„Finanzielle Zeitbombe“
Sundbrücke kostet statt 91 nun 170 Millionen – Landrat Gaarz sieht Risiko für künftige Sanierungen bestätigt.

Die Fehmarnsundbrücke wird seit sechs Jahren saniert. Die Arbeiten sollen bis 2030 fertig sein, zuvor hatte es stets 2028 geheißen.Foto: Sebastian Rosenkötter
Fehmarn/Eutin. Die Sanierung der Fehmarnsundbrücke sorgt aktuell für viel Gesprächsstoff. Nachdem bekannt wurde, dass die Kosten von 91 auf 170 Millionen Euro steigen, nimmt die Diskussion über die geplante Übernahme des Bauwerks wieder Fahrt auf. Auch die Bauarbeiten sollen erst im Jahr 2030 statt 2028 fertiggestellt sein. Landrat Timo Gaarz (CDU) sieht in der Kostenentwicklung einen Beleg dafür, dass der Kreis Ostholstein den dauerhaften Erhalt nicht finanzieren kann.

Zum Hintergrund: Bislang kümmert sich die Bahn im Auftrag des Bundes um den Erhalt der Sundbrücke. Der Bund will eben diese Unterhaltung und den damit verbundenen Erhalt der Brücke an den Kreis abgeben. Geschehen soll dies, sobald der Fehmarnsundtunnel fertig ist.

„Wenn für die Sanierung inzwischen rund 170 Millionen Euro veranschlagt werden, zeigt das, welche enormen finanziellen und technischen Risiken mit seinem dauerhaften Erhalt verbunden sind“, führt Gaarz aus. Gerade vor diesem Hintergrund werde noch einmal deutlich, „warum wir uns entschieden dagegen wehren, dass die Straßenbaulast für die Fehmarnsundbrücke auf den Kreis Ostholstein übertragen wird“. Dabei gehe es nicht nur um die laufende Unterhaltung, sondern auch um künftige Sanierungen und Investitionen.

Schlechte Nachricht für

Pendler und Pendlerinnen

Zu Wort meldet sich auch Ostholsteins Landtagsabgeordneter Niclas Dürbrook (SPD): „Zwei zusätzliche Jahre Nadelöhr am Fehmarnsund sind eine wirklich schlechte Nachricht für alle, die regelmäßig von oder nach Fehmarn pendeln.“ Weiter spricht Dürbrook von einer finanziellen Zeitbombe für den Kreis. „Man stelle sich nur vor, der Kreis müsste bei künftigen Sanierungen solche finanziellen Größenordnungen aus seinem eigenen Haushalt stemmen.“ Genau dieses Risiko drohe bei einer Übertragung des Bauwerks vom Bund auf den Kreis. Und Sebastian Schmidt, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Ostholstein, teilt mit: „Die Brücke steht unter Denkmalschutz, sie ist das Wahrzeichen Ostholsteins. Sie muss außerdem bis zur Eröffnung des Fehmarnsundtunnels vollständig den Verkehr tragen.“ Entscheidend sei, dass die sogenannte Straßenbaulast nicht auf den Kreis übertragen werde. „Hier ist eine faire und kommunalfreundliche Lösung zwischen Bund und Land zwingend erforderlich“, sagt Schmidt.

Kritik an

der Bahn

Die hohen Sanierungskosten, kritisiert Schmidt, würden auch daraus resultieren, dass die Bahn jahrelang zu wenig in den Erhalt investiert habe und der tatsächliche Zustand erst während der Arbeiten sichtbar geworden sei. Ähnlich äußert sich Bettina Hagedorn, SPD-Bundestagsabgeordnete: „Die Bahn hat die Sundbrücke seit der Jahrtausendwende vernachlässigt und sie heruntergewirtschaftet.“ ser
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