In sogenannten Reallaboren werden die intelligenten Ampeln getestet. Die Stadt hat drei Straßenzüge dafür auserkoren: Fackenburger Allee, Nordtangente und Bei der Lohmühle.
Praxistest in drei
Lübecker Straßenzügen
Damit die Technik freie Fahrt hat, mussten einige Ampelanlagen aufgerüstet werden – alte Steuergeräte kamen raus, neue LED-betriebene Systeme rein. „Das machen wir Stück für Stück“, sagt Fröhlich. Jetzt werden zusätzlich die benötigten Kameras installiert.
Es gibt bereits erste Ergebnisse: Ein Auto, das um 11.30 Uhr am Lindenteller startet, kommt im Mittel nach 164 Sekunden an der Kreuzung Bei der Lohmühle an. Damit hat das Fahrzeug eine Reisegeschwindigkeit von 26 Kilometern pro Stunde. In die Gegenrichtung benötigt ein Fahrzeug etwas länger: im Schnitt 192 Sekunden bei einer Geschwindigkeit von 23 km/h. „Das können wir durch die Bodenschleifen erfassen“, erklärt Fröhlich. Diese Messgeräte wurden schon verbaut. Erkenntnisse wie diese sollen helfen, den Verkehrsfluss in Zukunft zu verbessern.
Doch nicht nur Autofahrer sollen von der neuen Technik profitieren, sondern auch Radfahrer und Fußgänger. Installierte Bildschirme an Kreuzungen zeigen, wie schnell sie sein müssen, damit auch diese Verkehrsteilnehmer Nutznießer der grünen Welle sind. „Auf dem Display wird eine Art grüner Teppich zu sehen sein. Der zeigt an, wie lange die Ampel noch grün ist“, erklärt Fröhlich. Fußgänger können dann selbst entscheiden, ob es sich lohnt, einen Tick schneller zu gehen.
Grün oder Rot: App
zeigt Farbe der Ampel an
Auch im Hosentaschenformat soll der optimale Verkehrsfluss ab Herbst zu sehen sein: Wer sich die App Trafficpilot herunterlädt, kann dann erfahren, wie schnell er oder sie in Lübeck unterwegs sein muss, um die Grüne Welle auf der Fackenburger Allee nutzen zu können. „Im Prinzip funktioniert die App wie ein Navigationssystem“, sagt Fröhlich. Sie ist ein digitaler Ampelphasen-Assistent. Mithilfe von GPS erkennt sie, auf welche Ampel man zufährt oder läuft, und zeigt in Echtzeit an, ob die Verkehrsteilnehmer diese bei Grün oder Rot erreichen werden. Zusätzlich informiert die App darüber, wie lange es noch bis zur nächsten Grünphase dauert und welche Geschwindigkeit sinnvoll ist, um möglichst ohne Anhalten weiterzufahren. Natürlich darf das Smartphone während der Autofahrt nicht in der Hand gehalten werden. „Man muss das Handy schon in eine Halterung stecken“, sagt Fröhlich. In einigen Städten wie Düsseldorf, Frankfurt am Main, Salzburg und Wien ist die App schon im Einsatz und liefert Echtzeitdaten.
Damit die App funktionieren kann, braucht es viele Daten. Die Kameras liefern bald Bildmaterial von vier Kreuzungen an den zentralen Server. Alles datenschutzkonform, versichert die Stadt. „Es werden keine Livebilder gemacht“, sagt Nicole Dorel, Sprecherin der Hansestadt.
Dafür erkennen die Kameras jede Art von Verkehrsteilnehmenden – vom Lkw über das Auto, Motorrad und Fahrrad bis zum Fußgänger. Acht Verkehrsklassen werden unterschieden. „Das ist wichtig, weil jeder eine andere Reisezeit benötigt“, erklärt Fröhlich. Und darauf sollen die Ampeln bald reagieren können.