Das Abfallwirtschaftszentrum – vielen Lübeckern besser bekannt als Deponie Niemark – hat vor allem eine Kernaufgabe: Es soll Kreisläufe herstellen. Auf dem Gelände wird in erster Linie der Müll der Hansestadt verwertet und verschiedenen Bestimmungen zugeführt. So entsteht an dieser Stelle zum Beispiel wertvoller Kompost und Biogas aus den Bioabfällen der Lübecker.
Nun kommt ein neuer Kreislauf hinzu. Mittels einer neuen Anlage soll aus Wasser mithilfe von Strom der Wasserstoff (vom Sauerstoff) isoliert werden. Im Mittelpunkt des Vorhabens steht ein 1-MW-PEM-Elektrolyseur. Ihren Strom erhält die Anlage ganz umweltfreundlich aus einer großen Photovoltaikanlage, die am Südhang der Deponie Niemark errichtet werden soll. Der erzeugte grüne Wasserstoff wird gespeichert und über eine Abfüllstation für den Transport zur Wasserstofftankstelle im Gewerbegebiet Roggenhorst bereitgestellt. Durch den Strom aus der Photovoltaikanlage könnte die Anlage rund 57.000 Kilogramm Wasserstoff pro Jahr erzeugen, schätzen die Fachleute. In der dunklen Jahreszeit soll aus Wind erzeugter Strom noch einmal für rund 100.000 Kilogramm sorgen.
Der so hergestellte Wasserstoff soll vor allem als Antrieb für Schwerlast- und Fernverkehr genutzt werden. Die optimistische Schätzung der Entsorgungsbetriebe Lübeck: Jährlich könnten so rund 385.000 Liter fossiler Dieselkraftstoff eingespart werden.
Das Land Schleswig-Holstein unterstützt das Vorhaben als wichtigen Beitrag zur Energiewende. Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Bündnis 90/Die Grünen) überbrachte dafür einen Förderbescheid in Höhe von 3.551.944 Euro. „Grünem Wasserstoff gehört die Zukunft, denn er ist klimaneutral und kann uns dabei helfen, unsere Abhängigkeiten von fossilen Energiequellen endlich hinter uns zu lassen“, sagte Goldschmidt. „Damit leisten die Entsorgungsbetriebe Lübeck einen wichtigen Beitrag zum Aufbau einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft in Schleswig-Holstein und zum Fortschritt der Energiewende.“
„Mit dem Projekt verbinden wir mehrere Zukunftsthemen miteinander: erneuerbare Energien, Wasserstoff, Kreislaufwirtschaft und klimafreundliche Mobilität. Als Hansestadt Lübeck zeigen wir damit ganz konkret, wie eng Klimaschutz und Daseinsvorsorge zusammengehören und aus vorhandener Infrastruktur neue, nachhaltige Lösungen entstehen können“, ergänzte Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau.
Neben Wasserstoff und Sauerstoff wird die Anlage auch Wärme produzieren. Nach Angaben der EBL soll die Abwärme genutzt werden, um die Biogasanlagen des Abfallwirtschaftszentrums zu beheizen. Der Sauerstoff soll dabei helfen, Biogas in der angrenzenden mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage zu gewinnen.
Die Pläne zur Produktion von Wasserstoff in Lübeck sind nicht neu. Schon einmal hatten die EBL geplant, einen Elektrolyseur zu bauen. 2024 wurden diese Pläne jedoch wieder zu den Akten gelegt: Damals fehlte die Genehmigung für den Bau einer solchen Einheit.
Nun ist die Genehmigung da – und ein mit Wasserstoff fahrendes Müllfahrzeug der EBL kann absehbar endlich seinen vorgesehenen Dienst tun. Bislang musste das Nutzfahrzeug alternativ mit Strom betrieben werden.