Einen barrierefreien Steg, der Menschen im Rollstuhl die Teilnahme an Hansefloß-Touren ermöglicht, gibt es am Bootshaus Marli bereits seit mehr als zwei Jahren. Nun legt Exeo noch eine Schippe drauf.
Trotz unkippbarer SUPs – Schwimmwesten-Pflicht
Auf einem der 5,5 Meter langen und zwei Meter breiten Boards können bis zu vier Rollstühle angeschnallt werden. Daneben bleibt ausreichend Platz für Betreuungspersonen und kräftige Paddler. Einzige Voraussetzungen: Angeschnallt werden nur die Rollstühle, nicht die Nutzer. Und das Tragen von speziellen Schwimmwesten, die Exeo zur Verfügung stellt, ist für alle Pflicht. „Die 45 Kilogramm schweren XXL-SUPs sind unkippbar, dennoch hat das Motto ‚Safety first‘ für uns oberste Priorität“, betont der Exeo-Vorsitzende Sönke Petersson (49).
Derzeit werden die SUPs intern und bei ausgewählten Events wie beispielsweise beim Kinder- und Jugendsommerfest des Landesverbandes Schleswig-Holstein der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) getestet. Ab der kommenden Saison können diese von Einrichtungen und Privatpersonen am Bootshaus Marli im Drägerpark ausgeliehen werden.
Probefahrt begeistert und macht Lust auf mehr
Die DGM-Jugendbeauftragte Hanna Stüber (40) durfte bereits eine Probefahrt machen und bekam dabei unerwartete Begleitung: Exeo-Praktikantin Franziska Pape (29) hat sich bei einem Kletter-Unfall beide Sprunggelenke gebrochen und ist deshalb für einige Wochen auf einen Rollstuhl angewiesen.
Das XXL-SUP liegt am Ufer bereit, über eine Rampe gelangen die beiden Frauen mit ihren Rollstühlen an Bord. Speziell geschulte Exeo-Mitarbeitende schnallen die Rollis fest, dann bekommt jeder der sechs Mitfahrenden ein Paddel und los geht‘s. Angesichts vieler kräftiger Arme nimmt das Board schnell Fahrt auf. „Einfach großartig“, ruft Hanna Stüber den Zuschauern am Ufer zu und strahlt.
Ihr Fazit: „Es ist ein tolles Erlebnis, die Wakenitz so hautnah zu erleben und gemeinsam aktiv zu sein.“ Das Paddeln sei für sie durch ihre Erkrankung zwar „echt anstrengend, aber es hat Spaß gemacht und ich hatte ja tatkräftige Unterstützung“.
Entwicklung noch
nicht abgeschlossen
Pro Rolli-Tour sind vier Begleitpersonen nötig, erläutert Exeo-Mitarbeiter Martin Hill. So sei auch gewährleistet, dass die Rollstuhlfahrer „jederzeit mitpaddeln können, es aber nicht müssen“. Für die Wintermonate hat der 39-Jährige ein ehrgeiziges Ziel: „Wir wollen Paddel entwickeln, die auch Menschen mit motorischen Einschränkungen in den Armen nutzen können.“ So etwas gebe es bisher nicht, „aber wir lassen uns was einfallen“.
Das erklärte Ziel von Exeo sei „nicht nur äußere, sondern auch innere Barrieren abzubauen“, betont Petersson. Bei den ab kommendem Frühjahr möglichen Touren sollte es nach Ansicht des Exeo-Vorsitzenden „nicht darum gehen, möglichst viele Kilometer zu reißen, sondern gemeinsam eine entspannte Zeit auf dem Wasser zu genießen“. Auf den Boards mit 900 Kilogramm Tragkraft sei auch „immer noch Platz für einen Picknickkorb“.