Erwachsene würden vielleicht sagen: „Das Kind ist schüchtern.“ Das Thema Schüchternsein, wie Autorin Johanna Klement (47) es in ihrem neuen Bilderbuch „Chamäleonrot – Eine Geschichte übers Schüchternsein“ beschreibt, begleite sie seit ihrer Kindheit. „Ich war ein sehr schüchternes Kind und wurde dahin gedrängt: ‚Jetzt trau dich doch mal, jetzt sei doch mal mutiger, komm mehr aus dir heraus.‘“ Doch dieser Schalter lasse sich für schüchterne Menschen nicht einfach so umlegen.Klement ist Ärztin und Autorin mehrerer Bilder-, Kinder- und Jugendbücher. Ihr Buch „Von Rotze bis Kotze: Die flüssigen Superkräfte deines Körpers“ wurde mehrfach ausgezeichnet. Außerdem schreibt sie als Medical Writer wissenschaftliche Texte für ein Fachpublikum. In diesem Jahr erscheinen fünf neue Bücher der Autorin.
Es sind „Herzensthemen“, die sie in ihren Büchern bearbeitet, sagt Klement. „Gerade bei den Bilderbüchern sind es oft Themen, die für mich relevant sind oder für uns als Familie oder im Freundeskreis.“
Ihr größter Wunsch in diesen Situationen sei es gewesen, unsichtbar zu werden. Dann würde sie niemand ansprechen: Der Kellner würde nicht wissen wollen, wie das Essen geschmeckt habe, oder Kinder auf dem Spielplatz würden nicht fragen, ob sie mit den Förmchen spielen können.
Chamäleons können sich nicht tarnen
Ein Chamäleon müsste man sein. Doch bei ihrer Recherche fand die Wissenschaftlerin heraus, dass Chamäleons gar nicht vollständig mit ihrer Umgebung verschmelzen. Ihre Farbwechsel seien Reaktionen auf Stress, Hitze oder Angeberverhalten.Für ihr Buch verwarf die Lübeckerin die Assoziation nicht, sondern sah eine Parallele zu dem Kind aus dem Buch. Denn Schüchternheit sei keine Schwäche. „Häufig gehen andere Charaktereigenschaften mit einher, die unglaublich wertvoll sind, wie gutes Beobachten, einfühlsam sein, andere Leute lesen zu können oder die Stimmung im Raum zu bemerken.“In den reichen Illustrationen von Dorothea Blankenhagen gibt es kleine Details, die Spaß machen, wenn man sie entdeckt. Sei es ein kleiner Marienkäfer, der zur Klingel des Fahrrades wird, oder die Umrisse des Chamäleons, das in seinem Terrarium gar nicht so einfach zu entdecken ist.
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