„Es geht“: Lübeckerin beheizt 100 Jahre altes Mietshaus mit Wärmepumpe
Vermieterin Silja Schneider rüstet Altbau mit fünf Wohnungen um – Klimaleitstelle feiert Projekt als Leuchtturm der Energiewende.

Die unscheinbare Wärmepumpe, die wegen der aktuellen Arbeiten an den Fenstern im Obergeschoss abgedeckt ist, wurde von einer dänischen Firma eingebaut.
Lübeck. Dieses Mietshaus in der Geverdesstraße in St. Lorenz Nord hat vieles, was eigentlich gegen eine Wärmepumpe spricht. Es ist über 100 Jahre alt, die Fassade ist noch nicht gedämmt, es hat fünf Mietwohnungen und alles in allem rund 400 Quadratmeter Fläche, die beheizt werden müssen.

Und doch wird das alte Haus von einer eher unscheinbaren Wärmepumpe, die wie ein Pilz aussieht, beheizt – und das schon seit September vergangenen Jahres. Die Klimaleitstelle hat das Haus von Eigentümerin Silja Schneider zu einem von sieben Leuchttürmen der Energiewende in der Hansestadt auserkoren.

Wenn die ausgebildete Physiotherapeutin, die seit 2005 zusammen mit ihrem Mann mehrere Mehrfamilienhäuser in Lübeck besitzt, von dem Projekt erzählt, fällt immer wieder der Satz: „Es geht.“ Die 56-jährige Lübeckerin will zeigen, dass die Energiewende funktioniert, wenn möglichst viele mitmachen und mit Klischees aufgeräumt wird.

Als in dem Mietshaus nach und nach die Gas-Etagenheizungen kaputtgingen, stand Silja Schneider vor der Frage: wieder Gasheizungen oder neue Wege gehen? Die Vermieterin entschied sich für eine Wärmepumpe einer dänischen Firma, bei der seit Jahrzehnten mit dieser Technologie gearbeitet wird. „Die erprobte Technik war mir wichtig“, erzählt die Lübeckerin.

Der Einbau im September 2025 dauerte drei Tage. Rund 50.000 Euro musste die Eigentümerin aufbringen, 16.000 Euro gab es als Förderung vom Staat. Aktuell werden neue Fenster im Obergeschoss eingebaut und die Fassade erhält eine Nano-Dämmung, ein neues Beschichtungsverfahren – um die Effizienz der Wärmepumpe zu steigern.

Vor dem Einbau der Pumpe musste Silja Schneider die fünf Mietparteien überzeugen und eine Mieterhöhung ankündigen. Die Mieter seien zunächst skeptisch gewesen, räumt Silja Schneider ein. Zumal das Heizen mit der Wärmepumpe ganz anders ist als bei einer Gasheizung. Die Gasheizung sei sofort da, wenn die Thermostate aufgedreht werden. Wärmepumpen würden die Räume gleichmäßig temperieren.

14.000 Kilowattstunden Strom habe die neue Technik im vergangenen Winter verbraucht. Die Gas-Etagenheizungen hätten rund 50.000 Kilowattstunden Gas verschlungen. Die Effizienz der alten Heizungen habe bei 70 Prozent gelegen, rechnet die 56-Jährige vor, während die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom drei Kilowattstunden Wärme erzeuge. Silja Schneider geht davon aus, dass das Heizen günstiger wird, aber es liegen noch keine Abrechnungen vor.

Wärmepumpe im Vorgarten bei einem Haus in einem sogenannten Erhaltungssatzungsgebiet – da war doch etwas? In Gebieten mit Denkmalschutz und Erhaltungssatzungen schauen die Behörden genau hin, was da mit den Häusern und den Vorgärten passiert. Da kommt es schon mal zur Auflage, die Wärmepumpe hinter dem Haus aufzubauen.

„Das ging bei unserem Haus nicht“, erklärt Silja Schneider, „die Pumpe passte nicht durch die Türen. Und ein Kran, um die Pumpe über das Haus zu heben, hätte 7000 Euro gekostet.“ Die Behörden hätten das Projekt von Anfang an konstruktiv begleitet, lobt die Vermieterin.

Größere Probleme habe es allerdings mit den Stadtwerken und der Tochtergesellschaft Trave Netz gegeben. Der Einbau eines neuen Zählers habe sechs Wochen länger gedauert als geplant, für den Wechsel vom Grundversorgungstarif zum Wärmepumpentarif seien sechs Monate ins Land gegangen.

Fast 54.000 Gebäude in Lübeck müssen auf eine Wärmeversorgung ohne Gas und Öl umgestellt werden. 88 Prozent sind Wohngebäude und mehr als 80 Prozent der Häuser stammen aus der Zeit vor 1979, als Gebäudedämmung noch kein Thema war. Damit Lübeck die Energiewende bis 2040 schafft, müssen viele Hausbesitzer von erneuerbaren Energien überzeugt werden.

Bei Neuanschaffungen habe die Wärmepumpe die Gasheizung mittlerweile überholt, berichtet Klimamanager Ben Colin Matthies: „Die Wärmepumpe ist auch in Lübeck die Nummer eins.“ Mit der Kampagne der sieben Leuchttürme wolle die Klimaleitstelle zeigen, was in Lübeck schon alles umgesetzt werde. und DOR

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