„Die Hauptsaison umfasst in Travemünde bislang 123 Tage“, rechnet der 56-Jährige vor, der bis 2025 mit seiner Frau Jasmin die Villa Wellenrausch betrieben hat. Bei einer Ausweitung der Saison käme Travemünde auf 224 Tage. „Damit werden auch touristisch stark nachgefragte Zeiträume im Frühjahr, Herbst und zum Jahreswechsel berücksichtigt“, erklärt Abbe, „in den Herbstferien sind die Unterkünfte im Seebad zu 80 Prozent belegt.“ Travemünde werde das ganze Jahr über von Urlaubern besucht, das sollte sich auch in der Kurabgabe widerspiegeln.
Konkret schlägt die Bürgerschaftsfraktion „Die Fraktion“ vor, dass die Hauptsaison ab 2027 vom 1. bis 3. Januar, vom 1. April bis 31. Oktober und vom 25. bis 31. Dezember dauern sollte. Die Nebensaison sollte vom 4. Januar bis 31. März und vom 1. November bis 24. Dezember dauern. Allein durch die Verlängerung der Hauptsaison könnte der Kurbetrieb Travemünde bis zu 465.000 Euro jährlich einnehmen.
Bislang unterscheidet die Kur-abgabensatzung von Travemünde zwischen Frühjahrs-, Herbst- und Winterkurzeit, die zusammen auf 242 Tage kommen, und der Sommerkurzeit – also der Hauptsaison – von Mitte Mai bis Mitte September. Das macht 123 Tage.
Derzeit beträgt die Kurabgabe in Travemünde einschließlich des Priwalls während der Sommerkurzeit 3,50 Euro und in der Frühjahrs-, Herbst- und Winterkurzeit zwei Euro pro Person und Tag. „Aus finanzieller Sicht wäre eine Verlängerung der Sommerkurzeit auf den ersten Blick sicherlich reizvoll“, räumt die Stadtverwaltung auf Anfrage der Lübecker Nachrichten ein.
Die Kurabgabe könne allerdings nicht beliebig festgesetzt werden, sondern müsse auf einer detaillierten und nachvollziehbaren Abgabenkalkulation beruhen, gibt die Verwaltung zu bedenken. Und die meisten Kosten, die durch die Kurabgabe gedeckt werden, würden nun einmal in die Sommerkurzeit fallen – nämlich die Aufwendungen, damit die Strände genutzt werden könnten.
Carsten Abbe vergleicht Travemünde mit dem Ostseebad Grömitz. „Dort startet die Hauptsaison früher und endet später“, sagt der Kommunalpolitiker. Außerdem nehme Grömitz vier Euro Kurabgabe pro Tag in der Hauptsaison und 2,50 Euro in der kürzeren Nebensaison.
Travemünde begnügt sich mit 50 Cent weniger. Auch das will die Fraktion ändern und schlägt für das Ostseebad ebenfalls vier und 2,50 Euro vor. Mit längerer Saison und höherer Kurabgabe könnte das finanziell klamme Lübeck seine Einnahmen um fast eine Million Euro erhöhen.
Allerdings verfüge Grömitz auch über ein anderes Leistungsangebot, wendet die Lübecker Stadtverwaltung ein. Dazu gehöre beispielsweise auch das ganzjährig nutzbare Erlebnisbad Grömitzer Welle.
Travemünde könne durchaus mit einer Reihe von Attraktionen punkten, sagt Christian Martin Lukas, Geschäftsführer der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM). Er zählt Sandskulpturen, die „Passat“, das Seebadmuseum, den alten Leuchtturm, die Ostseestation sowie die Schwimm- und Spa-Angebote in den Hotels auf.
„Ein wichtiger Faktor ist auch die Nähe zu Lübeck“, erklärt der LTM-Chef. „Welches Seebad kann sonst mit einer so umfangreichen Kulturlandschaft in unmittelbarer Nähe aufwarten?“ Hier profitiere Travemünde eindeutig davon, ein Stadtteil der Hansestadt Lübeck zu sein.
Travemünde habe sich in den vergangenen Jahren zum Ganzjahresziel entwickelt. Die Übernachtungen verteilten sich laut Lukas deutlich gleichmäßiger über das Jahr als früher. In der Nebensaison würden Gäste kommen, die den Fokus auf Wellness, Kultur und Entschleunigung legen würden. Diese Entwicklung könne man grundsätzlich in einer Saisonregelung abbilden.
Christian Martin Lukas befürchtet auch nicht, dass eine verlängerte Hauptsaison inklusive der höheren Kurabgabe die Touristen abschrecken würde. „Travemünde hat ein treues Stammpublikum, das den Ort wegen Lage, Atmosphäre und Nähe zu Lübeck wählt“, sagt der LTM-Chef. „Eine Kurabgabe ist an der Ostsee überall üblich und wird akzeptiert, wenn die Gegenleistung erkennbar ist.“
Juli und August seien weiterhin die stärksten Monate, aber nur noch gut ein Viertel der Übernachtungen entfalle auf die beiden Sommermonate, sagt Lukas. „Frühjahr, Herbstferien und der Jahreswechsel haben sich als eigene Höhepunkte etabliert.“ Gerade die Skandinavier würden die dunkle Jahreszeit an der Küste lieben. Laut amtlicher Tourismusstatistik stellten Dänen im Dezember 2024 rund 23 Prozent aller Gäste. In keinem anderen Monat waren mehr Dänen in Lübeck.
Der Vorschlag der Fraktion „Die Fraktion“ soll im November im Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft diskutiert werden. Die Bürgerschaft entscheidet über Änderungen der Kurabgabensatzung.