Bei der Fertigstellung der Hinterlandanbindung der Fehmarnbelt-Querung will die DB genauso pünktlich sein wie die Dänen. „Wir versuchen, den gleichen Monat wie die Dänen zu treffen“, sagte Philipp Nagel, Vorstandsvorsitzender der DB-Infra Go (früher DB Netze). Die meisten Genehmigungen würden vorliegen, sagte Nagl: „Es darf jetzt aber keine Endlosverfahren mehr geben.“ Laut dem Kieler Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) sind die Dänen im September 2029 fertig.
Schon Ende März/Anfang April wollen Bahn, Kammern, Land und Verbände eine Lösung für den Lübecker Hafen vorlegen. Der hat Sorge, wegen der Generalsanierung der Strecke Hamburg-Lübeck ab 2027 vollständig abgekoppelt zu werden. Vor allem drängen Hafenwirtschaft, Kammern und Verbände darauf, dass die Umleitung über Bad Kleinen vorher modernisiert und ausgebaut wird. „Wir werden einen abgestimmten Vorschlag präsentieren“, sagte Ute Plambeck, DB-Konzernbeauftragte für den Norden.
Schon jetzt ist die Lage beispielsweise für die Baltic Rail Gate am Skandinavienkai prekär. Weniger als 50 Prozent der Züge seien pünktlich, beklagte Geschäftsführerin Antje Falk. Eine Umleitung des Güterverkehrs über Büchen reiche nicht aus. Die Baltic Rail Gate organisiert den kombinierten Schiene-Schiffsverkehr vor allem nach Italien. 56 Züge fahren pro Woche zwischen Lübeck und den Zielen im Süden hin und her.
Die Anlage ist gerade ausgebaut worden, die sechs Gleise wurden auf 740 Meter verlängert, und im Mai wird ein dritter Verladekran aufgebaut. „Wir können unsere Kapazität dann um 45 Prozent hochfahren“, sagte Antje Falk. Aber wenn Güterzüge wegen der Generalsanierung um bis zu 24 Stunden zu spät im Hafen ankommen würden, würden viele Kunden abspringen.
„Wir müssen Sicherheiten bieten, dass der Lübecker Hafen nicht abgehängt wird“, forderte der Kieler Wirtschaftsminister Madsen, der aber auch die Fortschritte im „Bahnland Schleswig-Holstein“ pries. 41 Projekte würden aktuell von der Bahn im Land umgesetzt, Bahnhöfe und Brücken saniert und moderne Elektrozüge eingesetzt.
Noch in diesem Jahr wollen Kammern und Land einen Rail Coach installieren, der Unternehmen dabei hilft, ihre Waren mit der Bahn statt mit dem Lkw zu transportieren. Dazu wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, das das Potenzial erforscht hat. Ergebnis: Schon der Umstieg von 25 Unternehmen im Land würde dafür sorgen, dass bis zu 5000 Lastwagen weniger auf den Straßen unterwegs wären.
Schleswig-Holstein hat in Sachen Bahnverkehr viel aufzuholen. „Das Land hat die schlechteste Bahninfrastruktur in Deutschland“, stellte Sebastian Jürgens, Chef der Lübecker Hafen-Gesellschaft, fest. „Und auch die beiden größten Städte des Landes sind eher mittelklassig miteinander verbunden“, kritisierte der LHG-Chef.
Häfen seien für die Versorgung Deutschlands unverzichtbar, sagte Frank Schnabel vom Gesamtverband der schleswig-holsteinischen Häfen. Der Bund müsse den Ausbau verlässlich finanzieren. Verlässliche Milliardensummen von der neuen Bundesregierung forderte auch Bahn-Manager Philipp Nagl. 2024 sei es erstmals seit Jahren gelungen, den Verfall der Infrastruktur aufzuhalten. So solle es weitergehen.