Mühlentorbrücke: Sanierungszeitplan für das marode Bauwerk steht
Stadtverwaltung hat die Planungen abgeschlossen – Bürgerschaft muss jetzt über das 29,5 Millionen Euro teure Projekt entscheiden – Erste Arbeiten noch diesen Sommer? – Fertigstellung für 2029 geplant.

Lübeck. Die Sanierung der Lübecker Mühlentorbrücke kommt voran: Die Stadtverwaltung hat die Planungen jetzt abgeschlossen. Nun soll die Bürgerschaft die Freigabe für das 29,5-Millionen-Euro-Projekt erteilen. Bislang gab es nur einen Grundsatzbeschluss der Politik. Die entsprechende Beschlussvorlage für die nächste Bürgerschaftssitzung ist nun aber fertig. Und darin gibt die Verwaltung erstmals einen konkreten Zeitplan bekannt.

Bis Ende 2029 solle an der Brücke demnach gebaut werden, heißt es darin. Und: Noch in diesem Sommer soll es mit dem Fällen von Bäumen und archäologischen Untersuchungen sowie Leitungsarbeiten losgehen. Im kommenden Jahr starten dann die eigentlichen Sanierungsarbeiten an dem geschichtsträchtigen Brückenbauwerk. Im Frühjahr 2028 sollen auf der Westseite ein erster von insgesamt zwei seitlichen Anbauten für Fußgänger und Radfahrer freigegeben und die Behelfsbrücke zurückgebaut werden.

Die Mühlentorbrücke wurde 1898 als Verbindung der Innenstadt mit den südlichen Stadtteilen gebaut. Das 81 Meter lange Bauwerk steht unter Denkmalschutz. Es gilt als eines der bedeutendsten historischen Ingenieurbauwerke der Hansestadt.

Am 5. Dezember 2025 musste die Brücke wegen Altersschwäche vollständig für den Verkehr gesperrt werden. Jetzt müssen neue Widerlager her. Bei der Sanierung sollen die alten Pfeiler und der alte Stahlüberbau erhalten bleiben. Es soll auch weiter drei Fahrspuren geben. Die neuen Geh- und Radwege beidseits der alten Brücke werden allerdings statisch eigenständige Bauwerke sein.

Die Verkehrsbehinderungen wegen der maroden Brücken werden derweil zu einem echten Problem. Denn nicht nur die Mühlentorbrücke fällt als Verbindung derzeit aus. Auch die Hubbrücke ist voraussichtlich bis 2030 dicht. In dieser Woche noch bleibt auch die Eric-Warburg-Brücke gesperrt – und eine Verlängerung der Arbeiten um eine weitere Woche hält man im Rathaus nicht für ausgeschlossen.

Über die Rehderbrücke geht’s wegen Baufälligkeit nur noch mit Tempo 20. Und jetzt wurden auch noch die Arbeiten an der Marienbrücke wegen umfangreicher Instandsetzungsarbeiten verlängert. Stadtauswärts ist die Fahrbahn bis voraussichtlich Ende August gesperrt. Die MuK warnt ihre Gäste bereits, dass es deswegen auf der Umleitung über den Holstentorplatz und die Puppenbrücke zu „erhöhtem Verkehrsaufkommen und längeren Fahrzeiten“ kommen kann. Man möge besser den ÖPNV nutzen.

Bei den Bürgern und in der Bürgerschaft regt sich schon länger Unmut über die Verkehrsprobleme. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck berichtet von einer „angespannten Stimmung“ bei vielen Unternehmen in der Stadt. Georg Muus etwa, der mit seinen Traktoren und Lkw unter anderem Wärmekraftwerke mit Holzhackschnitzeln versorgt, berichtet von kilometerlangen Umwegen oder hohen Kosten bei der Umleitung durch den Herrentunnel.

Die Fraktion der Unabhängigen spricht auch wegen solcher Meldungen bereits von einem „Brückendesaster“. Und das müsse „ein Ende haben“, und zwar kurzfristig. Dazu sollte unverzüglich eine Taskforce „Lübecker Brücken“ mit Fachleuten außerhalb der Verwaltung eingerichtet werden, sagt der Vorsitzende Michael Matthies. Eine solche „externe und zielorientierte Gruppe“ solle als Krisenmanager fungieren, „um kurzfristige Lösungsmöglichkeiten der diversen Brückenbaustellen zu erarbeiten“.

Anders werde Lübeck nicht aus dem Fiasko herauskommen, sagt Michael Matthies und übt Kritik an der Bauverwaltung. So sei die Planung der Mühlentorbrücke aufgrund von Personalmangel und Menge der Aufgaben deutlich verschoben worden, sagt er und zitiert die Abteilung Brückenbau des Bereiches Stadtgrün und Verkehr.

Tatsächlich ist der Personalmangel im Brückenbau deutschlandweit ein Problem. Beim Onlineportal „PraktischKommune“ findet sich auch eine Stellenausschreibung der Hansestadt Lübeck für eine „Bauingenieur:in Brückenbau“ von Mitte Juli dieses Jahres. und WH

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