Unfallschwerpunkt Lindenplatz: Bald noch mehr Stau für Busse?
Stadtwerke warnen vor der geplanten Umgestaltung – Nur eine Baufirma hat sich für die Arbeiten beworben.

Der Lindenplatz oder Lindenteller wird von fast allen Bussen genutzt, die zum Zob fahren oder von dort kommen. 35.000 Fahrgäste würden den Kreisverkehr täglich mit Bussen überqueren, sagt das städtische Verkehrsunternehmen.Fotos: Lutz Roessler
Lübeck. Der geplante Umbau des Lindenplatzes im Sommer hat gravierende Auswirkungen auf den Busverkehr. Das erklären die Stadtwerke Lübeck Mobil in einer Stellungnahme, die bisher öffentlich nicht bekannt war und die der SPD-Verkehrspolitiker Ulrich Pluschkell jetzt öffentlich gemacht hat.

Darin warnt das Busunternehmen ausdrücklich vor der Variante, die durch den Umbau entstehen soll. „Wir möchten darauf hinweisen, dass der Lindenplatz der für den ÖPNV wichtigste Kreisverkehr ist, da er von nahezu allen Linien befahren wird. Insgesamt befahren unsere Busse den Kreisverkehr in beiden Richtungen zusammen etwa 1500 Mal pro Tag. Pro Tag überqueren etwa 35.000 Menschen den Lindenplatz in Ost-West-Richtung in unseren Linienbussen“, heißt es in der Stellungnahme.

Die Stadtwerke Lübeck Mobil gehen davon aus, „dass die Fußgängerüberwege und Radquerungen an der Hansestraße und der Puppenbrücke den Busverkehr bei der Ein- und Ausfahrt vom und zum Kreisverkehr stark behindern werden, sodass wir mit einer längeren Fahrzeit von ein bis zwei Minuten pro Richtung rechnen müssen.“„Wir bitten Sie, die
Planungen zu prüfen“

Als ganz besonders anfällig bewertet das Unternehmen die Einfahrt zum Kreisverkehr von der Puppenbrücke kommend. Bei der Ausfahrt in die Fackenburger Allee reiche ein Stau schnell bis in den Kreisverkehr hinein. „Bisher weichen unsere Busse dann auf die linke Spur aus, was mit der neuen Planung nicht mehr möglich wäre“, gibt Stadtwerke Lübeck Mobil zu bedenken.

„Wir bitten Sie, die Planungen noch einmal hinsichtlich einer besseren Lösung für den ÖPNV zu prüfen und vor allem bei der langfristigen Lösung den ÖPNV zu bevorrechtigen“, schließt die Stellungnahme.

Ulrich Pluschkell, Aufsichtsratsmitglied bei den Stadtwerken und Mitglied im Bauausschuss, vermutet, dass der Bauausschuss dem Umbau des Lindenplatzes nicht zugestimmt hätte, wenn die Politiker die Stellungnahme gekannt hätten.

Fahrversuche und
Verkehrssimulationen

„Mit dem geplanten Umbau des Lindenplatzes nimmt die Staugefahr für die Busse deutlich zu“, bestätigt Bernhard Simon (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender von Stadtwerke Lübeck Mobil. Wenn Lübeck den ÖPNV weiter ausbauen wolle, müssten die Busse vor allem pünktlich fahren. Dieses Ziel werde gefährdet.

In einer ausführlichen Stellungnahme versucht die Bauverwaltung, die Bedenken zu zerstreuen. Anregungen der Stadtwerke Lübeck Mobil seien in die weitere Planung aufgenommen worden – zum Beispiel eine Busspur von der Hansestraße kommend zum Lindenplatz.

Für die Busse, die vom Holstentor kommend zum Lindenplatz fahren, sei das künftige Verkehrsgeschehen simuliert worden. Weiterhin seien mehrere Fahrversuche mit den Bussen vorgenommen worden. Ergebnis: „Es kommt zu keinen wesentlichen Behinderungen für den Busverkehr.“

Die Bauverwaltung war überzeugt, mit den Stadtwerken Lübeck Mobil alles abgesprochen zu haben. „Wir hatten keinen Hinweis darauf, dass das Unternehmen eine andere Wahrnehmung hat als wir“, erklärte ein Verkehrsfachmann der Verwaltung im jüngsten Bauausschuss der Bürgerschaft. Der Kreisverkehr müsse dringend umgebaut werden, weil Fachaufsichtsbehörden eine Absenkung der Unfallzahlen forderten, sagt die Bauverwaltung. Durchschnittlich würden rund 40 Unfälle auf dem Lindenplatz pro Jahr polizeilich erfasst: „Deshalb besteht dringender Handlungsbedarf. Der Kreisverkehr entspricht nicht mehr den geltenden rechtlichen und verkehrstechnischen Anforderungen.“

Deshalb soll der Radverkehr künftig nicht mehr auf den Autospuren rollen, sondern an der Seite des Platzes. Dafür muss die Stadt an der Ein- und Ausfahrt zur Puppenbrücke eine neue Furt für den Radverkehr bauen. An der Einmündung aus Richtung Hansestraße wird der Zebrastreifen dichter an den Kreisverkehr verschoben, daneben wird ebenfalls eine Furt für den Radverkehr angelegt.

Die Umgestaltung

kostet 620.000 Euro

Vom Holstentor kommend wird eine bisherige Fahrspur künftig als Radfahrstreifen genutzt. Die Zu- und Anfahrten zur Hansestraße und zur Puppenbrücke werden für den Kfz-Verkehr künftig einspurig sein. Im Kreisverkehr wird es bei zwei Spuren bleiben. 620.000 Euro wird die provisorische Umgestaltung kosten.

Die Bauverwaltung steht unter Zeitdruck. Wenn der Radverkehr nicht bald sicherer werde, könnte die Fachaufsichtsbehörde das Radfahren am Lindenplatz untersagen. Ausgerechnet in dieser misslichen Lage stürzt die gerade abgeschlossene Ausschreibung der Bauarbeiten die Verwaltung in ein neues Dilemma: Nur eine Firma hat ein Angebot abgegeben – und die will 50 Prozent mehr Geld als kalkuliert. Ulrich Brock (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses: „Damit kann keine Vergabe stattfinden.“ und DOR



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