Stadt schleppt Autos in der Vorbeckstraße ab
Umsetzung des Parkverbots in der kleinen Straße in St. Lorenz Nord soll künftig strikt kontrolliert werden – Anwohner hoffen auf Gespräch mit den Verantwortlichen.

Marion Egidi und Bernd Schwantes aus der Lübecker Vorbeckstraße können nur zuschauen, wie das Auto der Anwohner abgeschleppt wird.Foto: privat
Lübeck. Sie wollen keinen Streit. Sie wollen reden. Aber für viele Anwohner in der Vorbeckstraße ist das, was die Hansestadt jetzt unternommen hat, ein Ausdruck völliger Ignoranz. „Hinterhältig und frech ist das! Um 7 Uhr morgens, das war überfallartig“, sagt Anwohnerin Marion Egidi. Auch Bernd Schwantes ist empört: „Niemand kommt auf uns zu und redet mit uns. Jetzt haben sie einfach Fakten geschaffen, und wir können nichts unternehmen.“

Der Hintergrund ihrer Wut: Vor einigen Wochen hatte die Hansestadt angekündigt, dass das Halte- und Parkverbot in der kleinen Straße in St. Lorenz Nord künftig strikt kontrolliert wird. Die Fahrbahn ist viel zu eng, wenn auf einer Seite Fahrzeuge stehen – ein Problem für Feuerwehr, Müllfahrzeuge und Rettungsdienst. Die Anwohner haben sich daraufhin zusammengesetzt und andere Lösungen erarbeitet, die sie der Hansestadt schriftlich mitgeteilt haben. Von der Hansestadt hieß es, dass diese Lösungsvorschläge geprüft würden. Und dann kam das Ordnungsamt.

Bewohner haben mit einem Gespräch gerechnet

„Vor etwa einer Woche um 7 Uhr morgens kamen sie und haben erst einmal allen Autos einen Strafzettel verpasst“, sagt Anwohner Murat Ersöz. Er hat einen Anruf von seiner Nachbarin bekommen und ist sofort zu seinem Auto geeilt. „Jeder, der seinen Wagen nicht innerhalb einer halben Stunde wegbringen konnte, wurde abgeschleppt. Ich hatte Glück, ich habe nur den Strafzettel über 35 Euro.“

Rund 25 Fahrzeugbesitzer müssten die 35 Euro zahlen, schätzt Ersöz. Etwa eine Hand voll Autos seien abgeschleppt worden. „Alle hier sind empört. Nach meinem Verständnis muss ein Bürgermeister den Kontakt zu seinen Bürgern suchen“, sagt er. „Wir dachten, dass sich die Stadt zuerst bei uns meldet, bevor sie zu solchen Maßnahmen greift. Aber ich habe das Gefühl, dass die Hansestadt ihre Position ausnutzt – schließlich sitzt sie am längeren Hebel. Unsere Vorschläge haben die Stadt wahrscheinlich gar nicht gekümmert.“

Parken in Vorbeckstraße „kaum möglich“

Das ist laut Stadtsprecherin Nicole Dorel nicht der Fall. „Aktuell werden die Vorschläge der Anwohnenden geprüft, Ergebnisse liegen noch nicht vor“, sagt sie. Die Wünsche der Anwohnenden seien nachvollziehbar, jedoch nur schwer mit den gesetzlichen Vorgaben vereinbar. „So kann schon jetzt gesagt werden, dass das Schaffen von Parkflächen in der Vorbeckstraße mit den aktuellen Straßenquerschnitten kaum möglich sein wird“, sagt Nicole Dorel. „Dennoch werden derzeit verschiedene Lösungsmöglichkeiten diskutiert – eine kurzfristige Lösung scheint jedoch nicht denkbar.“ Die Stadtsprecherin verspricht, dass Anwohner informiert würden, sobald die Ergebnisse vorliegen.

Die Abschlepp-Aktion verteidigt Dorel, schließlich gebiete die Sach- und Rechtslage ein ordnungsbehördliches Einschreiten. „Dem Ordnungsamt stehen keine Handlungsoptionen zur Verfügung, wenn Anwohnende trotz geltender Rechtslage und zusätzlicher Informationen an einem fehlerhaften Verhalten festhalten und ihre Fahrzeuge verbotswidrig abstellen“, sagt die Stadtsprecherin. „Erforderlich wurde das Einschreiten, nachdem beim Ordnungsamt diverse Beschwerden zur Vorbeckstraße eingegangen sind.“

Murat Ersöz sagt hingegen, dass es in der Straße seit mehreren Jahrzehnten nie ein Platzproblem gegeben habe. Erst, als wegen des Verkehrsversuches in der Fackenburger Allee das Halteverbot in der angrenzenden Straße Achterum aufgehoben wurde, sei es problematisch geworden. „Das haben wir der Stadt auch mitgeteilt“, sagt Ersöz, und: „Wir werden den Strafzetteln widersprechen, dann sehen wir weiter.“ und HAN
Druckansicht