Dank Kennzeichen-Erkennung: Parkhäuser ohne Schranken
KWL hat positive Erfahrungen gemacht – ADAC: Kunden sollten sich gut informieren.

An der Einfahrt zum Parkhaus Falkenstraße in Lübeck informiert ein großes Schild darüber, dass das Kennzeichen des Fahrzeugs erfasst wird. Foto: Helge von Schwartz
Lübeck. Parkhaus Falkenstraße in Lübeck: Keine Schranke versperrt die Ein- und Ausfahrt. Umsonst ist das Abstellen des Fahrzeugs trotzdem nicht. „Kostenpflichtiger Parkplatz“ steht auf dem großen Schild an der Einfahrt. Und: „Automatische Kennzeichenerkennung“.

Die städtische Tochter KWL hat die Technik 2022 erstmals testweise im Haerder-Center-Parkhaus eingesetzt. Weil die Erfahrungen positiv waren, gibt es nun auch im frisch sanierten Parkhaus an der Falkenstraße sowie im neuen Parkhaus Godewind in Travemünde keine Schranken mehr.

Kamera scannt
die Kennzeichen

Eine Kamera scannt bei der Einfahrt automatisch alle Kennzeichen. Beim Bezahlen geben die Kunden dieses am Automaten ein. In einigen Parkhäusern gibt es zusätzlich die Möglichkeit, per App zu bezahlen.

Lübeck ist nicht allein damit. „Der Trend geht klar in Richtung digitaler und automatisierter Parksysteme“, sagt Rainer Pregla, Sprecher des ADAC in Schleswig-Holstein. Schrankenlose Modelle mit Kennzeichenerfassung würden voraussichtlich weiter an Bedeutung gewinnen, insbesondere in urbanen Räumen.

System wenig

fehleranfällig

„Das schrankenlose System ist weniger fehleranfällig und weniger wartungsintensiv als klassische Schrankenanlagen“, sagt KWL-Sprecher Lucas Braun. Zudem komme es bei Ein- und Ausfahrten zu keinem Rückstau mehr.

„Die Ein- und Ausfahrt wird komfortabler, weil kein Ticket mehr gezogen werden muss und Wartezeiten an Schranken entfallen“, sagt Rainer Pregla vom ADAC. Auch das Risiko, ein Parkticket zu verlieren, gebe es nicht mehr.

Erfahrungen aus der Praxis zeigten jedoch, dass die Systeme erklärungsbedürftig seien. „Ein zentrales Problem ist die Fehleranfälligkeit: Wer sein Kennzeichen falsch eingibt oder die Zahlungsmodalitäten nicht richtig versteht, riskiert Nachforderungen oder Vertragsstrafen.“

Hinzu komme, dass viele Autofahrer die Situation falsch einschätzten und etwa davon ausgingen, dass ein Parkplatz ohne Schranke automatisch kostenlos ist. „Wenn Hinweise unklar, schlecht sichtbar oder missverständlich sind, entstehen schnell unnötige Kosten und Ärger für Verbraucher“, sagt Rainer Pregla.

Die Kunden kommen nach Erfahrung der KWL gut mit dem System zurecht. Während der Einführungsphase habe es vereinzelte Nachfragen gegeben, sagt Lucas Braun. In dieser Zeit hat die KWL auch Kulanz gewährt, wenn jemand vergessen hat zu bezahlen.

Inzwischen komme es kaum noch vor, dass Kunden die Parkgebühr schuldig blieben. In solchen Fällen werde ein Dienstleister aktiv. Für Betroffene wird es allerdings deutlich teurer als am Kassenautomaten: 40 Euro.

Autofahrer müssten sich laut ADAC bewusst machen, dass sie mit der Einfahrt in der Regel einen Nutzungsvertrag eingehen – auch ohne Ticket oder Schranke. Sie sollten also genau gucken, welche Zeitlimits und welche Zahlungsmodalitäten es gibt. Beim Bezahlen sollten sie darauf achten, das Kennzeichen korrekt einzugeben. Rainer Pregla rät, einen Beleg oder Screenshot zu sichern, um die Zahlung nachweisen zu können.

Bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein ist das schrankenlose Parken bislang kein Thema. Dazu „liegen uns bislang weder Beschwerden noch Hinweise von Verbraucherinnen und Verbrauchern vor“, heißt es auf Anfrage der Lübecker Nachrichten.

Es wird weiterhin
Schranken geben

Haben Schranken bald ausgedient? Das glaubt der ADAC nicht. „Viele Betreiber setzen weiterhin auf Mischformen oder behalten Schranken als ergänzende Sicherung bei – etwa um Missverständnisse zu vermeiden“, sagt Rainer Pregla.

Auch die KWL denkt, dass es vom Einzelfall abhänge. „Im Parkhaus Holstentor zum Beispiel wollen wir die vorhandene Anlage voraussichtlich weiterverwenden“, sagt Lucas Braun. Diese biete eine Kombination aus Kameraparken und Schranke. und HVS
Druckansicht