Böllerverbot für Altstadt und Teile von Travemünde?
Die Grünen bereiten einen Antrag auf eine Allgemeinverfügung vor – Ortsrat Travemünde befragt die Bürger.

Kimberly D`Amico (Grüne) kritisiert die jetzige Regelung der Böllerverbote als Flickenteppich.Foto: Lutz Roessler
Lübeck. Jedes Jahr wird in Lübeck darüber diskutiert, alle Initiativen dazu sind bisher im Sande verlaufen. Jetzt starten die Grünen einen neuen Anlauf für ein Böllerverbot – und das soll sogar den bei Silvesterfeiernden beliebten Holstentorplatz und Teile von Travemünde betreffen.

„Seit Jahren setzen wir uns für ein Böllerverbot auf der Altstadtinsel und darüber hinaus ein“, sagt Kimberly D‘Amico, sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion: „Die derzeitige Regelung in der Altstadt mit einem Flickenteppich von kleinen Verbotszonen ist unübersichtlich und nicht kontrollierbar. Wir brauchen eine einheitliche Regelung, die den Vollzug erleichtert und den Schutz von Menschen, Tieren und Umwelt gewährleistet.“

Die Grünen sprechen sich für ein generelles Feuerwerksverbot für die gesamte Altstadt sowie für den Holstentorplatz und Teile von Travemünde aus. Dieses Verbot will die Fraktion in der Bürgerschaft beantragen. Ziel ist, dass Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen soll.

Vorher müssen sich die Grünen noch mit ihrem Kooperationspartner CDU einigen. Kimberly D‘Amico: „Unser Wunsch ist es, den Antrag noch in diesem Jahr in die Bürgerschaft zu bekommen.“

Bislang gibt es in Lübeck kein flächendeckendes Böllerverbot. Das Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden ist verboten. Bei hochsteigenden Feuerwerksraketen gilt ein Abstand von 200 Metern, ansonsten von 25 bis 30 Metern.

Kräftig geböllert wird seit Jahren auf dem Holstentorplatz. Zum Jahreswechsel 2025/2026 versammelten sich vor Lübecks Wahrzeichen nach Polizeiangaben rund 1000 Feiernde.

Die Wählerinitiative Die Unabhängigen spricht sich gegen ein Böllerverbot durch die Bürgerschaft aus. „Nur eine Abstimmung aller Einwohner kann hier der einzig richtige Weg sein, um zu entscheiden, ob es in Lübeck ein solches Verbot geben soll oder eben nicht“, erklärt der Vorsitzende Michael Matthies.

Für ein generelles Böllerverbot durch die Stadt gebe es keine Rechtsgrundlage, haben die Unabhängigen von der Kommunalaufsicht der Landesregierung erfahren. „Hoffnung aber macht die Aussage, dass das Sozialministerium im Austausch mit dem Landesinnenministerium ist, um den örtlichen Behörden mehr Handlungsspielräume in dieser Frage zu geben“, erklärt Matthies: „Das ist vorerst abzuwarten, um dann zu gegebener Zeit aktiv zu werden.“

Eine Befragung der Bürger plant der Ortsrat Travemünde. „Auch in Travemünde wünscht man sich vielerorts eine Einschränkung der Böllerei zu Silvester“, berichtet Gerd Vorhauer, Mitglied der Grünen im Ortsrat: „Es gibt Bürger, die sagen, die Böllerei ist nicht auszuhalten. Andere sorgen sich um die Tiere und wieder andere finden Feuerwerke schön.“ Die Umfrage soll digital verbreitet werden, in Printmedien erscheinen und analog in Geschäften ausliegen. Von der Umfrage hängt ab, wo in Travemünde die Grünen ein Böllerverbot beantragen wollen.

Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Jochen Mauritz, Travemünder und sicherheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion, tut sich schwer mit immer mehr Verboten: „Die muss man schließlich auch durch setzen und kontrollieren.“ Zustände wie im Behaimring in Eichholz vor zwei Jahren, als in der Silvesternacht Rettungskräfte mit Böllern angegriffen wurden, hat Karsten Hübner im Ostseebad noch nicht beobachtet. Aber Vermüllung durch Knallerei vor allem am Strand gebe es, sagt der Vorsitzende des Ortsrats. Hübner schlägt vor, Bereiche auszuweisen, in denen die Knallerei verboten ist, und andere, in denen Feuerwerk erlaubt ist. „Wir könnten dann sehen, ob die Bürger das akzeptieren“, sagt der Ortsratsvorsitzende. und DOR

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