Es ist eines von vielen speziellen Erlebnissen der großen Reise gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Peter Kamps: Für 14 Monate war ihr Segelboot das Zuhause. 13.400 Seemeilen – rund 25.000 Kilometer – segelten sie durch die Weltmeere und besuchten dabei 27 Länder, von der Ostsee bis in die Karibik. „Im Prinzip sind wir die gleiche Route gesegelt, die damals Christoph Kolumbus abgefahren ist“, sagt Kamps.
Dabei ist das weite, offene Meer gar nicht das natürliche Habitat der beiden. „Wir sind die klassischen Ostsee-Segler“, sagt Kamps. „Wir lieben die Lübecker Bucht. Das ist unser Revier.“ Kamps lebt seit 30 Jahren in Lübeck, Rehbein zog erst vor Kurzem aus Bad Oeynhausen in die Hansestadt. Im Juni 2025 ließen sie ihr gewohntes Revier hinter sich.
Sein Boot, die „Stella Nova“, hat Kamps vor 18 Jahren gekauft. 13 Meter ist das Boot lang. Vier Meter breit. 600 Liter Diesel hatte das Paar an Treibstoff dabei. „Zwei Drittel haben wir davon am Ende gebraucht“, erzählt Kamps. Im Durchschnitt waren sie mit 6,5 bis 7 Knoten unterwegs.
Von Fehmarn ging es über Kiel und den Nord-Ostsee-Kanal nach Schottland. Delfine begleiteten das Boot. Gleichzeitig zeigte sich das Wetter von seiner rauen Seite. „Das waren drei Jahreszeiten an einem Tag“, sagt Rehbein. Über Irland und Frankreich führte die Reise weiter nach Portugal.
In Lissabon begann für die beiden dann das große Abenteuer. „Da fing für uns das offene Atlantikschiffen an. Blauer Himmel, blaues Wasser“, sagt Kamps nostalgisch. Gleichzeitig wuchs eine Gemeinschaft von Seglern. In Häfen trafen sie andere Reisende, über Funk und WhatsApp blieb man auch auf See verbunden. „Wir haben extrem enge Freundschaften unterwegs geschlossen“, sagt Rehbein. „Wir haben schließlich alle die gleichen Hoffnungen, Träume und Sorgen.“
Dann wurde es ernst: Von den Kapverden nach Barbados waren Kamps und Rehbein 13 Tage ohne Unterbrechung auf dem Wasser. Wind und Wellen schüttelten die Yacht kräftig durch. Rehbein musste sich beim Kochen sogar mit einem Gurt am Herd sichern. Nachts hielt Kamps Wache, morgens übernahm Rehbein.
Die Mühen wurden mit besonderen Begegnungen belohnt. Wale schwammen um das Boot, „Schildkröten und Rochen haben uns irgendwann begleitet“, erinnert sich Rehbein. Ganz ohne Pannen und Sorgen blieb die Reise jedoch nicht. Da waren die Orcas vor Spanien und Portugal. „Man kann täglich von Angriffen hören“, sagt Kamps. Vor dem spanischen Kap Finisterre verklumpte der Diesel, der Motor fiel aus. Die beiden schafften es gerade noch in den nächsten Hafen. Später drangen mitten auf dem Ozean nach einem Schaden an der Ankerkette rund 400 Liter Wasser ins Boot. Mit Schwamm, Kescher, Silikonkleber und einer Teleskopstange dichteten sie das Leck zunächst ab.
„Wichtiger als das seglerische Können ist es, in der Lage zu sein, ein Boot reparieren zu können“, sagt Kamps. Drei Jahre hatten sich die beiden auf die Reise vorbereitet. Mit 59 und 58 Jahren kündigten sie ihre Jobs. Kamps hatte seit 30 Jahren von einer solchen Reise geträumt. „Einfach machen“, lautete sein Motto.
In der Karibik wurde es nach den Strapazen entspannter. Weihnachten feierten sie mit Lichterkette und einem kleinen Drahttannenbaum an Bord. Silvester gab es eine Dingi-Party mit Mischpult, Nebelmaschine und Lautsprechern.
Auch die Familie blieb präsent. Die fünf Kinder der beiden besuchten sie mehrfach. Peter Kamps bekam während der Reise Heimweh. „Das bezog sich aber ausschließlich auf die Kinder“, sagt er. „Ich wurde in der Zeit Opa“, erinnert er sich.
Der Kontakt nach Lübeck ist trotz der großen Entfernung nie ganz abgerissen. Als Mitglieder vom Segler-Verein Trave e. V. wurden sie sogar per Videokonferenz mit dem Fahrtenseglerverein 2025 ausgezeichnet. „Das war eine schöne Sache hier an Deck“, erinnert sich Rehbein.
Nach 14 Monaten kehrten die beiden nach Lübeck zurück. Die Reise hat sie verändert. „Ich bin sozialer geworden durch diese Reise, offener fremden Menschen gegenüber“, sagt Kamps. Rehbein bringt vor allem Gelassenheit mit: „Ich bin viel geduldiger. Stress kann mir aktuell gar nichts.“
Ganz vorbei ist die Sehnsucht nach dem großen Törn offenbar nicht. Einige Ecken der großen, weiten Welt fehlen den beiden Seglern noch. Nur eines würde Kamps beim nächsten Mal anders machen: „So eine Reise würde ich auf drei Jahre verteilen.“ Mehr Genuss, mehr Entspannung. Und engerer Kontakt zu den Kindern.