Das sieht ihr Chef Jörg Ortmann ganz genauso. Er ist Inhaber der vier Lübecker Pinguin-Apotheken und begeistert von seiner jungen Mitarbeiterin. „Sie ist unglaublich motiviert, fleißig, freundlich, offen und klug“, lobt der Apotheker. All das sei bei Azubis „inzwischen leider selten geworden”.
Verkürzte AusbildungAngesichts ihrer guten Noten konnte Kazheen Omar Ali die dreijährige Ausbildung auf zweieinhalb Jahre verkürzen. Schnell war klar, dass sie nach ihrer Ausbildung, die im Januar dieses Jahres endete, übernommen wird. „Wir freuen uns jeden Tag, dass sie bei uns ist“, sagt Ortmann. Kazheen Omar Ali gehört jetzt fest zum rund 30-köpfigen Team des Stammhauses am Lübecker Hauptbahnhof.
Als eine der besten PKA-Auszubildenden in Schleswig-Holstein wurde sie Anfang Juli von der Apothekerkammer für ihren Abschluss mit der Gesamtnote 2,0 ausgezeichnet. Die Berufsschule schloss die junge Frau mit einem Notendurchschnitt von 1,1 ab. „Als mein Name bei der Feier vorgelesen wurde, war das ein schönes Gefühl“, sagt Kazheen Omar Ali, die nach Aussage ihres Chefs „immer viel zu bescheiden ist“.
Neben ihrer Muttersprache Kurdisch spricht sie auch Türkisch, Englisch, kann Arabisch lesen und schreiben, „ein bisschen Deutsch und Spanisch möchte ich noch lernen“. Da ist sie wieder, ihre große Bescheidenheit, denn in Wahrheit spricht Kazheen Omar Ali nicht nur ein wenig, sondern fließend Deutsch. Lübeck ist inzwischen zu ihrer „neuen Heimat“ geworden. Vor kurzem verbrachte sie ein Wochenende in Berlin und hatte „sofort Heimweh nach dem schönen, ruhigen Lübeck“.
Auf die Frage, wie sie in einem neuen Land so schnell Erfolge vorweisen konnte, reagiert Kazheen Omar Ali mit einem strahlenden Lächeln. „Ich war sehr motiviert und bin drangeblieben.“ In der Berufsschule habe sie stets versucht, „im Voraus zu lernen“. Sie hat sich also bereits mit dem Stoff beschäftigt, bevor er im Unterricht drankam.
„Ich habe auch nie zugegeben, wenn ich etwas nicht verstanden hatte, sondern so lange gebüffelt, bis ich es kapiert habe“, erinnert sich die ehrgeizige junge Frau, die gerade ihren Führerschein macht. An ihrer Arbeit in der Pinguin-Apotheke mag sie vor allem „unser tolles Team, dass jeder Tag anders ist und ich stetig dazulernen kann“.
Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) sind nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände „das organisatorische Rückgrat der Apotheke“. Zu ihren Hauptaufgaben gehören die komplette Warenwirtschaft (Bestellung, Annahme, Lagerhaltung, und Preisbildung) sowie die kaufmännische Verwaltung. Außerdem beraten sie Kundinnen und Kunden im Selbstbedienungsbereich.
„Wer nicht gut kalkuliert,„Viele Apotheken verzichten inzwischen auf PKA. In meinen Augen ist das ein großer Fehler“, sagt Ortmann. Denn: „Wer nicht gut kalkuliert, geht unter.“ Kazheen Omar Ali wäre gern eines Tages Chefeinkäuferin. Ihr Vorgesetzter ist überzeugt: „Das Potenzial dazu hat sie.“
Ihre Eltern, die in der Region Kurdistan leben, sind glücklich über die Berufswahl ihrer Tochter und „sehr stolz“. Gesehen haben sie sich seit fünf Jahren nicht mehr. „Aber wir telefonieren jeden Tag und nächstes Jahr werde ich sie besuchen.“ Sie freue sich sehr auf das Wiedersehen, aber auch auf die Rückkehr nach Lübeck: „Ich liebe meine Familie – und meine Arbeit.“