Aktuell leben 2130 Geflüchtete in 40 städtischen Gemeinschaftsunterkünften. Die am stärksten vertretenen Nationalitäten: 40 Prozent von ihnen kommen aus der Ukraine. 21 Prozent sind Syrer, 15 Prozent stammen aus Afghanistan.Die Stadt rechnet für dieses Jahr mit 759 Aufnahmen. Der Trend sinke leicht, eine Entwarnung sei aber nicht in Sicht, sagt die Stadt. Einen Höhepunkt hatte es mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 gegeben, als 1320 Menschen untergebracht werden mussten.
Geflüchtete finden nur schwer eine Unterkunft
„Der Wohnungsmarkt ist angespannt. Für geflüchtete Menschen ist es besonders schwer, etwas zu finden“, sagte Sozialsenatorin Pia Steinrücke (SPD). Deswegen leben sie recht lange in den Gemeinschaftsunterkünften – laut Stadt im Schnitt zwei Jahre und mehr. „Das bedeutet auch, dass neue Unterkünfte ans Netz gehen müssen“, sagte ein Vertreter der Gemeindediakonie.In der geplanten Gemeinschaftsunterkunft in der Königstraße (100 Plätze) seien die Wände fertig, die Fußböden müssten noch gemacht werden, sagte die Stadt-Mitarbeiterin. Weil der Eigentümer Probleme bei der Finanzierung gehabt habe, hätte sich das gesamte Vorhaben verzögert.
Aktuell sei die größte Herausforderung, einen Brandschutzsachverständigen zu bekommen. Diese hätten Wartezeiten von bis zu einem Jahr. Das mache den Starttermin ungewiss – die Stadt hofft auf Dezember. Das fünfjährige Mietverhältnis beginnt mit der Schlüsselübergabe.
Für die Lange Reihe (69 Plätze) lautet die „vorsichtige Prognose“ erstes oder zweites Quartal 2027. Der Eigentümer müsse noch verschiedene Dinge umsetzen, erläuterte die Mitarbeiterin der Verwaltung. Es handelt sich bei der Immobilie um ein früheres Altenheim.Die Stadt hat die Möglichkeit, dort körperlich eingeschränkte Menschen unterzubringen. Das sei bisher nur in der Ostseestraße möglich, dort seien aber alle Plätze belegt. Lübeck müsse Kriegsversehrte aus der Ukraine versorgen, denen wegen des Krieges Körperteile fehlten. Die Zimmer im Erdgeschoss der Langen Reihe seien barrierefrei. 20 bis 25 Plätze gebe es dort. Die oberen Etagen seien mit dem Aufzug erreichbar. Die dortigen Plätze seien immerhin barrierearm.
Bei beiden Objekten plant die Stadt, für die Anwohner einen Monat vor dem Start Informationsveranstaltungen anzubieten.
In St. Jürgen leben die meisten Geflüchteten
Die meisten geflüchtete Menschen leben in St. Jürgen (562). Der einzige Stadtteil, der keine Unterkunft für Flüchtlinge hat, ist Schlutup. Die Suche nach einer geeigneten Immobilie sei nicht erfolgreich gewesen. „Dort ist aktuell kein Vorhaben geplant“, sagte die Vertreterin der Stadtverwaltung.
Senatorin Pia Steinrücke gab im Sozialausschuss zudem bekannt, dass die Hansestadt Lübeck ein Nachprüfungsverfahren bei der Vergabekammer gewonnen habe. Anfang März war die Soziale Betreuung für einen ausgewählten Teil der Gemeinschaftsunterkünfte europaweit ausgeschrieben worden. Gewonnen hatten die Gemeindediakonie und der Berliner Dienstleister Hero. Das DRK habe die Vergabe überprüfen lassen. Eine Beschwerde beim Oberlandesgericht innerhalb von 14 Ta gen ist allerdings noch möglich.