Abschleppen per App: Rentner streitet mit „Parknotruf“
Lothar Budnik parkte 20 Minuten auf Privatgelände – Parknotruf fordert 188 Euro – Rentner zahlt nicht.

Streit mit der Firma „Parknotruf“: Lothar Budnik aus Kücknitz soll falsch geparkt haben.Foto: Holger Kröger
Lübeck. Er wollte nur kurz fragen, ob die Waschanlage nun für immer geschlossen bleibt oder bald wieder öffnet. Deswegen fährt Lothar Budnik im Mai dieses Jahres auf das Gelände der ehemaligen Tankstelle im Lübecker Westpreußenring, auf dem sich ein kleiner Kiosk und eine Autowerkstatt befinden. „Es war aber schon nach 18 Uhr, deswegen war alles dicht“, sagt Budnik.

Als er gerade wieder in sein Auto einsteigt, grüßt ihn eine Bekannte von der anderen Straßenseite. Budnik geht kurz zu ihr, schnackt eine Runde und hilft der Frau, ihren Sonnenschirm festzuschrauben. Dann setzt er sich ins Auto und fährt nach Hause.

Ein paar Tage später macht er seine Post auf – und ist schockiert. „188 Euro soll ich bezahlen, weil ich falsch geparkt haben soll und deswegen ein Abschleppunternehmen beauftragt worden sei, das eine Leerfahrt berechnet“, sagt Budnik empört. „Ich war nur 20 Minuten da und habe niemanden blockiert. Das kann ja wohl nicht sein!“

Doch, das kann sein. Denn der Pächter des Geländes nutzt die App Parknotruf. Damit können Besitzer, Pächter oder Mieter von Flächen und Grundstücken Falschparker einfach und unkompliziert abschleppen lassen. Sie müssen sich nur bei dem jungen Unternehmen aus Kiel registrieren und eine Meldung auf dem Smartphone machen, wenn jemand unbefugt auf dem Grundstück parkt. Dann wird blitzschnell ein Abschleppunternehmen gerufen. Die Kosten dafür streckt das Unternehmen vor und holt sie sich bei den Parksündern zurück.

Theoretisch. Denn in der Praxis hat das zumindest bislang im Fall Lothar Budnik nicht geklappt. Der 75-Jährige hat bis heute noch keinen Cent an Parknotruf bezahlt – und hat das auch nicht vor.

Der Grund: „Es geht mir nicht um die 188 Euro. Es geht mir darum, dass falsche Vorwürfe gemacht worden sind und jegliche Transparenz fehlt“, sagt Budnik, der seit Monaten einen regen Briefverkehr mit Parknotruf hat. „Ich würde beispielsweise gern die Rechnung des Abschleppunternehmens und einen Beweis sehen, dass der Abschlepper wirklich hier vor Ort war“, sagt Budnik. „Aber darauf gab es überhaupt keine Reaktion. Stattdessen habe ich eine Mahnung plus Inkassodrohung erhalten.“

Außerdem stehe in dem Forderungsschreiben von Parknotruf eine falsche Adresse. „Die angegebene Adresse ist eine Grünfläche neben der ehemaligen Tankstelle. Das habe ich beim Liegenschaftsamt überprüft“, sagt Budnik. „Und die Parkverbotsschilder sind sehr schlecht zu erkennen: weiß auf weiß, sie hängen in 2,75 Meter Höhe und sind nur 30 mal 40 Zentimeter groß. Das habe ich nachgemessen. Dazu kommt die Sonneneinstrahlung an dem Tag.“

Die Firma „Parknotruf“ steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. In anderen Medienbeiträgen berichten Betroffene ebenfalls von fehlerhaften Nachweisen und unklaren Kennzeichnungen von Parkflächen.

Die Firma Parknotruf in Kiel macht keine Angaben, wie häufig es zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit mutmaßlichen Parksündern kommt. Die Vorwürfe Budniks können die Betreiber allerdings nicht nachvollziehen. „Herr Budnik hat Anfang Mai sein Fahrzeug unberechtigt auf einer privaten Fläche im Westpreußenring abgestellt. Der berechtigte Besitzer der Fläche hat den Parkverstoß dokumentiert und uns mit der Beseitigung der Besitzstörung beauftragt“, sagt Paul Struck, Eigentümer der Firma.

Dann sei ein Abschleppunternehmen beauftragt worden, das aber schlussendlich nicht abgeschleppt hat, weil Budniks Wagen schon weg war. Eine Leerfahrt wird dennoch berechnet. „Dieser Ablauf ist in unserem System dokumentiert.“

Der Parkverstoß sei ebenfalls bildlich dokumentiert, und die Bilder seien Lothar Budnik zur Verfügung gestellt worden. Dazu sei geprüft worden, ob der Auftraggeber auch wirklich berechtigt ist, Autos bei Parknotruf zu melden. „Auch eine falsche Adresse in der Zahlungsaufforderung können wir nach unserer Prüfung nicht feststellen“, sagt Struck.

Es scheint, als ob Lothar Budnik und Parknotruf ihren Streit nicht alleine beilegen können. „Ich gehe davon aus, dass es zu einer Gerichtsverhandlung kommen wird“, sagt Lothar Budnik. „Der sehe ich völlig entspannt entgegen.“ und HAN
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