Darüber soll nach der Sommerpause ergebnisoffen im Bauausschuss gesprochen werden. Das geht auf einen Antrag der SPD zurück, der in der Bürgerschaft beschlossen wurde. Sie möchte, dass ein nächtliches Verkehrsangebot erhalten bleibt, stellt aber infrage, ob das Lümo das beste Modell dafür ist. Deswegen sollen nun verschiedene Varianten geprüft werden. Eine davon: die Einbeziehung der Taxiunternehmen mit ÖPNV-Taxis. Diese wären im Auftrag der Stadt nach Bedarf auf festgelegten Routen unterwegs.
André Marx, Geschäftsführer der Lübecker Funktaxen, hofft, dass die Lübecker Taxiunternehmen bei der künftigen Gestaltung des Nachtverkehrs eingebunden werden. Schließlich seien sie schon jetzt fester Teil des ÖPNV. „Taxis unterliegen der Betriebs-, Beförderungs- und Tarifpflicht“, sagt er. Schon vor der Entscheidung der Bürgerschaft am 25. Juni hatten die Funktaxen den Rathaus-Fraktionen ein mit dem Lümo vergleichbares Angebot geschickt.
„Da Taxis ohnehin verfügbar sind, sind diese immer die günstigere Alternative, wenn es um ein subventioniertes Angebot geht“, sagt André Marx. Ein lümoartiger Taxi-Betrieb im Lübecker Kerngebiet am Wochenende und vor Feiertagen (22.30 bis 5 Uhr) würde laut Funktaxen demnach 227.000 Euro im Jahr kosten. Wenn zusätzlich ein Betrieb an den anderen Tagen (22.30 bis 4 Uhr) hinzukäme, wären es laut Funktaxen knapp 480.000 Euro. Eine Ausweitung auf Moisling und Schlutup wäre möglich. Ein Komfortzuschlag von 1,50 Euro, den der Fahrgast zahlt, würde bei den Taxiunternehmen verbleiben.
Die Lübecker Stadtverwaltung hatte ebenfalls die Betriebskosten verschiedener Lümo-Varianten durchgerechnet. Demnach würde das Lümo im Kerngebiet an Wochenenden 425.000 Euro pro Jahr kosten, bei der täglichen Variante dann 700.000 Euro . Auch ein ÖPNV-Taxi hat die Stadt kalkuliert. Sie kommt bei einem täglichen Einsatz auf 800.000 Euro. Allerdings ist der Vergleich schief, denn hier sind die gültigen Taxitarife Berechnungsgrundlage und nicht die Betriebskosten. Deswegen halten die Funktaxen diesen Ansatz für zu hoch. Die Stadt müsste, so André Marx, ohnehin auf dem Verordnungsweg den gültigen Taxitarif um einen ÖPNV-Taxitarif erweitern.
In einer Stellungnahme hatte die Stadt weitere Bedenken gegen die Taxi-Lösung genannt. So sei der zusätzliche Verwaltungsaufwand hoch, die Ausstattungsqualität der Fahrzeuge eingeschränkt (zum Beispiel bei Rollstuhlbeförderung) und die Verlässlichkeit unklar. Die Stadt befürchtet, dass es bei einer hohen Auslastung der Flotte durch reguläre Taxifahrten nur ein geringes oder gar kein ÖPNV-Taxi-Angebot geben könnte.
„Grundsätzlich sind genügend Fahrzeuge da“, sagte André Marx. Die Unternehmen seien bereit zu investieren und hätten auch weitere Fahrer in der Hinterhand. Die Anbieter hätten zudem Erfahrungen mit ähnlichen Verkehren – zum Beispiel mit den früheren Anrufsammeltaxis, den Frauen-Nachttaxis, den Linientaxis oder dem Koberg-Shuttle. Das Taxigewerbe sei in der Lage, den Verkehr von der Buchung bis zur Abrechnung selbst auf die Beine zu stellen. Laut André Marx rollen etwa 190 Taxis durch Lübeck, 70 davon werden über die Funktaxen vermittelt. In das Nacht-ÖPNV-System könnten aber alle Taxiunternehmen eingebunden werden, die das wollen.
Er kritisiert, dass das Lümo in seiner jetzigen Form klassische Taxinachfrage bediene. Und das würden die Unternehmen spüren. Nachts hätten die Funktaxen einen deutlichen Rückgang verzeichnet, insbesondere bei Sammelfahrten mit Großraumtaxen. Das Taxigewerbe sei akut in seiner Funktionsfähigkeit gefährdet. Das gelte vor allem dann, wenn Lümo-Angebote ausgeweitet werden, ohne dass das Taxigewerbe eingebunden werde.
André Marx sitzt für die SPD im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung – dieser ist allerdings nicht fürs Lümo zuständig. Er berichtet, dass er vor der Bürgerschaftssitzung den größeren Fraktionen ein Gesprächsangebot gemacht habe. CDU, SPD und FDP hätten das angenommen, die Grünen bislang nicht. „Ich hoffe, dass sie noch auf uns zukommen.“
Die Finanzierung des Lümo wäre zum Jahresende ausgelaufen. Als Kompromiss hat die Bürgerschaft jetzt eine Verlängerung um sechs Monate bis Juni 2027 beschlossen – aber unter veränderten Vorzeichen. Das Lümo soll künftig auch Moisling und Schlutup anbinden, dafür aber nur noch am Wochenende unterwegs sein. Neu: Travemünde und Kücknitz werden durch eine Nachtbuslinie angebunden. 400.000 Euro muss die Stadt für diese Übergangslösung bezahlen.