„Seit Jahren ist der Berliner Platz an allen seinen Ein- und Ausfahrten ein Unfallschwerpunkt.“ Von dieser Ausgangslage geht die Beschlussvorlage der Hansestadt Lübeck aus, die kürzlich im Bauausschuss vorgestellt wurde.
Mehr als 100 Unfälle verzeichnete die Polizeidirektion am Berliner Platz in den Jahren 2019 bis 2022. „Die meisten gezählten Unfälle erfolgten dabei unter Beteiligung von Radfahrenden“, so der Bericht weiter. Ursache dafür sei, dass der Kreisverkehr inzwischen nicht mehr den rechtlichen Vorgaben entspräche, ergänzt die Stadtverwaltung.
Das muss sich ändern, und zwar schnell. Darüber sind sich Stadtverwaltung und die Politik in Lübeck weitestgehend einig. Über die Ausführung der Änderungen aber gab es Gesprächsbedarf.
Weil die Sanierung der Mühlenbrücke ansteht und es dann dort eng wird, schlägt die Stadtverwaltung vor, den Kreisverkehr zunächst mit kurzfristig umzusetzenden Maßnahmen zu verändern. Die eigentliche Umgestaltung soll dann frühestens 2030 erfolgen.
Aber auch die Interimslösung hat es in sich. Sie sieht zunächst vor, die Verkehrsführung für die Radfahrenden baulich abzusetzen. An einigen Stellen im Kreisverkehr kommen sich Fahrradfahrer und Fußgänger nämlich bedenklich nahe. Zudem wird in der Berliner Allee die Einfahrt in den Kreisverkehr durch Markierung klar als eine Fahrspur ausgewiesen.
Die Einfahrten aus der Geniner Straße West sowie aus der Possehlstraße bleiben zunächst zweispurig. „Sollte sich die Unfalllage nicht verbessern, so müssen diese gegebenenfalls im Nachgang auch einspurig markiert werden“, so der Vorschlag der Stadtverwaltung. Ganz ähnlich war die Stadtverwaltung 2022 an den Ein- und Ausfahrten zum St.-Jürgen-Ring verfahren.Dort verengen sich die zwei Fahrspuren schließlich zu einer.Die Kosten für die kurzfristige Maßnahme werden in der Beschlussvorlage auf rund 200.000 Euro beziffert. Für die Umsetzung setzt die Stadt sechs bis acht Wochen „in den Ferien“ an. Unklar bleibt, ob es sich um die Sommer- oder um die Herbstferien handelt. Autofahrer müssen in der Bauzeit mit Sperrungen der Ein- und Ausfahrten rechnen. Eine Ausnahme stellt hierbei die Possehlstraße dar.
Im Bauausschuss wurde der Vorschlag lebhaft diskutiert. Christopher Lötsch (CDU) nannte die Pläne „ein Eigentor der Verwaltung, die an dieser Stelle einen Verkehrskollaps in Kauf nimmt“. Lötsch verwies auf die zeitgleich stattfindende Sanierung der Moislinger Allee: „Kann der umgestaltete Platz die zusätzlichen Verkehrskapazitäten überhaupt tragen?“
„Ja, es wird zu Leistungseinschränkungen kommen“, antwortete Barbara Wenzel vom Bereich Stadtgrün und Verkehr. Der Gesetzgeber erwarte die Umsetzung aber zeitnah. „Es ist ausgesprochen wichtig, an dieser Stelle die Verkehrssicherheit herzustellen“, so Wenzel.
„Hat der Gesetzgeber zeitliche Fristen gesetzt für die Umgestaltung?“, wollte Ulrich Pluschkell (SPD) wissen. Er habe das Gefühl, dass das Land immer viel erwarte, aber eigentlich nichts vorgebe, so der Politiker. „Die Umgestaltung muss zeitnah erfolgen“, sagte Barbara Wenzel. „Wir werden nicht darum herumkommen, tätig zu werden.“
„Es wird ja kein Vollumbau“, ergänzte Wenzels Kollege Dirk Dreilich. „Ähnlich wie beim Mühlenteller können wir im Bedarfsfall immer reagieren.“ Laut Dreilich gibt es für die Baumaßnahme ein Zeitfenster bis Anfang 2026.