Die Winterdienstklasse 1 soll von 6,20 auf zwölf Euro je Frontmeter Grundstück im Jahr steigen. Das schlagen die EBL den Kommunalpolitikern vor, die darüber noch in diesem Monat entscheiden werden. „Bei einem Grundstück mit zehn Metern Frontlänge sind das Kosten von 120 Euro im Jahr“, sagt EBL-Chef Mathias Mucha, „das sind etwas mehr als 30 Cent pro Tag. Für das Geld macht das kein privater Anbieter.“ Seit 2021 sei die Zahl der sogenannten Volleinsätze, bei denen rund 300 Leute und der gesamte Winterdienst-Fuhrpark auf den Straßen unterwegs sind, auf über 40 in den Wintermonaten gestiegen. In den Jahren zuvor waren es unter 30. „Ein Volleinsatz kostet 200.000 Euro“, sagt Manfred Rehberg, Leiter der Sparte Stadtreinigung. Allerdings biete Lübeck auch einen höheren Standard als gesetzlich vorgeschrieben.
Auch die Gebühren für Abfallentsorgung, Entwässerung und Straßenreinigung im Sommer sollen steigen. Die Straßenreinigung in den Sommermonaten steigt in der Reinigungsklasse 6 um 5,5 Prozent von 12,24 auf 13,08 Euro je Meter und Jahr.
Die Entsorgung von Schmutzwasser wird um acht Prozent teurer. Der Kubikmeter soll künftig 2,50 statt 2,31 Euro kosten. Hier würden gesetzliche Auflagen zur Reinheit des Abwassers sowie zur Phosphatrückgewinnung aus dem Klärschlamm zu Buche schlagen, sagt EBL-Chef Mucha.
Auch die Entwässerung von Regenwasser verteuert sich um acht Prozent von 8,96 auf 9,68 Euro je zehn Quadratmeter pro Jahr. Die Abfuhr von Abfall wird 5,9 Prozent teurer. Die 80-Liter-Tonne kostet dann 16,52 statt 15,32 Euro im Monat, die 120-Liter-Tonne 24,78 statt 22,98 Euro im Monat. Hier wirkt sich auch eine CO2-Abgabe aus. „Für die zahlen wir über eine Million Euro im Jahr“, sagt der EBL-Chef.Durch die höheren Gebühren werden die Umsatzerlöse der Entsorgungsbetriebe von 131,4 Millionen im vergangenen Jahr auf 145,4 Millionen Euro im nächsten und übernächsten Jahr steigen. Die EBL kalkulieren ihre Gebühren jeweils für zwei Jahre. Mathias Mucha: „Wir bieten unseren Kunden eine Preisgarantie.“
Als gebührenfinanziertes Unternehmen dürfen die EBL den Bürgern nur den tatsächlichen Aufwand in Rechnung stellen. Und der steigt in den nächsten Jahren gewaltig. Die Investitionen, die sich das Unternehmen vornimmt, wachsen von 65,7 Millionen Euro in diesem Jahr auf 126,5 Millionen Euro 2028.
Rund 30 Millionen Euro steckt der Entsorger jährlich in die Modernisierung des Kanalnetzes. Die Instandsetzung und Erweiterung der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) verschlingt rund 40 Millionen Euro.
Lübeck übernimmt sowohl Bio- als auch Restmüll vom Zweckverband Ostholstein (ZVO). Mit dem Biomüll aus Ostholstein werden die vorhandenen MBA-Kapazitäten ausgelastet. Für den ZVO-Restabfall wird die Anlage erweitert. Weil der ZVO durch den Deal Entsorgungskosten spare und die EBL mit dem Müll mehr Biogas herstellen könne, würde am Ende eine schwarze Null stehen, versichert Manfred Rehberg. „Es kommt dadurch weder beim ZVO noch bei uns zu Gebührensteigerungen.“
Der Lübecker Entsorger baut außerdem seine Zentrale am Stockholmring neu, errichtet auf der Deponie Niemark eine weitere, riesige Photovoltaikanlage und baut einen Elektrolyseur zur Wasserstoffherstellung. Vor zwei Jahren waren solche Pläne wegen der hohen bürokratischen Hürden noch gescheitert. Der frühere Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) habe die Hürden massiv abgesenkt, berichtet Manfred Rehberg. Deshalb lohne sich ein neuer Anlauf.