Den Zuschlag erhielt die Bietergemeinschaft DSTAR. Zu ihr gehören der schwedische Munitionsentsorger Dynasafe Demil Systems AB, das auf Kampfmittelräumung spezialisierte Unternehmen SeaTerra aus Wandlitz sowie die Werft Abeking & Rasmussen aus Lemwerder. Nun sollen Entwicklung und Konstruktion der Anlage beginnen. Anschließend ist der Bau vorgesehen.
Auf dem Grund der deutschen Nord- und Ostsee liegen nach Angaben des Ministeriums rund 1,6 Millionen Tonnen Munitionsaltlasten. Sie wurden nach den Weltkriegen im Meer versenkt. Mit zunehmender Korrosion der Hüllen könnten Sprengstoffverbindungen freigesetzt werden, die giftig, krebserregend und erbgutverändernd sein können. Dadurch seien Meerestiere gefährdet; Schadstoffe könnten zudem in die menschliche Nahrungskette gelangen.
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) bezeichnete die Vergabe als weiteren Schritt, um die deutschen Meere systematisch von alter Munition zu befreien. „Mit unserem Pioniervorhaben sollen Munitionsaltlasten im großen Stil geborgen und vor Ort auf See vernichtet werden. Das ist weltweit einmalig. Wir kümmern uns als bislang einziger Staat um eine konkrete Lösung des Problems“, sagte Schneider anlässlich der Auftragsvergabe.
Zugleich erhofft sich der Bund Impulse für eine neue industrielle Technologie an den Küsten. „Denn die Nachfrage nach Lösungen zur Bergung von Munition wird international weiter wachsen“, sagt Schneider.
Erfahrungen für den Betrieb sollen aus Pilotprojekten vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern einfließen. Bei Erkundungen und Bergungen in den Jahren 2024 und 2025 seien Erkenntnisse für sichere und effiziente Arbeiten in den Munitionsversenkungsgebieten gewonnen worden. Nach der Fertigstellung ist zunächst eine erweiterte Pilotphase in der Ostsee vorgesehen, danach soll die Anlage in der Nordsee eingesetzt werden. Dort sollen rund 300.000 Tonnen Altlasten auf dem Boden des Meeres liegen.
Das überrascht wenig. Schließlich wurden sowohl vor Neustadt als auch vor Haffkrug im Herbst 2024 etwa 50 Tonnen Fliegerbomben, Granaten und weitere Altlasten geborgen. Neustadts Bürgermeister Mirko Spieckermann (parteilos) hat die Entwicklung ebenfalls im Blick und informierte zu diesem Thema während der Stadtverordnetenversammlung: „Ich habe erfahren, dass die eigentliche Bergung mit der Plattform ziemlich sicher in der Lübecker Bucht beginnen wird.“
Die schwimmende Entsorgungsplattform ist ein zentrales Projekt des 2023 gestarteten Sofortprogramms Munitionsaltlasten, für das rund 100 Millionen Euro bereitstehen. Nach einer Vereinbarung von Bund und Ländern soll der Bund für den Betrieb in den ersten sechs Jahren jährlich 50 Millionen Euro bereitstellen. Eine langfristige Finanzierung soll anschließend gemeinsam von Bund und Ländern geregelt werden.
Fest steht, dass das Bergen und Verbrennen der riesigen Menge an Munition viele Jahre dauern dürfte. Aktuell vernichtet die Geka im niedersächsischen Munster im Auftrag des Bundes einen Großteil der Kampfstoffe und Altlasten, die in Deutschland gesammelt werden – pro Jahr 700 Tonnen in drei Verbrennungsanlagen.