Perspektive Zukunft
Das Projekt der Diakonie Nord Nord Ost für obdachlose Menschen läuft seit über einem Jahr und hat sich etabliert – schon über 100 Personen wurden unterstützt.

Paul Frischmann und Silke Zorn vor dem Büro von „Perspektive Zukunft +“ in Lübeck.Foto: Diakonie Nord Nord Ost
Lübeck. Obdachlos oder vom Verlust der eigenen Wohnung bedroht zu sein – das ist eine starke Belastung. Wenn dann noch eine psychische Erkrankung dazukommt, wird die Herausforderung noch größer. Hier setzt das Projekt „Perspektive Zukunft +“ der Diakonie Nord Nord Ost an. „Das Projekt ergänzt jetzt seit einem guten Jahr unsere Beratungsstellen und Notunterkünfte für wohnungslose Menschen in Lübeck“, sagt René Bornmann, Abteilungsleiter bei der Diakonie Nord Nord Ost. „Unsere Klientinnen und Klienten werden von dort an das Projekt-Team vermittelt, wenn klar ist, dass sie aufgrund ihrer psychischen Situation weitergehende Unterstützung brauchen.“

Das Projekt-Team bilden Silke Zorn und Paul Frischmann. Die beiden Sozialpädagogen bieten keine Therapie, sondern erst einmal einen sicheren Ort, Vertrauen und eine „gewisse liebevolle Beharrlichkeit“, wie Silke Zorn es nennt. „Zu uns kommen Menschen, die zum Beispiel das Borderline-Syndrom oder Depressionen haben, aber auch welche, bei denen es noch gar keine Diagnose gibt“, so Silke Zorn. „Unsere Aufgabe ist, sie in ihrer oft unübersichtlichen und oft auch einsamen Situation abzuholen und gemeinsam zu schauen, wie die nächsten Schritte aussehen können.“

Dabei ist viel Geduld gefragt. „Einige haben bereits das Vertrauen in die Gesellschaft und das Hilfesystem verloren“, sagt Paul Frischmann. „Anderen fällt es aufgrund ihrer Erkrankung extrem schwer, Termine einzuhalten oder morgens überhaupt aufzustehen – teilweise holen wir unsere Klientinnen und Klienten deshalb auch direkt in ihrer Unterkunft ab und begleiten sie.“

Seit dem Start hat das kleine Team schon über 100 Personen unterstützt, manche haben nur einen Termin wahrgenommen, andere kommen zweimal in der Woche im Büro in der Moislinger Allee 9b vorbei. „Der Bedarf der Betroffenen ist sehr unterschiedlich“, sagt Silke Zorn. Ziel ist, dass die obdachlosen Menschen trotz und mit ihrer psychischen Belastung zurück in eigenen Wohnraum oder ein passendes Wohnangebot finden. „Es freut uns immer wahnsinnig, wenn das klappt“, so Paul Frischmann. „Teilweise haben uns Klientinnen und Klienten sogar schon an andere Betroffene weiterempfohlen.“

Das Projekt „Perspektive Zukunft +“ wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die EU über den ESF-Plus gefördert. Diese Finanzierung läuft zunächst bis Ende 2028. „Wir hoffen nach den ersten Erfolgen sehr, dass wir danach weitermachen können“, sagt Silke Zorn. „Das ist bei den aktuellen politischen Debatten um Kürzungen im sozialen Bereich keine Selbstverständlichkeit.“

Wer betroffen ist und sich Hilfe durch das Projekt wünscht, erreicht das Team unter Telefon 0173-3029862, Telefon 0152-59102901 oder per E-Mail an pzp@diakonie-nordnordost.de. Ganz bewusst gibt es keine festen Sprechzeiten, da Silke Zorn und Paul Frischmann flexibel bleiben möchten, um ihre Klientinnen und Klienten bei Bedarf zu besuchen oder zu Terminen zu begleiten. „Wir vereinbaren nach der ersten Anfrage einen festen Termin und können uns erstmal kennen lernen.“

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