St. Jakobis Zeiger drehen sich:Die Uhr tickt wieder
Ein Uhrmacher stieg die 60 Meter zum Getriebe hinauf – Der historische Mechanismus läuft wieder.

Der Uhrmacher Martin Stadermann und die Küsterin Marina Niemeyer im Innenleben der Uhr von St. Jakobi.Foto: Bastian Modrow/hfr
Lübeck. Mehrere Tage lang stand die Zeit an St. Jakobi still. Die Zeiger der Turmuhr waren kurz vor zwei Uhr stehen geblieben. Nun ist der Fehler gefunden: Uhrmacher Martin Stadermann aus Preetz hat das historische Uhrwerk wieder in Gang gebracht. Seit Dienstag vergangener Woche zeigt die Turmuhr wieder die richtige Zeit an.

Für Stadermann ist die Uhr von St. Jakobi vor allem eines: groß. „Die Uhr ist ein Monster“, sagt der Uhrmacher. Rund 60 Meter musste er hinaufsteigen, über eine Wendeltreppe und Holzleitern. Oben angekommen, fand er den Fehler nach kurzer Zeit. In der kleinen Einhausung im Dach der Kirche war wieder das vertraute Klacken der Zahnräder zu hören.

Stadermann ist auf historische Turmuhren spezialisiert. Er hat unter anderem in Hamburg, Herrenhausen und Hannover dafür gesorgt, dass große Zeitmesser wieder funktionieren. „Ich finde die klasse, weil sie den Menschen schon seit so langer Zeit die Zeit anzeigen – und man sich zumindest meistens auf sie verlassen kann“, sagt er.

Das war bei der Uhr von St. Jakobi zuletzt nicht der Fall. Erst vor rund drei Wochen war das Uhrwerk regulär gewartet worden. Die Uhr stammt aus dem 17. Jahrhundert. In den 1990er- Jahren wurde sie mit einem Motor ausgestattet, damit das Uhrwerk nicht mehr täglich von Hand aufgezogen werden muss.

Warum die Zeiger dennoch stehenblieben, ist nicht abschließend geklärt. Stadermann vermutet einen Stromausfall als mögliche Ursache. „Bei dieser Uhr vermute ich, dass durch den Stromausfall das Gewicht bis ganz nach unten gelaufen ist und auf dem Boden aufgesetzt hat“, sagt er. Normalerweise regelt die Uhr das Aufziehen und Stoppen selbstständig.

Dieses Mal musste nachgeholfen werden. Die Motoren wurden von Hand angesteuert, um das Gewicht wieder nach oben zu ziehen. Auch das schwere Pendel musste von Hand „angeschubst“ werden, damit das Uhrwerk wieder lief.

Dass die Uhr wieder funktioniert, freut auch Jan-Dirk Verwey, Vorstand der Stiftung 7Türme+ und Mitglied des Kirchengemeinderats von St. Jakobi. „Eine Turmuhr ist schließlich weit mehr als nur ein Uhrwerk: Seit Generationen gibt sie den Menschen den Takt des Tages vor und gehört ganz selbstverständlich zum Leben in der Stadt“, sagt er.

Ganz selbstverständlich sei ihr Betrieb allerdings nicht. Auch die Technik hinter den historischen Türmen müsse gepflegt und erhalten werden. Die vier Zeigerwerke sind über ein Gestänge miteinander verbunden, sodass auf allen vier Seiten automatisch dieselbe Zeit angezeigt wird. Nun zeigt sie den Lübeckern wieder, was die Stunde geschlagen hat. und JOB
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