Dort, wo künftig Doppelhäuser, Reihenhäuser und Wohnblocks stehen sollen, gab es bis vor Kurzem nur Acker. Die Stadtverwaltung musste deshalb zunächst einmal Versorgungsleitungen legen lassen. Im gleichen Zuge wurde die Schlutuper Straße an die neuen Gegebenheiten angepasst und saniert. Am geplanten Neubaugebiet entstanden neue Bushaltestellen und eine Verkehrsinsel, die es vorher nicht gegeben hatte. Zudem erhielt die viel befahrene Straße einen neuen Belag.
Bis zu 20 Autos konntenDes einen Freud, des anderen Leid: Vor der benachbarten Philippus-Kirche verschwanden während der Neugestaltung Parkplätze. „An der Kirche befand sich eine Sandfläche, die als Parkraum genutzt wurde“, sagt Hagen Sommerfeldt vom Kirchengemeinderat. 15 bis 20 Wagen hätten dort schätzungsweise stehen können. Nun gibt es diese Fläche nicht mehr. Der dortige Grünstreifen ist im Auftrag der Stadtverwaltung mit Granitstelen verschlossen worden. Die Botschaft ist eindeutig: Parken nicht erwünscht.
Kita-Eltern findenÜber diese neue Situation sei man in St. Philippus sehr überrascht gewesen, sagt Sommerfeldt. „Für uns ist dadurch eine sehr schwierige Situation entstanden. Gerade ältere Gemeindemitglieder, die nicht mehr gut zu Fuß sind, müssen nun längere Wege in Kauf nehmen, wenn sie in die Kirche wollen.“ An der Schlutuper Straße nahe der Kirche gibt es einige wenige Parkbuchten. Für Anwohnerinnen und Anwohner sowie Gäste stehen rund 100 Meter weiter Parkplätze zur Verfügung.
„Die sind aber meistens voll“, sagt Marc Burow. Dieses Problem hat der zweifache Vater – seine Kinder sind zwei und fünf Jahre alt – nahezu jeden Morgen. Von der Edelsteinsiedlung bringt Burow seine Kleinen in die Kita St. Philippus. Die Einrichtung grenzt direkt an die Kirche. Manchmal parke er auf dem Gelände der Tankstelle gegenüber der Kirche, manchmal müsse er sich irgendwo eine Lücke suchen, um die Kinder abzusetzen. Das sei schwierig, denn auch ein Wendehammer, den es früher nahe der Kirche gab, ist nach der Straßensanierung verschwunden. „Die Schlutuper Straße ist in dem Bereich morgens total vollgeparkt.“ Die Kita kennt das Problem. „Wir bedauern die Situation“, sagt Dörte Eitel, Geschäftsführerin des Kitawerks. „Leider haben wir keine Handhabe, die Situation zu ändern.“ Auch die Kirchengemeinde sieht kaum eine Handlungsmöglichkeit. „Wir versuchen, Parkplätze auf dem Kirchengelände zu schaffen“, erklärt Hagen Sommerfeldt. Für ältere Gemeindemitglieder habe die Kirche nun sogar auf eigene Kosten einen Bringdienst organisiert.
Granitstelen sollenAuf Nachfrage der Lübecker Nachrichten erklärt die Stadtverwaltung: „Im Verlauf der Bauleitplanung hatten alle Bürger die Möglichkeit, sich zu den Planungen zu äußern.“ Die Stelen seien gesetzt worden, um die Alleebäume zu schützen, erklärt Stadtsprecherin Nicole Dorel. Es gebe aber fußläufig erreichbare Parkmöglichkeiten in der Schlutuper Straße.
Hagen Sommerfeldt hätte sich gewünscht, dass die Stadt die Kirchengemeinde vorab über den Wegfall der Parkmöglichkeiten informiert hätte. „Ich finde es schade, wie hier miteinander umgegangen wird“, sagt der Kirchengemeinderat. Marc Burow schließt sich der Kritik an: „Die Art und Weise der Stadt, mit Menschen umzugehen, ist eine Frechheit.“