Zwei Frauen und zwei Männer vom Blinden- und Sehbehindertenverein (BSV) Schleswig-Holstein nahmen an einem Workshop, der zum ersten Mal veranstaltet wurde, teil. Bianca Bürkle aus Plön gehörte dazu. Die 58-Jährige leidet an einer genetischen Augenerkrankung. Sie kann keine Gesichter erkennen und nicht lesen. „Ich kann aber Farben gut erkennen“, sagte sie. Mithilfe eines Fotos auf ihrem Handy schnitzte sie aus einem Sandblock eine auf einem Felsen liegende Schildkröte.
Karl Küppers (71) aus Lübeck ließ ein Haus mit einem Walmdach entstehen. Die Stockelsdorferin Nina Pöhls (46) hatte als Motiv einen riesigen Schnuller gewählt, und Jordan Smith (39) aus Flensburg formte aus dem Sand einen Fisch, der auf einer Welle schwimmt.
Sorgfältige EinführungAlle Teilnehmenden wurden bei ihrer Arbeit von Sandcarver Martin de Zoete aus den Niederlanden angeleitet und unterstützt. Der künstlerische Leiter der Ausstellung nutzte dabei immer wieder eine Simulationsbrille, die verschiedene Sehbeeinträchtigungen nachbildet. So erlebte er, wie sich das Arbeiten mit Sand anfühlt, wenn man sich nicht auf die Augen verlassen kann. „Wir professionellen Künstler arbeiten eigentlich immer mit Bildern, das ging aber in diesem Fall nicht. Deshalb musste alles über die Sprache laufen“, sagte er.
Mit großer Sorgfalt und viel Zeit wurden die Teilnehmenden am ersten Tag des Workshops von Martin de Zoete in die Kunst des Sandschnitzens eingeführt. Zuerst galt es, aus vier jeweils 40 Zentimeter großen Würfeln eine Grundform wie eine Pyramide oder ein Zirkuszelt zu erstellen. Am zweiten Tag wurden die Sandblöcke größer, und die Teilnehmenden durften ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Zum Abschluss erfolgte nach etwa zehnstündiger Arbeit noch der Feinschliff.
„Eine Kunst, die Sehbehinderte gut ausüben können“
Mit Stolz und großer Freude präsentierte das Künstlerquartett seine Werke. „Ich bin sehr dankbar, dass ich so etwas mit Unterstützung schaffen durfte“, sagte Bianca Bürkle. „Es hat sehr viel Spaß gemacht“, stellte Nina Pöhls fest. Jordan Smith ergänzte: „Das ist eine Kunst, die Sehbehinderte gut ausüben können.“ Karl Küppers lobte die hervorragende Zusammenarbeit des ganzen Teams.
Auch für Sandcarver Martin de Zoete war es ein besonderes Erlebnis: „Es hat meine Augen geöffnet, dass man trotzdem sieht, obwohl man nichts sehen kann.“ Oliver Hartmann, Leiter der Sandskulpturen-Ausstellung: „Wir wussten anfangs nicht, in welche Richtung es geht. Es war eine tolle Erfahrung für alle.“ Beeindruckend sei auch gewesen, dass sich die Teilnehmenden von Beginn an alle gegenseitig unterstützten.
Die vier Skulpturen haben einen festen Platz im Eingangsbereich der Ausstellung und werden dort bis zum Ende der Schau stehen. Die Ausstellung unter dem Motto „Zeitreise im Sand“ist noch bis zum 1. November täglich von 10 bis 18 Uhr (letzter Einlass 17.30 Uhr) geöffnet. 25 nationale und internationale Künstler, darunter Welt- und Europameister im Carven, präsentieren in den Bootshallen an der Travemünder Landstraße 306 rund 104 Skulpturen – jetzt zusammen mit den Werken von vier blinden und sehbehinderten Menschen.