Endstation Schrottplatz: Rolltreppen müssen für Umbau weichen Das ehemalige Kaufhaus-Gebäude B in der Lübecker Innenstadt wird zum Bildungshaus – Gibt es auch für Haus A neue Pläne?
Da ist Präzisionsarbeit gefragt: Die erste Rolltreppe verlässt das frühere Karstadt-Gebäude B durch den Haupteingang.Fotos: Agentur 54°Lübeck. Jetzt geht es ans Eingemachte: Weil das ehemalige Karstadt-Gebäude B zum Bildungshaus umgebaut werden soll, haben Handwerker jetzt damit begonnen, die früheren Rolltreppen zu demontieren. Damit endet auch ein weiteres Stück Lübecker Einkaufs- und Kulturgeschichte – und macht Platz für etwas Neues.
Dunkel und kalt ist es dort, wo lange Matratzen und Bettwäsche, später Sportartikel, verkauft wurden. Im Untergeschoss des ehemaligen Karstadt-Gebäudes B an der Königstraße erinnert nicht mehr viel an glorreiche Kaufhaus-Zeiten. Der geschwungene Parkettboden ist noch da. Ein Hinweis an der Rolltreppe wirkt wie ein Echo aus einer früheren Zeit: „UG: Kinder-Moden. Schreibwaren. Spielwaren“. Das war einmal.
„Hier passiert richtig was“Plötzlich wird es laut: Ein Hubfahrzeug zieht die kleine Rolltreppe, die früher ins Durchgangsgeschoss führte, durch den großen leeren Raum. Die Rolltreppe wiegt vier Tonnen. Sie hängt an schweren Ketten und ist bodenseitig auf Rollen aufgebockt. „Hier passiert richtig was“, sagt Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD), der das Spektakel mit seinem Handy filmt. Der Umbau des Gebäudes sei ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung der Lübecker Innenstadt. Darin sind sich der Bürgermeister und Lübecks Bausenatorin Joanna Hagen einig. Klar ist aber auch: Wo etwas Neues entsteht, muss etwas Altes weichen: „Warenhaus wird hier nicht mehr stattfinden“, sagt Lindenau.Umbau kostet mehr als 40 Millionen Euro
Es schwingt leichte Wehmut mit. Denn mehr als 100 Jahre war der Schrangen eng mit dem Namen Karstadt verbunden. Es gibt wohl kaum einen Lübecker, der keine Erinnerungen an Einkäufe in dem großen Kaufhaus hat. Nun sollen Schüler des Johanneums, Katharineums, der Ernestinenschule und der Oberschule zum Dom hier neue Räume finden. Dafür muss das Gebäude entkernt und komplett umgebaut werden. Nach bisherigen Schätzungen kostet der Umbau vermutlich mehr als 40 Millionen Euro. 2028 soll alles fertig sein. „Bislang sind wir im Zeitplan“, sagt Jan Lindenau.
Aber warum konnten die Rolltreppen nicht erhalten werden? „Rolltreppen sind für die Schulnutzung nicht zulässig“, erklärt Bausenatorin Hagen. „Zudem nehmen sie ganz viel Platz weg, außerdem sind die Wartungskosten extrem hoch.“
Gebäude A: Investoren haben InteresseDie neuen Pläne scheinen auch einen positiven Einfluss auf dieZukunft des ebenfalls leer stehenden Karstadt-Gebäudes A zu haben. Das berichtet der Bürgermeister: „Wenn hier bald 1000 Schüler einziehen, steckt darin ja auch eine Kaufkraft. Deswegen wird der Übergang zwischen den beiden Gebäuden erhalten bleiben.“ Was genau in Gebäude A entsteht, dazu hält sich Jan Lindenau aber noch bedeckt. Nur so viel: „Es gibt Investoren, die sich für diesen Standort interessieren. Das Gebäude wird derzeit aktiv überplant.“ Schwung sei in die Angelegenheit gekommen, nachdem die Pläne für Haus B vorgestellt worden seien.Mittlerweile ist das Hubfahrzeug mit der kleinen Rolltreppe beim früheren Eingang angekommen. Hier muss das Vier-Tonnen-Teil noch einmal neu justiert werden, damit das Fahrzeug und die ausrangierte Treppe überhaupt durch den Windfang passen.
Rolltreppen werden
verschrottet Jetzt beginnt die Millimeterarbeit. Am Ende verlässt die Rolltreppe das ehemalige Kaufhaus durch den Haupteingang. Schritt für Schritt, ganz langsam. Die Rolltreppe kommt nun auf den Schrottplatz, wo sie in Teilen recycelt werden soll. In der kommenden Woche sollen auch die großen Rolltreppen ausgebaut werden. Karstadt verlässt Lübeck in Raten.und OP