Nicht nur Wespen, sondern auch zahlreiche Bienen tummeln sich derzeit im Café Stübchen am Kaufhof in der Schlutuper Straße. „So schlimm wie dieses Jahr war es noch nie“, sagt die Geschäftsführerin Sabrina Lehnert. Sie holte sich Hilfe vom Experten. Ein Imker hat versucht, die Königin ausfindig zu machen, bisher ohne Erfolg. „Zum Glück nehmen es meine Angestellten gelassen“, sagt Lehnert. Auch die Kunden blieben ruhig. „Die kleinen Tiere wissen eben, wo es schmeckt“, sagt Lehnert scherzhaft, hofft aber trotzdem, dass die Bienen und Wespen zeitnah weiterziehen.
Auch im Freibackhaus in der Glockengießerstraße herrscht reges Treiben. Seit etwa zwei Wochen gehen die Wespen hier zusammen mit den Kunden ein und aus. „Mich stören die Wespen nicht“, sagt Kundin Nadine Schaffrath, die sich gerade ihr Frühstück kaufen will. Und auch Kundin Ilona Matthiessen sagt: „Das ist Natur, dagegen kann man nichts machen.“
Doch so mancher findet die Wespen auf dem Kuchenstück nicht nur nervig, sondern auch unappetitlich. Das Risiko, dass eine Wespe gefährliche Krankheitserreger überträgt, ist allerdings laut Experten sehr gering.
Der Grund, warum die Wespen derzeit vermehrt um süße Lebensmittel herumschwirren, ist ihre Nahrungsumstellung. Die Aufzucht ist beendet, deshalb suchen sie jetzt nach zuckerhaltiger Nahrung für sich selbst. „Am besten man gibt ihnen, wonach sie suchen“, rät der Lübecker Schädlingsbekämpfer Jörg Kinscher. „Dann haben sie, was sie brauchen.“
Sein Tipp: Eine Schale mit Saft vor die Tür oder in den Verkaufsraum stellen, damit die Wespen dahin gelockt werden. Das gilt übrigens auch für zu Hause, denn das Kaffeekränzchen im Garten oder ein Picknick im Freien sind derzeit ohne Wespenbesuch ebenfalls fast nicht möglich.
Und wenn die kleinen Tierchen einem dann doch zu nahekommen, gilt: Ruhe bewahren – Wespen fühlen sich durch hektische Bewegungen bedroht. Also nicht wild herumfuchteln. Außerdem: Nicht pusten, lieber die Tiere sanft wegwedeln. Und last but not least: nicht direkt aus der Flasche trinken und auch beim Essen darauf achten, dass keine Wespe auf dem Plunderstück sitzt und so in den Mund gerät.
Ist das doch der Fall, sollte bei einem Wespenstich im Mund oder Rachen sofort der Notruf (112) gewählt werden. Die Schleimhäute können stark anschwellen und die Atemwege blockieren. Sofort kühlen – Eiswürfel lutschen oder Eis essen – bis der Rettungsdienst kommt, kann Schlimmeres verhindern.
Töten ist übrigens nicht erlaubt. Wespen stehen in Deutschland unter dem allgemeinen Artenschutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Das Bußgeld beträgt in Schleswig-Holstein bei normalen Wespenarten bis zu 5000 Euro. Bei akuter Selbstverteidigung oder Allergie droht hingegen keine Strafe. Wer ein Nest entdeckt, sollte einen Schädlingsbekämpfer rufen. „Ein Nest umzusiedeln ist gar nicht so ungefährlich, da sollte man schon einen Experten zur Rate ziehen“, sagt Kinscher.