Am Hauptbahnhof und in der Innenstadt dürfen die E-Scooter dann nicht mehr außerhalb der gekennzeichneten Flächen abgestellt werden. Überall sonst, wo es keine ausgewiesenen Abstellflächen im Stadtgebiet gibt, also außerhalb der Altstadtinsel, können die E-Scooter weiterhin an beliebigen Orten abgestellt werden.
Die Verwaltung reagiert damit auf Beschwerden, weil es in der Vergangenheit durch abgestellte Roller zu Behinderungen gekommen sein soll. „Durch die Sharing-Stationen werden wir das Abstellen von E-Scootern regulieren und die Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmenden minimieren“, sagt Bausenatorin Joanna Hagen.
Die Stationen sollen sich aber nicht auf E-Scooter beschränken, sondern für alle Verleihangebote nutzbar sein. Ein Anbieter will ab April zusätzlich zu E-Scootern eine E-Bike-Flotte nach Lübeck bringen. Verwaltung und „Stadtwerke Lübeck Mobil“ wollen Konflikte durch die Angebotsausweitung vermeiden. „Die Nutzung der Abstellflächen erfolgt durch eine freiwillige Qualitätsvereinbarung. Diese Vereinbarungen wurden bereits erfolgreich genutzt, um beispielsweise die Flottengrößen zu beschränken“, teilt die Stadt mit.
Welcher der vier Anbieter (Voi, Tier, Lime und Bolt) die E-Bikes anbieten will, ist nicht bekannt. „Da die Gespräche noch laufen, können wir zu möglichen zukünftigen Anbietern und Angeboten noch keine Aussagen treffen“, teilt die Stadt auf Anfrage mit.
Die Neuregelung zum Abstellen der E-Scooter an den Sharing-Stationen tritt voraussichtlich im Mai in Kraft. In den kommenden Wochen werden die Plätze von der Hansestadt baulich eingerichtet und von den Unternehmen technisch in die jeweilige App aufgenommen. Ein entsprechender Bericht liegt den politischen Gremien zur Beratung vor. Auch aus der Politik hatte es Beschwerden über achtlos abgestellte E-Scooter gegeben.
Damit steht Lübeck nicht allein da, in etlichen anderen Städten wächst der Unmut über die Roller. Einige Städte verbieten die Fahrzeuge sogar: Paris, Barcelona und seit dem vergangenen Jahr auch Gelsenkirchen als erste deutsche Stadt.
In Lübeck wurde im April 2022 zumindest eine maximale Stückzahl von 2000 Fahrgeräten beschlossen. Das habe auch zu einer Verbesserung der Zustände geführt, sagt Bruno Böhm vom Lübecker Seniorenbeirat, der immer wieder auf die Gefahr der achtlos abgestellten E-Scooter hingewiesen hatte. „Ob für ältere Menschen oder Eltern mit Kinderwagen, vor allem in der Innenstadt auf den engen Wegen ist es immer wieder eine Herausforderung, wenn ein E-Scooter auf dem Fußweg liegt.“
Mit mehreren kleinen Veränderungen könne sich aber etwas verbessern, meint Böhm – und verweist darauf, dass Nutzer von ihrem abgestellten Fahrzeug ein Foto als Nachweis machen müssen. „Zwar werden die Roller dann hinterher trotzdem noch mal umgeschmissen, aber es hat sich schon um einiges verbessert – und ich bin zuversichtlich, dass durch diese neue Regel die Situation wieder ein bisschen besser wird.“
Auch die Polizei in Lübeck begrüßt „die Schaffung eines geordneten Parkraumes für E-Roller“, teilt Sprecherin Anna Julia Meyer auf Anfrage mit. „Immer wieder ist festzustellen, dass E-Scooter achtlos auf Geh- und Radwegen abgestellt werden. Das betrifft das gesamte Stadtgebiet, zeigt sich aber an bestimmten stark frequentierten Stellen vermehrt.“
Insbesondere Fußgänger und mobilitätseingeschränkte Menschen sind laut Meyer ganz besonders betroffen. „Grundsätzlich sind die Führer der E-Roller, unabhängig von Parkmöglichkeiten, dafür verantwortlich, die Fahrzeuge nach Gebrauch verkehrssicher abzustellen.“
Das sieht auch Böhm so: Letztlich müsse immer an die Vernunft der Fahrer appelliert werden, sagt er – und meint auch das vernünftige Fahren.
Wie das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) auf Nachfrage mitteilt, gab es in den vergangenen zwölf Monaten in Lübeck 103 Unfälle mit E-Scootern, nach denen jemand in der Notaufnahme behandelt werden musste – in den meisten Fällen (85), weil der Fahrer selbst gestürzt war. Wegen des Stolperns über einen abgestellten E-Scooter musste dort in den vergangenen Monaten zwar niemand behandelt werden, davor ist das aber schon vorgekommen.