Seit 1952 prägt der Kreisverkehr den Mühlentorplatz. In dem Jahr wurde die damalige Kreuzung zu einem Verkehrsteller umgestaltet. Bis dahin trafen an dieser Stelle die Ratzeburger Allee, die Kronsforder Allee und die Mühlentorbrücke aufeinander. In den 1950er Jahren wurden bundesweit Städte autogerecht umgestaltet. Deswegen wurde aus der zuvor übersichtlichen Kreuzung ein Verkehrsknotenpunkt. Eine Straße wurde dort angebunden: die Hüxtertorallee.
Die HüxtertoralleeSie verlief bis dahin durch den heutigen Hermann-Hesse-Park und mündete ein Stück weiter stadtauswärts bei der Antonistraße auf die Ratzeburger Allee. Die Hüxtertorallee wurde weiter in Richtung Kanaltrave verlegt. Auf der neuen Trasse hatte sich früher der St.-Annen-Friedhof befunden. Dieser war schon zuvor beim Bau des Elbe-Lübeck-Kanals mit Aushub bedeckt und zu einer Gartenanlage umgewandelt worden.
Für die Verlegung der Hüxtertorallee wurden die verbliebenen Grabsteine entfernt. Das frühere Eingangstor von 1808, das eigentlich erhalten werden sollte, wurde durch einen gefällten Baum versehentlich zerstört. Heute erinnert nichts mehr an den Friedhof. Allerdings: Als die Entsorgungsbetriebe 2023 die Kanalisation unter der Hüxtertorallee erneuerten, stießen die Arbeiter auf die Überreste der Gräber, die daraufhin archäologisch dokumentiert und gesichert wurden.
Über mehrere Jahrzehnte hatte der Kreisverkehr zwei Fahrspuren. Die Einfahrten in den Kreisverkehr erfolgten ebenfalls zweispurig. Die Grünfläche in der Mitte wird heute vom Bereich Stadtgrün und Verkehr bepflanzt und ist ein blühendes Entree in die Altstadt.
Viele denkmalgeschützteRund um den Mühlentorplatz gibt es zahlreiche denkmalgeschützte Bauwerke. Etwa die 1899 gebaute Mühlentorbrücke, die über den 1900 eröffneten Elbe-Lübeck-Kanal führt. Aktuell ist sie wegen Baufälligkeit gesperrt. Der Hochbunker, der unmittelbar neben dem Kreisverkehr steht, wurde 1941 errichtet. Er ist seit 2015 ein eingetragenes Kulturdenkmal. Die Wallanlagen sind seit 2023 ebenfalls Denkmal. Der kleine Pavillon aus den 1950er Jahren, der zuletzt ein Antiquitätengeschäft beherbergte, ist hingegen bislang keines. Es war aber nicht alles nur hübsch und romantisch. 35.000 Fahrzeuge und 7500 Radfahrer rollten pro Tag über den Platz. Seit der Sperrung der Mühlentorbrücke sind es deutlich weniger Autos. In den Polizeistatistiken tauchte der Kreisel regelmäßig als Unfallschwerpunkt auf. Besonders Radfahrer lebten dort gefährlich. 2023 kam Bewegung in die Sache. Auf Druck des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr gestaltete die Stadt den Kreisverkehr provisorisch um. Im Kreisverkehr gab es fortan nur noch eine Fahrspur, der Radverkehr wurde baulich vom Autoverkehr abgesetzt.
Eine endgültige Lösung sollte gesucht und bis zur Fertigstellung der Mühlentorbrücken-Sanierung umgesetzt werden. Die Stadtverwaltung favorisiert eine Ampelkreuzung.
Bürgerschaft will wiederNach monatelanger Debatte schloss sich die Mehrheit der Bürgerschaft dieser Meinung an. Die Initiative kämpft seitdem für den Erhalt des Kreisverkehrs. Ausgang offen.
Bürgerinnen und Bürger können sich ausführlich über das Für und Wider informieren. Die Argumente der Initiative sind auf der Seite ja-zum-muehlentorteller.dezu finden. Die Stadt will in Kürze Informationen unter www.luebeck.de/muehlentorplatzbereitstellen. „In vielen Ladengeschäften und Praxen liegen Unterschriftenlisten aus“, sagt Detlev Stolzenberg. Wer zusätzlich unterstützen möchte, könne sich unter der Telefonnummer 0163/6352000 melden.