Jana Nitsch sitzt im sonnigen Gegenlicht. Die Stimmung, die das von ihr selbst gedrehte Video vermittelt, ist aber alles andere als sonnig. Mit einem tränenreichen Social-Media-Post hat sich Nitsch an ihre Follower gewendet. „Ich bin schon richtig schön verheult“, sagt Nitsch, und wieder laufen ihr Tränen über das Gesicht. „Denn am Freitag wurde mir mein Akkordeon geklaut.“
Das Akkordeon sei verschwunden, während sie ihr Auto bepackt habe, berichtet die Künstlerin. Der oder die Diebe hätten einen kurzen Moment der Unachtsamkeit ausgenutzt. Nitsch erzählt, dass sie ihr Akkordeon, das sich in einem bunten Instrumentenrucksack befand, ins offene Auto gestellt habe. Dann sei sie noch einmal ins Haus zurückgegangen, um weitere Kisten zu holen. Geschehen sei das Ganze in der Blocksquerstraße in der Lübecker Altstadt.
Dieses Akkordeon, ein Instrument der Marke Menghini, sei für sie etwas ganz Besonderes. „Es hat mich fast mein ganzes musikalisches Leben über begleitet“, erzählt Nitsch im Gespräch mit den LN. Durch die Zeit als Straßenmusikerin in Europa, während ihrer Auftritte mit dem Duo TroubaDuo, auch während der für sie als Künstlerin extrem schweren Corona-Zeit.
Die Pandemie habe für sie eine besondere Herausforderung dargestellt, erzählt Nitsch. Ihr sei quasi der Boden unter den Füßen weggezogen worden. „Aber ich bin wieder auf die Beine gekommen.“ Auch dank ihrer Liebe zur Musik - und ihres Akkordeons. Trotzdem habe diese Zeit ihre Spuren hinterlassen. Große Städte, Lautstärke, viele Menschen: Das überfordere sie seitdem, berichtet Jana Nitsch.
Deswegen zieht die Künstlerin nun um. Ihr neuer Lebensmittelpunkt: die Insel Rügen. „Im Naturraum Rügen habe ich den perfekten Ort für mich gefunden. Ich blicke aus dem Fenster und gucke direkt ins Grüne.“ Der Ort, direkt am Bodden gelegen, biete unglaublich viel Potenzial für Kreativität, so Nitsch. „Alle hier haben Lust, etwas zu machen. Das ist toll!“
Wichtig ist der Künstlerin aber eines: „Ich verlasse zwar die Stadt, aber ich verlasse nicht Lübeck! Ich werde dort weiterhin aktiv sein.“
Es könnte gerade alles schön sein für Jana Nitsch. Wenn nur ihr geliebtes Akkordeon nicht fehlen würde. „Ich bekomme derzeit viele andere Instrumente angeboten, und darüber freue ich mich natürlich sehr. Aber das ist einfach nicht dasselbe.“ Noch hofft die Künstlerin, ihr Instrument zurückzuerhalten. „Vielleicht war der Diebstahl ja nur die Mutprobe eines Jugendlichen oder ein Streich und das Akkordeon kommt zu mir zurück.“
Das Instrument befand sich zum Zeitpunkt des Diebstahls in einem auffällig bunten Rucksack. Wer ihn findet oder das Instrument zurückgeben möchte, kann sich per E-Mail an Jana Nitsch wenden: atelier.jananitsch@googlemail.com. „Die Rückgabe kann natürlich auch anonym erfolgen“, sagt Nitsch. Und: „Falls jemand das Akkordeon entdeckt: Ich zahle natürlich auch Finderlohn!“