Lange galt Lübeck aufgrund seiner Nähe zur Ostsee als vergleichsweise gemäßigt. Maritime Einflüsse sorgten in der Vergangenheit regelmäßig für kühlere Sommer als im Binnenland, doch auch an der Trave macht sich der Klimawandel inzwischen deutlich bemerkbar. Die Zahl der Hitzetage (Temperaturen über 30 Grad Celsius) steigt und die Durchschnittstemperaturen nehmen zu – und mit ihnen die Belastung für Bevölkerung, Infrastruktur und Natur. Das zeigt ein Blick in die Auswertung der Wetterstation Lübeck-Blankensee.
Besonders auffällig ist die Entwicklung der Sommer- und Hitzetage. Ein Sommertag wird meteorologisch als Tag mit mindestens 25 Grad Celsius definiert, ein Hitzetag erreicht mindestens 30 Grad. Noch 2017 zählte Lübeck lediglich 16 Sommertage und keinen einzigen Hitzetag. Nur ein Jahr später folgte ein markanter Umschwung: Der außergewöhnlich warme und trockene Sommer 2018 brachte 61 Sommertage und 16 Hitzetage – bis heute ein Spitzenwert in der jüngeren Messreihe.
2026 gab es
schon 6 Hitzetage
Auch wenn die Werte seitdem schwanken, bleiben sie auf einem hohen Niveau. In den vergangenen Jahren wurden regelmäßig zwischen 32 und 38 Sommertage sowie 3 bis 12 Hitzetage registriert. So verzeichnete Lübeck 2022 insgesamt 38 Sommertage und 7 Hitzetage, 2024 waren es 37 Sommertage und 6 Hitzetage. Für das Jahr 2026 wurden bis zur Jahreshälfte 27 Sommer- und 7 Hitzetage gezählt. Da mit Juli und August die statistisch wärmsten Monate in den Daten noch nicht enthalten sind, dürfte die Zahl der Sommer- und Hitzetage bis zum Jahresende weiter deutlich steigen. Der Trend ist offensichtlich: In den 1980er und 1990er-Jahren wurden meist nur 1 bis 3 Hitzetage pro Jahr registriert. Seit den 2000er-Jahren häufen sich dagegen Jahre mit 5 oder mehr Hitzetagen.
Parallel dazu verändert sich der Winter. Frosttage – Tage, an denen die Tiefsttemperatur unter den Gefrierpunkt fällt, aber tagsüber wieder ins Plus steigt – treten zwar weiterhin regelmäßig auf, ihre Zahl schwankt jedoch stärker. Deutlich klarer zeigt sich der Rückgang bei den Eistagen. An diesen Tagen bleibt die Höchsttemperatur den gesamten Tag unter null Grad Celsius. Während Lübeck 2016 noch 13 Eistage und 2021 sogar 15 Eistage verzeichnete, gab es 2020 keinen einzigen Eistag. In den Jahren 2024 und 2025 wurden jeweils nur noch 4 Eistage registriert. Anders sieht es dafür 2026 aus. Da gab es bislang 63 Frosttage und 21 Eistage.
Auch dieNicht nur die Zahl der Sommer- und Hitzetage nimmt zu – auch die Durchschnittstemperatur in Lübeck steigt kontinuierlich. Das belegen die Daten der Wetterstation Lübeck-Blankensee. Lag sie in den 1980er-Jahren noch überwiegend zwischen 8 und 9 Grad Celsius, überschreiten viele Jahre inzwischen die Marke von 10 Grad. Besonders die vergangenen zehn bis 15 Jahre gehören zu den wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Rekordwerte wurden unter anderem in den Jahren 2014, 2018, 2020 und 2023 erreicht.
Der Anstieg der Durchschnittstemperatur ist ein zentraler Indikator für den Klimawandel. Er zeigt, dass sich nicht nur einzelne Extremereignisse häufen, sondern dass sich das Klima insgesamt verändert. Mildere Winter und zunehmend warme Sommer lassen die Jahresmitteltemperatur kontinuierlich ansteigen.
Die Entwicklung in Lübeck entspricht damit dem bundesweiten Trend.