt. „Das ist sardischer Safran“, sagt Pintus. „Geerntet von meiner Mutter.“
Wie ist Pintus überhaupt zum Kochen gekommen? „Damals war ich noch ganz jung. Als meine Eltern arbeiteten, war ich oft bei meiner Oma“, erzählt der Koch. „Ich war sieben Jahre alt, und Oma war zu Hause. Jeden Tag hat sie ein anderes Gericht gekocht.“ An frische Lasagne erinnert er sich: „Die Pasta hat sie immer selbst gemacht.“ Und auch Marzipan kam nicht aus dem Supermarkt. „Wir haben Mandeln gesammelt und zerkleinert, und es hatte viel weniger Zucker als hier.“
Zur Kochschule
auf Sardinien
Pintus‘ Zuhause war ein großes Haus, „ein bisschen im Wald“. Es habe immer zwei, drei Schweine gegeben. „Kühe gab es auch.“ Und es gab eine Rosticceria, einen kleinen Laden in einer Garage, in der Spieße und Nudeln verkauft wurden.
Später begann er, selbst zu kochen, besuchte eine Kochschule auf Sardinien. Dann habe es ihn nach Norditalien verschlagen, in die Nähe von Venedig, Vicenza und Padova. „Dort habe ich gekocht, aber auch Saisonarbeiten im Hotel gemacht. Mehr und mehr konnte ich in der Küche dazulernen“, sagt Pintus. Eines Tages kam eine Kollegin und erzählte etwas von einer Saisonarbeit an der Ostseeküste. „An einem Strand“, erinnert sich Pintus. „Also habe ich okay gesagt, allerdings ohne ein Wort Deutsch zu können.“
Und so beginnt die Karriere Pintus‘ überwiegend noch als Tellerwäscher. „Dann folgte dies, und dann folgte das, langsam, langsam“, so der heutige Chefkoch.
Viel gearbeitet,
viel gelernt
Eine Saison hat er durchgezogen, dann ist er wieder nach Italien zurückgegangen. Dann wieder nach Deutschland.
Jene Zeit war anstrengend: „Ich habe viel gearbeitet, auch die Schule besucht, um Deutsch zu lernen. Morgens in die Schule, acht Stunden jeden Tag. Danach zur Arbeit“, erinnert sich Pintus. „Fast ein Jahr lang.“ Es folgten berufliche Stationen in den Küchen italienischer Restaurants in Lübeck, unter anderem im Rossini in der Schwartauer Allee oder im Da Luigi im Prätor-Haus in der Fischergrube.Sieben Jahre hat Pintus auf sein Restaurant in Stockelsdorf gespart. „Hier möchte ich ein Stück sardische Kultur zeigen“, sagt Pintus. Auch deshalb bezieht er so viele Zutaten wie möglich aus seiner Heimat.
Und während er in Erinnerungen schwelgt, schüttelt er eine Pfanne auf dem Gasherd, gibt sardischen Safran dazu und serviert alles mit scharf angebratenen Garnelen. Das Gericht ist ein Mix aus Wald und Meer – „mare e monti“, sagt Pintus. Es sei ein Gericht, das Freude bringen solle.
Was macht Pintus, wenn er nicht kocht? „Früher bin ich gerne Motorrad gefahren, eine Harley. Aber das ist nicht mehr meine Welt, zu gefährlich.“ Der verheiratete Vater zweier Kinder lebt in Lübeck. Und sein Lieblingsgericht? Der Sarde lacht. Am liebsten esse er Nudeln mit Butter und frischem Parmesan. „Und Schnitzel.“