Belastender Klinikaufenthalt:Was hilft hörgeschädigten Patienten?
Kommunikation oft schwierig – UKSH setzt auf Schulung der ehrenamtlichen Helfer.

In Deutschland bräuchten 63 Prozent der Menschen über 60 ein Hörgerät. Doch nur ein Drittel von ihnen hat eines.Symbolfoto: Hans-Jürgen Wiedl/dpa
Lübeck. Sie bringen das mit, was Ärzten und Pflegekräften im stressigen Klinikalltag oft fehlt: viel Zeit. Ehrenamtliche Patientenbegleiter kümmern sich um die Bedürfnisse, Wünsche und Probleme der Erkrankten und fungieren als Brücke zwischen Patienten und Mitarbeitenden der Klinik.

Das Patienteninformationszentrum (PIZ) des UKSH bietet seinen ehrenamtlichen Helfern regelmäßig die Möglichkeit, sich weiterzubilden. Jetzt waren 15 Patientenbegleiterinnen und -begleiter bei der Lübecker Akademie für Hörakustik zu Gast, um zu erfahren, worauf sie beim Umgang mit hörgeschädigten Patienten achten sollten.

Denn eines sei klar, betont Dr. Frederick Hahn, Leiter der Abteilung Fort- und Weiterbildung an der Akademie für Hörakustik: „Auch mit einem perfekt eingestellten Hörgerät, das inzwischen Hörsystem genannt wird, hört man nicht so gut wie vor der Hörschädigung.“

Für die Patientenbegleiter, die insbesondere für ältere alleinstehende Menschen eine wichtige Stütze während des Klinikaufenthalts sind, ist es daher sehr wichtig zu wissen, ob eine Hörbeeinträchtigung vorliegt und ob ein Hörsystem getragen wird.

Für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung ist die Kommunikation mit Ärzten und Pflegekräften oft schwierig und eine zusätzliche Belastung – insbesondere, wenn sie ihre Hörhilfe, Ersatzbatterien oder die Verwahrungs-Box zu Hause vergessen haben. „Wir kümmern uns dann darum, dass Hörgerät und Zubehör irgendwie in die Klinik kommen. Ersatzbatterien sind auf den Stationen vorhanden oder können bestellt werden“, sagt Maren Hoge vom PIZ.

Sie hat die Schulung an der Akademie für Hörakustik initiiert und damit bei Dr. Hahn „offene Türen eingerannt“. Der Experte nahm sich mehrere Stunden Zeit, um die Patientenbegleiter umfassend zu informieren und ihnen das Hörgeräte-Museum zu zeigen.

Dr. Hahn hatte viele praktische Tipps für die Ehrenamtlichen. Der wichtigste: „Im Gespräch mit einem hörgeschädigten Menschen sollte man nicht lauter, sondern langsamer sprechen.“ Auch wenn es im ersten Moment paradox klingt: Bei lautem Sprechen sei die Stimme schlechter zu verstehen, weil bestimmte Frequenzen fehlten, erläutert Hahn.

Hilfreich sei auch, die Gespräche einfach zu gestalten, gängige Begriffe zu benutzen und die Sätze möglichst kurz zu halten. Denn wenn das Gehör schlechter werde, versuche das Gehirn, das zu ergänzen, was akustisch nicht verstanden worden sei. Das sei in den meisten Fällen möglich, aber sehr anstrengend und ermüdend, sagt Hahn.

Entscheidend sei auch, dass der Hörgeschädigte das Gesicht des Sprechenden und damit auch dessen Mundbewegungen sehen könne. Daher sollten Patientenbegleiter, Pflegekräfte, Ärzte und Angehörige nicht nur darauf achten, bei Gesprächen Umgebungsgeräusche zu minimieren, sondern auch für eine gute Beleuchtung sorgen.

Die Ehrenamtlichen erfuhren außerdem, wie man den korrekten Sitz des Hörsystems überprüft, wie getestet werden kann, ob es angeschaltet ist, wie lange die Batterien halten, wie sie gewechselt werden und wie die Hörhilfe gereinigt werden kann. Je nach Schwere der Erkrankung seien einige Patienten dabei auf Hilfe angewiesen.

Dr. Hahn nutzte die Schulung auch, um die Patientenbegleiter für die eigene Hörfähigkeit zu sensibilisieren. „Ohren sind Verschleißteile“, sagt der Experte. Seiner Erfahrung nach gingen die meisten Menschen „zehn Jahre zu spät zum Hörtest“. Empfehlenswert sei ein jährlicher kostenloser Hörtest ab Mitte 40. Denn ein Hörverlust verlaufe schleichend und werde daher „häufig lange ignoriert“.

„Wenn der Enkel zu Besuch kommt und als Erstes den Fernseher leiser stellt, ist das ein untrügliches Indiz“, sagt Hahn. Der beste Schutz fürs Gehör sei die Vermeidung von Lärm. „Sobald es laut wird, sollten sie einen Gehörschutz verwenden“, rät der Experte. Berufsgruppen, die besonders gefährdet und sich dessen meist nicht bewusst seien, seien Lehrer und Kita-Mitarbeitende. und GRI
Druckansicht