Wenige Tage vor dem Start ist von festlicher Ladenatmosphäre allerdings noch nicht überall etwas zu sehen. Große, rot und golden schimmernde Glöckchen liegen neben Sven Kasten auf dem Boden, ein künstlicher Weihnachtsbaum ist bereits geschmückt. Doch statt klassischer Kugeln hängen daran Zitronen, Bananen, eine kleine Gin-Flasche und Miniaturen von Cocktails wie Moscow Mule und Appletini. Es ist ein Vorgeschmack auf die Weihnachtswelt, die Kasten auf 350 Quadratmetern entstehen lässt.
Den Gedanken, einen eigenen Weihnachtsshop zu eröffnen, hatte der 37-Jährige bereits im Frühjahr 2025. „Ich habe beim Spazierengehen meinen Freunden von meiner Idee erzählt, mal mein eigener Chef zu sein. Meine Ideen selbst umzusetzen. Und meine Freunde und Familie meinten: ‚Sven, mach das‘“, erinnert er sich.
Der Zuspruch gab den Anstoß, den Gedanken in die Tat umzusetzen. Kasten kündigte seinen Job als Außendienstmitarbeiter. Fünf Jahre lang war er für einen niederländischen Dekorationsanbieter durch Deutschland gereist, hatte Saisonartikel vertrieben und Gartencenter und Baumärkte bei der Gestaltung ihrer Verkaufsflächen beraten. Zuvor hatte er zehn Jahre bei Depot gearbeitet und war Filialleiter in Flensburg. Doch irgendwann reichte ihm das nicht mehr. Er wollte selbst entscheiden und eigene Ideen verwirklichen – am liebsten rund um Weihnachten.
Einen Laden, der das ganze Jahr geöffnet ist, wollte Kasten allerdings nicht eröffnen. Der Handel mit Dekorationen sei ein Wagnis, denn das Weihnachtsgeschäft müsse die übrigen Monate mittragen. Das Beispiel Depot zeige, wie wichtig die umsatzstarke Saison sei und dass man immer wieder auf neue Kundenbedürfnisse reagieren müsse. Kasten setzt deshalb auf ein zeitlich begrenztes Konzept, das sich ganz auf die Wochen vor Weihnachten konzentriert.
Auch ein Stand auf einem Weihnachtsmarkt kam für ihn nicht infrage. Für sein Sortiment brauche er mehr Platz, als ein Marktstand bieten könne. Angebote für Stände in Pansdorf und auf Gut Stockseehof bei Plön lehnte er ab. Mit seinem stationären Laden kann er seine Waren auf deutlich größerer Fläche präsentieren.
Die Begeisterung für Weihnachten begleitet Kasten schon seit seiner Kindheit. „Schon als Kind habe ich immer die Wohnung meiner Eltern, meiner Tanten und meiner Oma zu Weihnachten dekoriert. Das war schon immer meins“, sagt er. Lebkuchen könnte er das ganze Jahr essen, „Last Christmas“ von Wham! in Dauerschleife hören. Und bereits ab November stehen in seiner Wohnung drei geschmückte Weihnachtsbäume.
Nun wird aus seiner Leidenschaft ein Geschäft auf Zeit. Kastens Weihnachtsshop ist von Sonnabend, 17. Oktober, bis Freitag, 15. Januar, montags bis sonnabends von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Auf 350 Quadratmetern bietet er künstliche Weihnachtsbäume, Lichterketten, festliches Geschirr, Kissen und Christbaumschmuck an. Was bis zum 15. Januar keinen Käufer findet, wird eingepackt und eingelagert.
Ab Februar bereitet sich Kasten schon wieder auf Weihnachten 2027 vor. Dann will er nicht nur in Lübeck wieder einen Pop-up-Shop eröffnen, sondern auch in Kiel und Flensburg. Doch bevor die nächste Weihnachtssaison beginnt, freut er sich erst einmal auf den Frühling. „Ostern ist so gar nicht meine Zeit, aber das Frühjahr total“, erzählt er. Denn neben Weihnachten gehört auch das Thema Garten zu seinen Leidenschaften. Im Sommer ist Kasten quer durch Deutschland unterwegs und veranstaltet Gartenmessen. So hat jede Jahreszeit für ihn ihren eigenen Reiz – und ihr eigenes Geschäftsmodell.