Noch teurer: Schienentrasse solljetzt 10,7 Milliarden Euro kosten
Zuletzt war noch die Rede von 8,1 Milliarden Euro – Neue Summe geht aus internem Dokument des Bundesrechnungshofes hervor.

Die Gleise auf Fehmarn werden mit Schotter verfüllt. Die Insel ist bisher der einzige Ort, an dem für die neue Trasse schon gebaut wird.Foto: Deutsche Bahn
Ostholstein. Die neue Schienenanbindung zwischen Lübeck und Puttgarden wird 88 Kilometer lang und zweigleisig sein. Gebaut wird bislang lediglich auf Fehmarn. Spätestens 2027 soll es auch in den meisten anderen Abschnitten losgehen. Zudem soll bereits in diesem Sommer mit den Arbeiten am 2,2 Kilometer langen Sundtunnel von Großenbrode nach Fehmarn begonnen werden. Hinweise auf eine erneute Kostensteigerung sorgen jetzt für Aufregung.

Aus einem internen Bericht des Bundesrechnungshofs geht hervor, dass man mit Kosten in Höhe von 10,7 Milliarden Euro rechnet. Zuletzt war im November 2025 die Rede von 8,1 Milliarden Euro gewesen. Diese Zahl – eine Schätzung – hatte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) im Haushaltsausschuss genannt. Zu beachten ist, dass der als geheim eingestufte Bericht nach Informationen der Lübecker Nachrichten zu diesem Zeitpunkt bereits vorgelegen haben soll.

Das sagt der
Bundesrechnungshof

Simone Kneifl ist Sprecherin des Bundesrechnungshofs, der obersten Behörde für staatliche Finanzkontrolle. Sie bestätigt, dass es einen entsprechenden Beratungsbericht gibt. Dieser liege dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages und dem Rechnungsprüfungsausschuss des Haushaltsausschusses zur Beratung vor. „Solche Berichte können wir Dritten grundsätzlich erst dann zugänglich machen, wenn sie parlamentarisch abschließend beraten wurden. Dies ist bisher nicht der Fall“, führt sie aus.

Ähnlich äußert sich Melanie Bernstein von der CDU. Sie ist Mitglied der genannten Ausschüsse und spricht von einem notwendigen weiteren Austausch auf parlamentarischer Ebene. Auch sagt sie: „Die Deutsche Bahn steht in der Verantwortung, die Hinterlandanbindung der Fehmarnsundquerung möglichst schnell und kosteneffizient umzusetzen. Deutschland hat gemäß Staatsvertrag mit Dänemark seine Verpflichtungen zu erfüllen, und das werden wir auch tun.“

Und Sebastian Schmidt, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Stockelsdorf, ärgert sich, dass Teile des Berichts nun öffentlich geworden sind. „Es hat Sinn und Zweck, dass diese Informationen zunächst intern beraten werden“, sagt er und ergänzt: „Die Fehmarnbeltquerung ist eine Riesen-Chance – auch für Ostholstein.“

So erklärt die Bahn
die Kostensteigerung

Derweil teilt ein Bahnsprecher – angesprochen auf die mehr als zehn Milliarden Euro – mit: „Richtig ist, dass wir von einer deutlichen Kostensteigerung, insbesondere aufgrund der Inflation und der aktuellen Lage in der Baubranche, ausgehen müssen.“ Die neuen Kosten für die Schienenanbindung der festen Fehmarnbeltquerung befänden sich aber noch in der Ermittlung.

Aktuell sei man damit beschäftigt, gemeinsam mit beteiligten Partnern, ein neues Datum für die Inbetriebnahme der Strecke zu ermitteln. Dieses werde benötigt, um eine aktualisierte Gesamtkostenschätzung darzustellen. „Die Gespräche dauern an“, betont der Sprecher.

Als wahrscheinlich gilt, dass es spätestens bei einem Treffen auf der Tunnelbaustelle in Puttgarden mit Patrick Schnieder und seinem dänischen Kollegen neue Details geben wird. Ein Termin befindet sich in der Abstimmung.

Die ostholsteinische Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (SPD) weist auf die Auswirkungen einer Kostensteigerung hin. „Ein Staatsvertrag hat Vorrang gegenüber nationalen Projekten. Das Geld wird also fließen.“ Es sei aber zu erwarten, dass andere Schienen-Vorhaben zurückgestellt werden müssten.

Negative Auswirkungen

für die Region befürchtet

Passend dazu sagt Daniela Borgstädt, Fehmarns und Großenbrodes Regionalmanagerin für die feste Fehmarnbeltquerung: „Die Region könnte insofern davon betroffen sein, dass es dann kein Geld für den Bau eines dritten und vierten Gleises von Lübeck nach Bad Schwartau geben könnte.“ Dieses wird bislang vielfach gefordert, wurde aber noch nicht beauftragt.

Der Zeitplan für die Trasse sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Ursprünglich sollte die Schienenanbindung, die direkt zum Fehmarnbelttunnel nach Dänemark führt, Ende 2029 fertig sein. Zuletzt war von 2032 oder später die Rede.

Das liegt auch daran, dass bislang nur auf Fehmarn gebaut wird. Für alle anderen Abschnitte – bis auf Großenbrode – liegen noch keine Baugenehmigungen vor. Ebenfalls nicht rechtzeitig fertig wird der 18 Kilometer lange Fehmarnbelttunnel selbst. Dieser wird von Femern A/S, einem Tochterunternehmen des dänischen Staatsunternehmens Sund & Bælt, gebaut.

Mikkel Hemmingsen, Vorstandsvorsitzender von Sund & Bælt, sprach im Dezember 2025 von einer zweijährigen Verzögerung. Bezogen auf die noch spätere Realisierung der Bahnstrecke auf deutscher Seite erklärte er Mitte Mai, dass man aus diesem Grund eine Eröffnung des Tunnels in zwei Schritten plane– erst für die Straße, später für die Schiene. und SER

Druckansicht